April so warm wie fast noch nie

In den letzten 141 Jahren war der April im Weltdurchschnitt nur 2016 heißer als dieses Jahr. Warm wie nie waren im vergangenen Monat die Ozeane, die den Hauptteil der Wärmeenergie aus der globalen Erwärmung aufnehmen.


Weltkarte von dokumentierten Temperaturabweichungen im April 2020
In den meisten Teilen der Welt waren die Temperaturen im April 2020 höher als üblich. (Foto: NOAA)

Weltweit war der vergangene Monat laut der US-amerikanischen Wetterbehörde NOAA der zweitwärmste April in der 141-jährigen Messreihe. Nur im El-Niño-Jahr 2016 war der April noch heißer. Die globalen Oberflächentemperaturen über Land und Ozeanen lagen um durchschnittlich 1,06 Grad über dem Durchschnitt des vergangenen Jahrhunderts – dieser liegt bei 13,7 Grad.

Besonders starke Temperaturabweichungen vom Durchschnitt dokumentierten die NOAA-Forscher:innen in weiten Teilen Sibiriens – dort lagen die Temperaturen vier Grad über dem Durchschnitt.

Sehr warm war es auch in Westeuropa, in Westaustralien, im Golf von Mexiko, in der Labradorsee und dem Beringmeer sowie in Teilen des nördlichen und südlichen Pazifiks – und in der Antarktis, wo die Temperaturabweichung nach oben mindestens zwei Grad betrug. In weiten Teilen Kanadas und der USA war es hingegen kühler als im Durchschnitt.

Anfang Mai hatte schon das EU-Satellitenprogramm Copernicus gemeldet, dass der diesjährige April beinahe gleichauf mit dem April 2016, dem wärmsten April seit Beginn der Aufzeichnungen, lag. Demnach stiegen in einer Reihe westeuropäischer Länder die Temperaturen bis weit über den Durchschnitt, blieben aber im Nordosten Europas darunter.

Auch in Deutschland lagen die April-Temperaturen über dem langjährigen Schnitt. Dem Deutschen Wetterdienst zufolge waren die Durchschnittstemperaturen um 2,2 Grad höher als im Vergleichszeitraum von 1981 bis 2010.

Noch stärker wichen die Niederschläge vom Normalmaß ab: Deutschland erlebte den zwölften zu trockenen April in Folge. Den gesamten Monat über fielen nur knapp 17 Liter Niederschlag pro Quadratmeter – nicht einmal ein Drittel des üblichen Werts von 58 Litern. Der diesjährige April dürfte damit der dritttrockenste seit 1881 sein – nur 1893 und 2007 waren hierzulande noch trockener.

Meere häufen gigantische Wärmemengen an

Neben den hohen Temperaturen verzeichnete die US-Wetterbehörde eine Reihe von außergewöhnlichen klimatischen Ereignissen und Anomalien. Demnach waren die Ozeane warm wie nie: Ihre globale Oberflächentemperatur lag im April um 0,83 Grad über dem Durchschnittswert des 20. Jahrhunderts. Das war die höchste gemessene Meerestemperatur in einem April seit Beginn der weltweiten Aufzeichnungen im Jahr 1880.

Die Ozeane absorbieren einen großen Teil der globalen Erwärmung – sie wirken in der Klimakrise gewissermaßen wie ein Puffer. Seit 1970 haben sich mehr als 90 Prozent der Erderwärmung durch den ungebremsten Treibhausgasausstoß in den Weltmeeren angesammelt. Nur vier Prozent der zusätzlichen Wärme wurden von den Landflächen und der Atmosphäre aufgenommen. 

Die Menge an Wärmeenergie, die den Ozeanen in den vergangenen 25 Jahren durch das Verbrennen fossiler Energien zugeführt wurde, entsprach 3,6 Milliarden Atombomben, wie sie in Hiroshima zum Einsatz kamen. Anfang des Jahres warnte ein internationales Forscherteam, dass die Ozeane seit Beginn der Messungen noch nie so warm waren wie jetzt.

Die Meereisbedeckung in der Arktis lag im vergangenen April um 6,5 Prozent unter dem Durchschnitt der Jahre 1981 bis 2010. Das ist die viertkleinste Ausdehnung, die in einem April gemessen wurde. Forscher:innen rechnen damit, dass die Nordpolarregion schon 2040 im Sommer eisfrei sein könnte.

Die kommenden Monate werden im langjährigen Vergleich wohl kaum kühler: Einer statistischen Analyse der NOAA zufolge wird 2020 mit hoher Wahrscheinlichkeit zu den vier wärmsten Jahren seit Beginn der Aufzeichnungen gehören.

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