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"Kommt nicht mit Reden, kommt mit Plänen"

Die Welt ist nicht einmal annähernd auf dem Weg, die Klimakrise in den Griff zu bekommen, zeigt ein aktueller Report von UN-Experten. Im Gegenteil. Die Daten zeigen überall Negativrekorde.


Abgestorbene Bäume an einem Strand der Malediven
Malediven: Das Meer frisst den Strand. (Foto: Verena Kern)

In ungewöhnlich scharfen Worten hat der Chef der Vereinten Nationen mehr Tempo und Ernsthaftigkeit beim Klimaschutz gefordert. "Der Klimawandel läuft zunehmend schneller ab, die Folgen verschärfen sich", sagte António Guterres. "Was wir bislang dagegen tun, kann damit nicht Schritt halten."

Die weltweiten Bemühungen, die Erderhitzung abzubremsen, müssten wirksamer und entschlossener werden. "Wir können uns keine Verzögerung mehr leisten", sagte der UN-Generalsekretär.

Mit Blick auf den Klima-Sondergipfel, zu dem Guterres im September nach New York einlädt, rief er die Staats- und Regierungschefs auf, endlich mehr zu tun: "Kommen Sie nicht mit einer Rede, kommen Sie mit einem Plan!"

Anlass ist der jüngste Bericht der Weltmeteorologieorganisation WMO. Der Report "State of the Global Climate in 2018" versorgt den September-Gipfel mit den aktuellen Daten zum Zustand des globalen Klimas und zu den sozioökonomischen Folgen des Klimawandels. Er wurde bei einem ersten Vorbereitungstreffen in dieser Woche in New York vorgestellt.

"Der Bericht ist ein weiterer eindringlicher Weckruf", sagte Guterres. "Die Daten, die darin zusammengetragen sind, geben Grund zu großer Sorge. Sie bestätigen, wie dringlich es ist, endlich zu handeln."

Das sind die Kernaussagen:

  • Heißzeit: Die Erderwärmung bewegt sich auf Rekordniveau. Die letzten vier Jahre seit 2015 waren die vier wärmsten Jahre, die seit Beginn der Aufzeichnungen gemessen wurden. 2018 war global betrachtet das viertwärmste Jahr, für Europa das drittwärmste und für einige Regionen der USA und Australiens das zweitwärmste Jahr.
  • Treibhausgase: Die Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre hat ebenfalls eine neue Rekordhöhe erreicht. Für 2018 liegen zwar noch keine abschließenden Daten vor, doch zeichnet sich bereits ab, dass der Trend der vorangegangenen Jahre weitergeht. 2017 waren die Werte für CO2 auf 146 Prozent des vorindustriellen Levels des Jahres 1750 gestiegen, für Methan auf 257 Prozent und für Lachgas auf 122 Prozent.
  • Emissionen: Der Ausstoß von Treibhausgasen steigt weiter, statt zu sinken. 2017 emittierte die Menschheit 1,7 Prozent mehr als im Vorjahr, im Jahr 2018 waren es voraussichtlich weitere zwei Prozent mehr. Allein der Ausstoß des wichtigsten Klimagases CO2 dürfte im vergangenen Jahr bei einem neuen Rekordwert von rund 37 Milliarden Tonnen gelegen haben.
  • Meerestemperatur: Die Ozeane heizen sich stärker auf, vor allem rund um die Antartiktis. Der Anstieg der Temperaturen reicht bis in tiefere Wasserschichten.
  • Versauerung der Ozeane: Im letzten Jahrzehnt haben die Ozeane rund 30 Prozent des anthropogenen CO2 aufgenommen. Dieses reagiert mit dem Meerwasser und verändert dessen pH-Wert. Die Meere versauern, der pH-Wert sinkt zunehmend. Zudem sinkt der Sauerstoffgehalt in den Meeren, sogenannte Totzonen nehmen zu – unter anderem in der Ostsee.
  • Meeresspiegelanstieg: Auch hier ist ein neuer Rekordwert erreicht. 2018 lagen die globalen Durchschnittswerte ("global mean sea level") um 3,7 Millimeter über den Werten von 2017. Ein so starker Anstieg des Meeresspiegels wurde noch nie gemessen. Der Mittelwert der letzten 25 Jahre lag bei 3,15 Millimetern pro Jahr. Die Pegel steigen also nicht nur, der Anstieg verläuft auch immer schneller – derzeit liegt der Anstieg laut WMO jedes Jahr um 0,1 Millimeter über dem Anstieg des Vorjahres.
  • Eisverlust in der Arktis: Die Ausdehnung des arktischen Meereises lag im gesamten Jahr 2018 unter dem langjährigen Durchschnitt. In den ersten beiden Monaten erreichte sie sogar Rekordtiefstände. Die Maximalausdehnung, die im März erreicht wird, lag bei 14,5 Millionen Quadratkilometern und damit rund sieben Prozent unter dem Durchschnitt des 30-Jahres-Zeitraums von 1981 bis 2010. Das Eis kann also im Winter kaum noch Masse aufbauen und sich erholen.
  • Eisverlust in der Antarktis: Auch im Südlichen Ozean lag die Ausdehnung des Meereises im gesamten Jahr 2018 unter dem Durchschnitt. Das jahreszeitliche Minimum, das dort im Februar erreicht wird, lag bei 2,3 Millionen Quadratkilometern und war damit um ein Drittel geringer als sonst. Die maximale Ausdehnung im September lag bei rund 17,8 Millionen Quadratkilometern, vier Prozent unter dem 30-jährigen Durchschnitt. Das ist der zweitkleinste Wert seit Beginn der Messungen.
  • Extremwetter: Die Folgen des Klimawandels sind bereits an vielen Orten spürbar – in Form von zunehmenden Wetterextremen. Rund 62 Millionen Menschen waren von Extremereignissen betroffen, vor allem von Überschwemmungen (35 Millionen Betroffene) und von Dürren. Der Zyklon "Idai", der Mitte März Mosambik traf und große Teile des Landes verwüstete, deutet laut WMO darauf hin, dass sich dieser Trend auch 2019 fortsetzen wird.
  • Soziale Folgen: Die Extremereignisse sind eine akute Gefahr für Ernährungssicherheit und menschliche Gesundheit. Vor allem in afrikanischen Ländern waren 2017 rund 60 Millionen Menschen deshalb von Hunger und Unterernährung betroffen. Die Zahl der Menschen, die jährlich extremen Hitzewellen ausgesetzt sind, stieg seit Beginn des Jahrhunderts um 125 Millionen. Auch die Dauer der Extremhitze steigt. Durchschnittlich dauern Hitzewellen nun 0,37 Tage länger als noch im Zeitraum von 1986 bis 2008.
  • Klimaflüchtlinge: Mehr als zwei Millionen Menschen verloren 2018 durch Klimakatastrophen ihr Zuhause.

"Wir sind nicht auf Kurs, was die Klimaziele des Paris-Abkommens betrifft", stellt der WMO-Report zusammenfassend fest. "Die Zeit, die uns noch bleibt, wird immer knapper."

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