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Riesiger "Wärmepool" im Pazifik

Ein gigantischer "Wärmepool" im Nordpazifik, der starke marine Hitzewellen auslöst, ist auf den Klimawandel zurückzuführen, weist ein Team der Uni Hamburg nach. Lösungen für die überbeanspruchten Meere soll ab heute die Ozean-Konferenz der Vereinten Nationen in Lissabon finden.


Ölförderplattformen im Meer bei Sonnenauf- oder - untergang.
Während sich die Meere aufheizen, wird weiter Öl und Gas gefördert – und über den Zusammenhang geschwiegen. (Foto: Warawoot Nanta/​Shutterstock)

Im Nordpazifik hat sich ein drei Millionen Quadratkilometer großer Warmwasserkörper gebildet, der dort besonders starke marine Hitzewellen auslöst. Das Phänomen ist mit 99-prozentiger Wahrscheinlichkeit auf den menschengemachten Treibhauseffekt zurückzuführen, wie ein Forschungsteam der Universität Hamburg jetzt nachgewiesen hat.

Die Weltmeere puffern den Klimawandel ab, indem sie Wärme und CO2 aufnehmen. Auf den Landflächen ist er dadurch abgemildert. Doch in den Ozeanen sind die Folgen zunehmend spürbar. Die Wassertemperaturen erreichen praktisch jährlich neue Rekorde, und es bilden sich marine Hitzewellen, besonders häufig im Nordostpazifik.

Die Forschungsgruppe des interdisziplinären Exzellenzclusters Cliccs der Uni Hamburg zeigt in ihrer Studie, dass die Temperatur in dieser Meeresregion westlich der USA im letzten Vierteljahrhundert im Schnitt um 1,25 Grad gestiegen ist.

Die Region kühlte sich danach im Winter insgesamt weniger ab, und der Sommer dauerte im Mittel 37 Tage länger. Dies führte dazu, dass dort allein in den letzten 20 Jahren 31 marine Hitzewellen auftraten, während es von 1982 bis 1999 nur neun gewesen waren.

Eine Hitzewelle mit besonders starken negativen Folgen gab es 2014/15, genannt Pacific Ocean Blob. Die biologische Produktivität des Meeres brach ein, giftige Algenblüten traten auf und eine hohe Zahl von Seevögeln und Meeressäugern starb.

Zudem beförderte der "Blob" heftige Dürren an der US-Westküste. Die jüngste Hitzewelle dauerte sogar drei Jahre an, von 2019 bis 2021. Die Wassertemperatur lag sechs Grad Celsius über normal.

Das Team um Atmosphärenforscherin Armineh Barkhordarian konnte in der Studie belegen, dass die Drei-Jahres-Welle direkt auf den Klimawandel zurückgeht. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie auch ohne den Einfluss des Menschen stattgefunden hätte, betrage weniger als ein Prozent, heißt es darin.

Dazu wurde eine sogenannte Attributionsanalyse durchgeführt, also der Anteil an Hitzewellen im Meer berechnet, der auf die vom Menschen zusätzlich emittierten Treibhausgase zurückzuführen ist. Der "Wärmepool" werde die Wassertemperatur auch in Zukunft ansteigen lassen und so zu häufigeren und stärkeren lokalen Hitzewellen im Ozean führen, sagt Barkhordarian voraus.

"Das birgt nicht nur enorme Gefahren für die Biodiversität. Es kann auch dazu führen, dass in marinen Ökosystemen eine Schwelle überschritten wird, nach der eine Erholung nicht mehr möglich ist", warnte die Forscherin.

Die Weltmeere sind freilich nicht nur durch die Klimaerwärmung unter Druck, auch andere Einflüsse wie Schadstoffeinleitung, Versauerung, Überfischung oder die Nutzung als Endlager für Plastikmüll machen ihnen seit Langem zu schaffen.

UN-Meereskonferenz

Um Lösungsvorschläge dazu geht es auf der zweiten Ozeankonferenz der Vereinten Nationen (UNOC), die am heutigen Montag in Lissabon beginnt. "Wir müssen jetzt handeln. Und zwar alle", forderte deshalb der UN-Sondergesandte für den Schutz und die nachhaltige Nutzung der Ozeane, Peter Thomson. Die Tagung geht bis Freitag.

Auf der Konferenz, die wegen Corona mit zweijähriger Verspätung stattfindet, sollen gemeinsame Maßnahmen zur Rettung des gefährdeten Ökosystems auf den Weg gebracht werden, das 71 Prozent der Erdoberfläche bedeckt und für den Menschen überlebenswichtige Funktionen als Klimaregulator und Quelle für Ernährung und wirtschaftliches Auskommen hat.

Unter anderem sollen bis 2030 rund 30 Prozent der Weltmeere unter Schutz gestellt werden. Derzeit sind es nach Angaben von Umweltorganisationen erst sieben Prozent.

An der Konferenz nehmen Delegationen aus etwa 150 Staaten teil, darunter Deutschland mit Umweltministerin Steffi Lemke (Grüne). Auch UN-Generalsekretär António Guterres und der US-Klimabeauftragte John Kerry haben sich angesagt, möglicherweise werden zudem Staats- und Regierungschefs wie Boris Johnson und Emmanuel Macron kommen, so die gastgebende Regierung von Portugal.

Nicht unumstritten dürfte angesichts des Ukraine-Krieges sein, dass auch der russische Klimabeauftragte Ruslan Edelgerijew, der als Vertrauter von Kremlchef Wladimir Putin gilt, in Lissabon dabei sein wird. Guterres hatte darauf bestanden, Russland nicht von der Konferenz auszuschließen.

Ob die UN-Konferenz konkrete Fortschritte bringen wird, ist offen. Es soll eine Erklärung zur Durchsetzung und Erleichterung des Meeresschutzes geben. Zudem erwartet die Gipfelpräsidentschaft, "dass alle Beteiligten, von Regierungen über Unternehmen bis hin zur Zivilgesellschaft, konkrete und realistische freiwillige Verpflichtungen eingehen".

Nichtregierungsorganisationen forderten, der Gipfel müsse "mehr liefern als unverbindliche Absichtserklärungen". Sie kritisieren, dass es bisher wenig multilaterale Lösungen gebe, um zum Beispiel Überfischung und Rohstoffabbau einzudämmen. Zudem beruhten die bislang getroffenen Übereinkünfte auf freiwilliger Basis.

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