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Hitzewelle in Südasien durch Klimawandel wahrscheinlicher

Alle 100 statt alle 3.300 Jahre: So stark hat die Wahrscheinlichkeit zugenommen, dass es in Indien und Pakistan zu einer Hitzewelle wie im Moment kommt. Schuld daran sind die angehäuften CO2-Emissionen der Menschheit.


Indischer Bauer erntet und bindet Weizen mit der Hand.
Indiens Landwirtschaft ist so stark unter Druck, dass dieses Jahr kein Weizen exportiert werden kann. (Foto: Hardik Kalasua/​Pixabay)

Weil sich das Klima seit Beginn der industriellen Revolution um 1,2 Grad erwärmt hat, sind Hitzewellen heute heißer und treten häufiger auf. Klimawissenschaftler des Konsortiums World Weather Attribution haben nun ausgerechnet, wie stark die Wahrscheinlichkeit für eine Hitzewelle gestiegen ist, wie sie derzeit in Indien und Pakistan herrscht.

Das Ergebnis: Heute ist alle hundert Jahre mit einem solchen Ereignis zu rechnen, während es ohne den Klimawandel nur alle 3.300 Jahre dazu gekommen wäre.

Noch ist eine derartige Hitzewelle also ein relativ seltenes Ereignis. Doch das kann sich ändern: Sollte sich das Klima um weitere 0,8 Grad erwärmen, wird der indische Subkontinent alle fünf Jahre von diesem Extremwetterereignis heimgesucht.

Die Hitzewelle hat Anfang März begonnen und dauert noch immer an. Gleichzeitig ist im März in Pakistan 61 Prozent und in Indien sogar 71 Prozent weniger Regen gefallen als sonst üblich.

Es handelt sich daher um eine "trockene Hitzewelle". Das hat dazu geführt, dass vergleichsweise wenige Menschen der Hitze zum Opfer gefallen sind. Bislang werden rund 90 Todesfälle auf die Extremtemperaturen zurückgeführt.

Wie viele Opfer eine Hitzewelle fordert, hängt davon ab, wie hoch die Luftfeuchtigkeit ist. Bei einer Luftfeuchtigkeit von 50 Prozent wird die "Kühlgrenztemperatur" bei 40 Grad erreicht: Dann kann sich der menschliche Körper nicht mehr durch Schwitzen ausreichend abkühlen.

Bei einer Luftfeuchtigkeit von 100 Prozent ist diese Grenze hingegen schon bei 30 Grad erreicht und selbst junge und gesunde Menschen können überhitzen und sterben.

"Anpassungsgrenzen bereits überschritten"

Die Zahl der Opfer hängt allerdings auch davon ab, wie gut ein Land auf eine Hitzewelle vorbereitet ist. So sollten etwa öffentliche "Kühlräume" zur Verfügung stehen, in die die Menschen vor der Hitze flüchten können.

Fahad Saeed vom Wissenschaftskonsortium Climate Analytics warnt allerdings, dass mit derartigen Anpassungsmaßnahmen nicht alle Betroffenen erreicht werden: "Das Beunruhigendste ist, dass die 'Grenzen der Anpassungsfähigkeit' für einen großen Teil der armen Bevölkerung der Region beim derzeitigen Stand der globalen Erwärmung überschritten werden."

Hinzu kommt, dass wegen der Hitzewelle der Stromverbrauch für Klimaanlagen stark gestiegen und deswegen in manchen Gegenden Indiens der Strom ausgefallen ist.

Wegen des ausgebliebenen Regens wird allerdings auch die Weizenernte in Indien und Pakistan dieses Jahr geringer ausfallen als normal. Aus diesem Grund hat die indische Regierung den Export von Weizen verboten.

Robert Vautard von der Universität Sorbonne in Paris beklagt daher: "Indien hatte geplant, in diesem Jahr Rekordmengen an Weizen zu exportieren, um dem Ausfall der ukrainischen Exporte entgegenzuwirken. Nun wurden die meisten dieser Exporte gestrichen, was die globalen Weizenpreise in die Höhe treibt und den Hunger weltweit vergrößert."

So addieren sich die Folgen von Krieg und Klimawandel auf: Nach der Ankündigung des indischen Exportverbots sprang der Weizenpreis auf 435 Euro pro Tonne – ein Niveau, das in den letzten 45 Jahren nicht mehr erreicht wurde.

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