Der Fluch der Nanopartikel

Die kleinen Teilchen in der Luft sind die Trigger fürs Extremwetter, hat ein Forschungsteam des Karlsruher Instituts für Technologie herausgefunden. Dagegen hilft nur die Energiewende.


Ein Ultraleichtflugzeug im Daniel-Düsentrieb-Look fliegt durch die Luft.
Ultrafeinstaub aus Schornsteinen: Wolfgang Junkermann vom KIT war oben und hat nachgemessen. (Foto: T. Ströter/​IMK-IFU/KIT)

Es regnet tagelang wie aus Kübeln, Bäche werden zu reißenden Flüssen, die sogar Häuser unterspülen. Oder es bleibt wochenlang trocken, kein Tropfen kommt vom Himmel, und die Ernten vertrocknen auf den Feldern.

Hierzulande haben wir das in den letzten Jahren mehrfach erlebt, zuletzt bei der Megaflut an Ahr und Erft sowie in den Trockenheitsjahren 2018 bis 2020.

Auf allen Kontinenten nehmen die Extremwetterereignisse zu. Es trifft ein, was die Klimamodelle aufgrund der höheren CO2-Konzentrationen seit Langem voraussagen.

Doch nur langsam kommt die Wissenschaft dem Phänomen auf die Spur, warum die Ereignisse so ungleich verteilt auftreten.

Einem möglichen Auslöser für die Extreme ist eine Forschungsgruppe des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) nun auf die Spur gekommen. Ihre Erkenntnis: Ultrafeinstaub in der Atmosphäre, der vor allem aus der Verbrennung von Kohle und Erdöl stammt, wirkt stark auf die Wolkenbildung ein – und damit auf das Wettergeschehen. Und das eben sehr unterschiedlich.

Die ultrafeinen Partikel sind maximal 100 Nanometer groß – zehntausendmal kleiner als ein Millimeter. Sie bewirken, dass sich bei der Wolkenbildung mehr und kleinere Tropfen bilden. So bleibt das Wasser länger in der Atmosphäre, statt abzuregnen.

Grotesk

Die Folge: Es entsteht dort ein zusätzliches Energiereservoir, das extreme Niederschläge begünstigt. Und dieser Starkregen kann sogar hunderte Kilometer entfernt von dem Ort niedergehen, an dem die Partikel aus Kraftwerken, Raffinerien oder Schiffsschornsteinen kamen.

Grotesk ist, dass wohl ausgerechnet die moderne Abgasreinigung zu einem Anstieg der Nanopartikel beitragen hat. Das KIT konnte in Messflügen nachweisen, dass besonders viele davon in die Atmosphäre entweichen, wo in Industrieanlagen Ammoniak eingesetzt wird, um die Bildung von Stickoxiden zu verhindern.

Die Folgen zeigen sich modellhaft in der Mittelmeerregion. Hier wurde im Schnitt eine 25-fache Erhöhung der Partikelkonzentrationen seit den 1970er Jahren festgestellt, und im selben Zeitraum gab es dort starke Veränderungen bei den Niederschlägen – weg von regelmäßigen Regenfällen, hin zu Dürren und stärkeren Extremereignissen.

Joachim Wille ist Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.

Die Schlussfolgerung daraus? Natürlich nicht, auf die Abgasreinigung zu verzichten – sondern auf die Verbrennung. Also: den Energiebedarf verringern und auf Ökostrom umstellen.

Unterstützen Sie unabhängigen Journalismus!

klimareporter° wird herausgegeben vom gemeinnützigen Klimawissen e.V. – Ihre Spende macht unabhängigen Journalismus zu Energiewende und Klimawandel möglich.

Spenden Sie hier