Die Millionenstadt El Alto in 4.000 Metern Höhe ist wie die gleich daneben liegende bolivianische Hauptstadt La Paz besonders vom Klimawandel betroffen. (Bild: Danielle Pereira/​Flickr)

Weite Teile Südamerikas wurden im August und September von ungewöhnlich extremer Hitze heimgesucht – also bereits zu Beginn des Frühlings auf der Südhalbkugel. Die Temperaturen in Brasilien, Bolivien, Argentinien und Paraguay stiegen dabei auf über 40 Grad Celsius, wovon Millionen von Menschen betroffen waren.

Die Hitzewelle kam, nachdem viele Länder in Südamerika den wärmsten Winter seit Beginn der Aufzeichnungen erlebt hatten. Ein internationales Forschungsteam hat nun nachgewiesen, dass der vom Menschen verursachte Klimawandel hierbei ein starker Trigger war.

Eine Schnellstudie der Gruppe World Weather Attribution zeigt, dass die Klimaveränderungen die Hitze mindestens 100-mal wahrscheinlicher gemacht und die Temperaturen um mehrere Grad erhöht haben. Der Einfluss des aktuellen natürlichen Wetterphänomens El Niño, das üblicherweise zu höheren Temperaturen in Südamerika und anderen Teilen der Welt führt, war dabei vergleichsweise gering.

Die Studie untersuchte die zehn heißesten aufeinanderfolgenden Tage im August und September in einer Region Paraguays, in Zentralbrasilien sowie in Regionen in Bolivien und Argentinien, wo die Hitze am größten war.

Die Mitglieder des Teams kommen unter anderem aus Brasilien, Argentinien, den Niederlanden, den USA und Großbritannien. Sie analysierten Wetterdaten und Modellsimulationen, um das heutige Klima nach einer globalen Erwärmung um etwa 1,2 Grad seit Ende des 19. Jahrhunderts mit dem Klima in der Vergangenheit zu vergleichen.

Ergebnis: Die extreme Hitze außerhalb der Sommermonate in der Region wäre ohne den von Menschen verursachten Klimawandel extrem unwahrscheinlich gewesen. Im heutigen Klima hingegen ist sie etwa alle 30 Jahre zu erwarten.

Unvollständige Wetterdaten

"Mit Sicherheit können wir sagen, dass die Hitzewelle durch den Klimawandel um mindestens 1,4 Grad heißer war – es könnten aber auch bis zu 4,3 Grad gewesen sein", sagte Studien-Mitautorin Sjoukje Philip vom niederländischen Wetterdienst KNMI. Die große Spanne hänge auch mit unvollständigen meteorologischen Daten zusammen, weil es in Südamerika nicht genug Wetterstationen gebe.

Auch zu den Auswirkungen fehlen in Südamerika – wie in vielen Entwicklungsländern – belastbare Daten. "Temperaturen über 40 Grad im Frühjahr sind unglaublich extrem, und obwohl uns nur vier hitzebedingte Todesfälle bekannt sind, ist es wahrscheinlich, dass die tatsächliche Zahl viel höher liegt", betonte Julie Arrighi vom Klimazentrum des Roten Kreuzes, ebenfalls Mitautorin.

Sollte die globale Erwärmung zwei Grad erreichen – was als wahrscheinlich gilt –, werden ähnliche Hitzewellen laut der Studie sogar alle fünf bis sechs Jahre auftreten und noch heißer werden.

Ende Juli hatte World Weather Attribution eine Studie zur Rekord-Sommerhitze in Mexiko und den USA veröffentlicht. Danach wären die Hitzewellen mit teilweise mehr als 45 Grad ohne den Klimawandel äußerst unwahrscheinlich gewesen.

Laut einer im August folgenden WWA-Studie hat die Erderwärmung die Waldbrände in Kanada mindestens doppelt so wahrscheinlich gemacht.

Die Attributionsstudien sind bei ihrer Veröffentlichung in der Regel noch nicht im üblichen Peer-Review-Verfahren überprüft worden, weil es der Forschungsgruppe darauf ankommt, ihre Erkenntnisse zu aktuellen Extremwetterereignissen zeitnah zu publizieren. Die angewandten Methoden haben aber alle den Peer Review durchlaufen, und die langwierige Veröffentlichung in wissenschaftlichen Zeitschriften wird üblicherweise nachgeholt.

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