Ein einstöckiges, nächtlich beleuchtetes Holzhaus am Waldrand, in den Bergen dahinter brennt der Wald, es sieht aus der Ferne wie Feuerwerk aus.
Waldbrand in Kanada Ende Juli. (Bild: Agilard/​Shutterstock)

Örtlich ist Regen aufgekommen, der Wind hat nachgelassen, und das Militär hilft nun bei der Brandbekämpfung: Das sind die Lichtblicke in Kanada, das in diesem Jahr die schwerste Waldbrandsaison seiner Geschichte durchmacht. Ein Ende ist jedoch nicht in Sicht, noch immer brennen landesweit über 1.000 Feuer, und zwei Drittel davon sind nicht unter Kontrolle.

Dass Kanada auch künftig mit solch dramatischen Situationen rechnen muss, macht unterdessen eine neue Studie deutlich. Danach hat der Klimawandel die Wahrscheinlichkeit einer Feuersaison wie der jetzigen deutlich erhöht.

Kanada erlebt bereits seit Monaten Waldbrände in mehreren Teilen des Landes – von West bis Ost. Die kanadische Waldbrand-Informationsstelle CIFFC zählte in diesem Jahr bis Mitte August bereits rund 5.800 Feuer. Dabei brannten 137.500 Quadratkilometer ab, eine Fläche so groß wie Griechenland. Das ist schon jetzt fast doppelt so viel wie beim bisherigen Rekord von 76.000 Quadratkilometern aus dem Jahr 1989.

Ein weiterer Vergleich zeigt die Dimension: In der ganzen EU, die in diesem Sommer besonders im Süden ebenfalls stark unter Waldbränden litt und leidet, sind laut dem privaten Portal Statistica seit Jahresbeginn rund 2.180 Quadratkilometer abgebrannt.

Die in Kanada zerstörten Waldregionen sind über 60-mal größer. Fast 200.000 Menschen wurden dort bisher aus den betroffenen Gebieten evakuiert. Die schlechte Luftqualität führte zu einem starken Anstieg asthmabedingter Notaufnahmen in Krankenhäusern und zu Schulschließungen.

Kein Jahrhundertereignis mehr

Die Klimaforschungsgruppe World Weather Attribution (WWA) hat nun die Wetterbedingungen analysiert, die zu den besonders extremen Bränden in der kanadischen Provinz Quebec zwischen Mai und Juli geführt haben. Quebec liegt im Osten des Landes, die Feuer waren teils so stark, dass die Rauchfahnen mehrere hundert Kilometer südlich bis nach New York und in andere US-Metropolen an der Ostküste getrieben wurden.

Facebook-Blockade

Kanadas Premierminister Justin Trudeau erhob unterdessen schwere Vorwürfe gegen den US-Konzern Meta wegen dessen Weigerung, Nachrichten über die Waldbrände im sozialen Netzwerk Facebook zu veröffentlichen. "Facebook stellt Unternehmensgewinne über die Sicherheit der Menschen", sagte Trudeau am Montag laut Agenturen auf einer Pressekonferenz. Das Verhalten sei unfassbar, da aktuelle Informationen über die Entwicklung der Brände lebenswichtig seien.

Meta blockiert seit Anfang August Nachrichten auf seinen Plattformen Facebook und Instagram für Nutzer in Kanada. Der US-Konzern reagiert damit auf ein neues kanadisches Gesetz, nach dem soziale Medien Nutzungsverträge mit kanadischen Medien aushandeln müssen, wenn sie deren Nachrichten veröffentlichen.

Meta antwortete auf Trudeaus Kritik vorerst nicht direkt. Ein Sprecher erklärte nur, die Kanadier hätten Zugang zu Informationen von Regierungsstellen, Notdiensten und Hilfsorganisationen auf Facebook.

Ergebnis der WWA-Studie: Der Klimawandel hat die Dimension der Quebec-Brände mindestens doppelt so wahrscheinlich gemacht. Außerdem hat er das feuergefährliche Wetter – Hitze, Trockenheit, viel Wind – um 20 bis 50 Prozent intensiviert, stellte das internationale Team fest.

Laut der Forschungsgruppe breiteten sich die Brände in diesem Jahr besonders schnell und weiträumig aus, weil die Temperaturen frühzeitig stark anstiegen, eine niedrige Luftfeuchtigkeit herrschte und die Schneedecke ungewöhnlich rasch verschwand. Im Mai und Juni gab es danach neue Temperaturrekorde.

Um die Auswirkungen des Klimawandels auf das feuergefährliche Wetter zu quantifizieren, analysierte das Team vorliegende Wetterdaten und Computermodellsimulationen, um das heutige Klima, das sich seit Ende des 19. Jahrhunderts global um etwa 1,2 Grad Celsius erwärmt hat, mit dem Klima vor diesem Anstieg zu vergleichen.

Die Forscherinnen und Forscher betonen allerdings: Obwohl die Wetterbedingungen beispiellos waren, müssen die Menschen in Kanada auch künftig mit solchen Situationen rechnen. Beim heutigen Klima könne man davon ausgehen, dass ähnliche Wetterbedingungen im Schnitt alle 25 Jahre einmal auftreten.

"Die Analyse zeigt auch, dass bei einer weiteren Erwärmung der Erde das Risiko noch größerer Waldbrände weiter zunehmen wird", so die WWA-Initiative.

"Fossile Energie heißt noch mehr Waldbrände"

Friederike Otto vom Imperial College London, Co-Autorin der Studie, sagte zu den Ergebnissen: "Steigende Temperaturen führen in den Wäldern Kanadas und der ganzen Welt zu brandgefährlichen Bedingungen."

Solange die Weltgemeinschaft nicht aufhöre, fossile Brennstoffe zu verbrennen, würden Zahl, Umfang und Dauer der Waldbrände weiter zunehmen, so die Klimawissenschaftlerin. An der Studie waren insgesamt 17 Forschende von Universitäten und Wetterbehörden in Kanada, den USA, Großbritannien und den Niederlanden beteiligt.

Der Präsident des Kanadischen Roten Kreuzes, Conrad Sauvé, unterstrich die Bedeutung von Untersuchungen wie der von WWA, da Jahr für Jahr eine Zunahme extremer Wetterereignisse zu beobachten sei, die sich auf Kommunen im ganzen Land auswirkten. "Wenn wir die Risiken besser verstehen, können wir Strategien zur Risikominderung anwenden, um die Schwere von Katastrophen für die Menschen in Kanada und auf der ganzen Welt zu verringern."

Noch vor einem Jahrzehnt habe die Arbeit des Kanadischen Roten Kreuzes bei großen Katastrophen und Notfällen größtenteils in Übersee stattgefunden, sagte Sauvé. Heute müsse man sich auf Kanada konzentrieren, "da wir wissen, dass das Brandrisiko in den kommenden Jahren zunehmen wird".

 

Die zunehmenden Waldbrände in Kanada verschlechtern auch die Klimabilanz des Landes. In bewirtschafteten Wäldern ist die CO2-Bilanz schon seit Langem negativ, das heißt, insgesamt geben die kanadischen Forstflächen mehr Treibhausgase ab, als sie aufnehmen.

Redaktioneller Hinweis: Klimaforscherin Friederike Otto gehört dem Herausgeberrat von Klimareporter° an.