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Umarmen reicht nicht

In Bayerns Städten fällt die Natur-Klimaanlage zunehmend aus, denn es werden mehr Bäume gefällt als nachgepflanzt. So kann es nicht weitergehen.


Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder von der CSU steht sinnierend in einer grünen Umgebung mit Bäumen.
Für Populisten wie Söder wird es gefährlich, wenn das Macher-Image Risse bekommt. (Foto: Josef Preiselbauer/​Pixabay)

Ein Job für Markus Söder! Denn jeder hat doch noch das Bild vom Baum-Umarmer vor Augen.

Das war 2019, aufgenommen im Münchner Hofgarten, gleich neben der Staatskanzlei, als der bayerische Ministerpräsident sich einen grünen Anstrich geben wollte und das Pflanzen und Hegen von Bäumen als bajuwarische Kernkompetenz präsentierte.

Und nun, drei Jahre später, das: In den Großstädten des Freistaats, gerade auch in München, schwinden die Bäume. Die Natur-Klimaanlage funktioniert immer schlechter.

Woher man das weiß? Kürzlich hat der Bund Naturschutz in Bayern bei den 15 größten Städten und den Hauptstädten der sieben Regierungsbezirke abgefragt, wie viele Bäume in den letzten zehn Jahren gefällt und wie viele nachgepflanzt wurden.

Ergebnis: Mindestens 165.000 Bäume wurden abgesägt. Zieht man die Nachpflanzungen ab, bleibt immer noch ein Verlust von 34.560 – wobei ein junges Bäumchen eigentlich keinen ausgewachsenen Baum ersetzt.

Hinzu kommt eine Dunkelziffer. Da die Kommunen teils nur lückenhafte Daten liefern konnten, schätzt der Umweltverband, dass bis zu 300.000 Bäume gefällt wurden, abzüglich der Neupflanzungen bis zu 50.000.

In Zeiten des Klimawandels ist das keine Petitesse. Bäume spielen – wie Stadtgrün insgesamt – eine wichtige Rolle, um die Temperaturen in den Städten erträglich zu halten. Baumlose Straßen sind locker zwei bis drei Grad heißer als solche mit vielen Bäumen.

Baumlose Biergärten?

Große Bäume kühlen ihre Umgebung auf doppelte Weise. Laut Bund Naturschutz verdunstet ein ausgewachsener Laubbaum an einem heißen Sommertag locker 400 Liter Wasser, zudem spendet er bei 15 Metern Kronendurchmesser je nach Sonnenstand einer Fläche von mindestens 170 Quadratmetern Schatten.

Die Umweltschützer haben recht. Es ist ein Skandal, dass selbst im Land von Baum-Umarmer Söder so wenig Wert auf Bäume gelegt wird. Also, was tun?

Umdenken. Dem Baumerhalt oberste Priorität einräumen. Und überall Baumschutzverordnungen vorschreiben, wo es sie noch nicht oder nicht mehr gibt, nämlich in etwa 1.950 der rund 2.050 bayerischen Städte und Gemeinden.

 Joachim Wille ist Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.

Söders Koalition – seine CSU regiert seit 2018 mit den Freien Wählern – muss sich das dringend vornehmen. Nicht nur wegen der Klimatisierung der Straßen. Sondern auch wegen der Biergärten.

Nicht auszudenken, wenn künftige Bayern-Generationen ihre Maß ohne Baum-Schutz zu sich nehmen müssten. Das würde man Söder noch stärker übel nehmen als ein Fake-Foto.

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