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Naturerbe wird verspielt

In einer neuen Liste von Weltnaturerbe-Stätten, die besonders stark von der Erderwärmung bedroht sind, steht auch das Wattenmeer. Die Klimakrise gilt inzwischen als größte Gefahr für das Weltnaturerbe. Arten- und Klimaschutz gibt es nur zusammen.


Ein Luftbild der Nordseeinsel Pellworm
Das Wattenmeer ist Weltnaturerbe – die Klimakrise macht deswegen keinen Bogen darum. (Foto: Raboe/​Wikimedia Commons)

Das Wattenmeer an der Nordsee ist eine einzigartige Naturlandschaft. Die Unesco hat es zur Weltnaturerbestätte erklärt. Doch das sensible Ökosystem ist bedroht.

Keine gute Nachricht: Steigender Meeresspiegel und Erwärmung gefährden das sensible Ökosystem, es droht längerfristig als Brutstätte für Zugvögel auszufallen.

Das Wattenmeer ist in einer Liste von Weltnaturerbestätten verzeichnet, die einer "sehr hohen Bedrohung" durch den Klimawandel ausgesetzt sind. Veröffentlicht hat sie die Weltnaturschutzunion IUCN.

Leider eben kein Einzelfall: Der Klimawandel gilt inzwischen als größte Bedrohung des Weltnaturerbes. Die IUCN hat den Zustand dieser 252 Gebiete jetzt zum dritten Mal nach 2014 und 2017 analysiert.

Ergebnis: Der Klimawandel beeinträchtigt nun bereits 83 davon "bedenklich" bis "kritisch", vor sechs Jahren waren es erst 35. Hinzu kommen weitere Bedrohungen, darunter Abholzung, Straßenbau und Tourismus, sofern er nicht nachhaltig durchgeführt wird.

Alarm schlagen die IUCN-Experten beim Great Barrier Reef vor Australiens Ostküste. Dass das wärmere Wasser und die zunehmende Versauerung das größte Korallenriff der Welt bedrohen, ist seit Langem bekannt. Doch inzwischen erscheint die Lage wirklich dramatisch. Das Riff wurde nun in die Kategorie "kritisch" eingestuft.

Hier finden sich auch der Everglades-Nationalpark in Florida, der tropische Regenwald auf Sumatra, der Nationalpark am Turkana-See in Kenia und, ebenfalls ein trauriger Neuzugang, die zu Mexiko gehörenden Inseln im Golf von Kalifornien.

Der Report macht klar: Klima- und Naturkrise sind zwei Seiten derselben Medaille. Noch so gute Maßnahmen zum Artenschutz werden auf Dauer nichts ausrichten, wenn die globale Erwärmung nicht auf möglichst 1,5 Grad Celsius begrenzt wird, wie der Pariser Klimavertrag es fordert.

Joachim Wille ist Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.

Beispiel: Great Barrier Reef. Forscher sagen: Bei 1,5 Grad könnte wahrscheinlich etwa ein Drittel der Korallen dort gerettet werden, doch bereits bei zwei Grad ist das Riff wohl komplett verloren.

Zum Glück kann die IUCN auch auf einige Erfolgsgeschichten verweisen. Verbessert hat sich die Lage dank guten Managements und teils internationaler Hilfen zum Beispiel in Nationalparks in Irland, China und der Elfenbeinküste.

Doch klar ist: Das allein hilft auf Dauer nicht. Arten- und Klimaschutz müssen Hand in Hand gehen.

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