Energiewende mit angezogener Bremse

Während erneuerbare Energien weltweit immer mehr Strom liefern, kommen beim Heizen und Kühlen und im Verkehr nach wie vor meist fossile Brennstoffe zum Einsatz. Laut dem jetzt vorgelegten Statusbericht zu erneuerbaren Energien liegt das an schwachen oder schwankenden Vorgaben der Politik. Zudem fließen die meisten Subventionen noch immer für fossile Energien.


Arbeiter schrauben Solaranlagen auf ein Flachdach.
Solange die Subventionen für fossile Energien die Investitionen in Erneuerbare übersteigen, nimmt die Energiewende nicht genug Fahrt auf. (Foto: Thomas Kelsey/​US Department of Energy Solar Decathlon)

Die erneuerbaren Energien wachsen weltweit, aber sie wachsen nicht schnell genug, um einen gefährlichen Klimawandel zu verhindern. Das geht aus dem Statusbericht des globalen Netzwerks REN 21 hervor, in dem sich Regierungen, Nichtregierungsorganisationen, Wissenschaftler und Unternehmen für eine nachhaltige Energieerzeugung einsetzen.

2018 wuchs der Anteil der Öko-Energien im Stromsektor gegenüber dem Vorjahr um acht Prozent auf 2,38 Milliarden Kilowatt. Erneut wurden damit mehr erneuerbare Erzeugungsanlagen gebaut als fossile Kraftwerke.

"Der Wandel kommt – im vierten Jahr in Folge wurden mehr erneuerbare Energien installiert als fossile Brennstoffe und Atomkraft zusammen – aber es muss schneller gehen", kommentierte Jennifer Morgan von Greenpeace International das weltweite Wachstum bei den erneuerbaren Energien.

Photovoltaik wächst dabei weltweit am schnellsten. Laut Bericht wurden im Vorjahr weltweit 100.000 solare Megawatt neu in Betrieb genommen. Das wäre rein rechnerisch genug, um mehr als ein Viertel des Strombedarfs von Frankreich zu decken.

Insgesamt liegt die weltweite Solarstrom-Kapazität damit jetzt bei rund 505.000 Megawatt. Der Zuwachs bei der Windenergie betrug 51.000 Megawatt, bei der Wasserkraft 20.000 Megawatt und bei Biomasse, Geothermie und solarthermischen Kraftwerken zusammen etwa 10.000 Megawatt.

Mittlerweile erzeugen neun Länder mindestens 20 Prozent ihres Stroms mit Solar- und Windkraft. Am größten ist der Anteil der Erneuerbaren in Dänemark, wo Wind- und Solaranlagen rund die Häfte des Stroms liefern. Auch in Uruguay, Irland, Deutschland, Spanien, Portugal, Großbritannien, Griechenland und Honduras sind mehr als 20 Prozent des Stroms erneuerbar.

Noch keine Energiewende bei Verkehr und Wärme

Allerdings entfällt nur ein Bruchteil der globalen Energienachfrage auf den Stromsektor – nämlich 17 Prozent. Der Großteil der Energie geht fürs Heizen und Kühlen und für den Verkehr drauf. Weltweit wird gut die Hälfte der nachgefragten Energie zum Heizen oder Kühlen verwendet – davon entfallen nur knapp zehn Prozent auf Öko-Energien.

Noch geringer ist der Anteil der Erneuerbaren im Verkehrssektor. Fast ein Drittel der weltweiten Energienachfrage wird für den Transport von Gütern und Menschen eingesetzt, magere drei Prozent steuern dabei erneuerbare Energien bei. Wenn sich das Wachstum der erneuerbaren Energien nicht beschleunigt und die Energieeffizienz nicht verbessert wird, ist das Vorhaben, einen gefährlichen Klimawandel zu verhindern, gefährdet.

Dem jetzt vorgelegten Report zufolge ist das Ungleichgewicht zwischen den Sektoren vor allem auf unzureichende und unbeständige Vorgaben aus der Politik zurückzuführen. Zwar haben sich mindestens 135 Länder Ziele für erneuerbare Energien im Stromsektor gesetzt und entsprechende Regelungen eingeführt. Doch für den Verkehrssektor haben nur 70 Länder Regelungen getroffen. Im Wärmesektor sind es sogar nur 20 Länder, hier ist die Zahl der Länder mit konkreten Vorgaben sogar rückläufig.

"Die Welt mit 100 Prozent erneuerbarer Energie zu versorgen ist keine Frage der technologischen Machbarkeit mehr, sondern nur noch des politischen Willens", sagte Jean Su, Energieexpertin am Climate Law Institute der US-Umweltorganisation Center for Biological Diversity. Angesichts der Klimakatastrophe sei es für die Politik an der Zeit, die Bedürfnisse der Menschen über die Interessen der fossilen Industrie zu stellen.

Fossile Subventionen deutlich gestiegen

Bislang profitiert die fossile Wirtschaft noch ganz erheblich von staatlicher Unterstützung. Die Autoren des Berichts schätzen die weltweiten Subventionen in fossile Energien für 2017 auf 300 Milliarden US-Dollar. Das sei ein Anstieg von elf Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Damit übersteigen die staatlichen Subventionen in Kohle, Öl und Gas noch immer die weltweiten Investitionen in erneuerbare Energien. Im Berichtsjahr erreichten die Investitionen in erneuerbare Energien und Kraftstoffe weltweit 289 Milliarden US-Dollar. Zwar überschritten sie damit zum fünften Mal in Folge die 280-Milliarden-Grenze, allerdings sanken die Investitionen um fast zwölf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Den deutlichen Einbruch führt der Bericht auf China zurück, wo die Regierung die Subventionen und die Einspeisevergütung für Photovoltaik gekürzt hatte.

Das Besteuern von CO2, das Wirtschaftsexperten als wirksames Instrument einschätzen, setzen die Staaten bislang nur zögerlich ein. Ende 2018 gab es 27 Emissionshandelssysteme sowie 27 Länder mit einer CO2-Abgabe. Dadurch werden nur 13 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen abgedeckt.

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