Weltweiter Solarzubau auf Rekordhoch

Der weltweite Ausbau der Photovoltaik hat 2018 um zehn Prozent zugelegt und damit erstmals die 100.000-Megawatt-Schwelle überschritten. Weil die Kosten sanken, wurde aber deutlich weniger Geld investiert. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den übrigen Erneuerbaren.


Solarthermisches Kraftwerk in Marokko
Für den Ausbau des Solarkraftwerks Ouarzazate/Noor in Marokko wurde 2018 am meisten investiert. (Foto: Benjamin von Brackel)

Solarstrom wird weltweit immer mehr genutzt. Der Zuwachs erreichte im vergangenen Jahr einen neuen Rekordwert – erstmals wurde die Schwelle von 100.000 Megawatt zusätzlicher Kapazität überschritten. Das zeigt die aktuelle Analyse des Marktforschungsdienstes Bloomberg New Energy Finance (BNEF).

Demnach wurden 2018 weltweit Anlagen mit einer Gesamtnennleistung von 109.000 Megawatt neu installiert. Das ist ein Plus von rund zehn Prozent. 2017 lag der Zuwachs bei 99.000 Megawatt.

Betrachtet man jedoch die Summe, die dafür investiert wurde, ergibt sich ein anderes Bild. Laut BNEF stürzten die Investitionen im Solarsektor regelrecht ab. Sie schrumpften um fast ein Viertel (24 Prozent) auf nur noch rund 130 Milliarden US-Dollar – zum Teil ganz einfach deshalb, weil Solarenergie immer billiger wird.

Ein weiterer Faktor ist der besonders deutliche Rückgang in China, dem weltweit größten Markt für Solarenergie. Um mehr als die Hälfte (53 Prozent) brachen die chinesischen Solar-Investitionen im vergangenen Jahr ein und lagen somit nur noch bei rund 40 Milliarden Dollar, weil die Regierung ihre Förderung rigoros zusammengestrichen hat. Seit Juni 2018 werden in China gewerbliche Photovoltaik-Anlagen gar nicht mehr bezuschusst.

Investitionen in erneuerbare Energien 2018

China: 100,1 Milliarden US-Dollar (-32 Prozent)

USA: 64,2 Milliarden (+12)

Japan: 27,2 Milliarden (-16)
Indien: 11,1 Milliarden (-21)

Deutschland: 10,5 Milliarden (-32)
Großbritannien: 10,4 Milliarden (+1)
Australien: 9,5 Milliarden (+6)
Spanien: 7,8 Milliarden (+700)
Niederlande: 5,6 Milliarden (+60)
Schweden: 5,5 Milliarden (+37)
Frankreich: 5,3 Milliarden (+7)
Südkorea: 5 Milliarden (+74)
Südafrika: 4,2 Milliarden (+4.000)
Mexiko: 3,8 Milliarden (-38)
Vietnam: 3,3 Milliarden (+1.800)
Dänmark: 3,2 Milliarden (+500)
Belgien: 2,9 Milliarden (+400)
Italien: 2,8 Milliarden (+11)
Marokko: 2,8 Milliarden (+1.300)
Taiwan: 2,4 Milliarden (+130)
Ukraine: 2,4 Milliarden (+1.500)
Kanada: 2,2 Milliarden (-34)
Türkei: 2,2 Milliarden (-5)
Norwegen: 2 Milliarden (±0)

Auch die Gesamtinvestitionen für sämtliche erneuerbare Energieträger waren vergangenes Jahr trotz wachsendem Zubau rückläufig. Sie sanken um acht Prozent auf rund 330 Milliarden Dollar. 2017 hatten sie noch bei rund 360 Milliarden Dollar gelegen.

Zwar wurde 2018 so bereits zum fünften Mal in Folge die 300-Milliarden-Dollar-Grenze überschritten. Das ist beachtlich. Doch gemessen an den Investitionen in fossile Energien, die laut Internationaler Energieagentur bei rund 800 Milliarden Dollar liegen, ist das immer noch eine bescheidene Summe.

Windkraft und Bioenergie

Kaum weniger Geld als in den Solarsektor floss in die Windenergie. Hier stiegen die Investitionen 2018 auf gut 125 Milliarden Dollar – ein Plus von drei Prozent. Dabei entfiel mit gut 100 Milliarden der größte Teil auf Projekte an Land (plus zwei Prozent).

Investitionen in Biomasse und die Energiegewinnung aus Abfall stiegen auf sechs Milliarden Dollar (plus 18 Prozent). Geothermie legte auf 1,8 Milliarden zu (plus zehn Prozent). Kleine Wasserkraftwerke sackten auf 1,7 Milliarden ab (minus 50 Prozent). Große Wasserkraftwerke wurden wegen ihrer Umweltschädlichkeit in der Analyse nicht berücksichtigt.

Den stärksten Zuwachs verzeichneten sogenannte Biokraftstoffe, allerdings auf niedrigen Niveau. Hier stiegen die Investitionen um 47 Prozent auf drei Milliarden Dollar.

Trotz des drastischen Rückgangs bleibt China der weltweit größte Investor. Rund 100 Milliarden Dollar steckte das Land in den Ausbau grüner Energien. Das sind 32 Prozent weniger als 2017. China spiele "nach wie vor die Hauptrolle bei der globalen Energiewende", sagte BNEF-Chef Jon Moore.

Zweitgrößter Investor sind nach wie vor die USA mit rund 64 Milliarden Dollar (plus zwölf Prozent). Laut Bloomberg New Energy Finance machen sich hier Vorzieheffekte bemerkbar, da Steuervorteile im Wind- und Solarbereich demnächst auslaufen werden.

Deutlich gestiegen sind die Investitionen in Europa – um 27 Prozent auf rund 75 Milliarden Dollar. Das gilt allerdings nicht für Deutschland. Hierzulande ist ein starker Rückgang zu verzeichnen. Das einstige Energiewende-Musterland hat 2018 nur noch rund zehn Milliarden Dollar in erneuerbare Energien investiert. Das ist ein Minus von 32 Prozent.

Unterstützen Sie unabhängigen Journalismus!

klimareporter° wird herausgegeben vom gemeinnützigen Klimawissen e.V. Ihre Spende macht unabhängigen Journalismus zu Energiewende und Klimawandel möglich.

Spenden Sie hier