Teurer Straßenverkehr

Ein Großteil der Folgekosten des Verkehrs, die von der Allgemeinheit zu tragen sind, entfällt auf Pkw, Lkw und Co, ergibt eine Studie des Züricher Infras-Instituts im Auftrag der "Allianz pro Schiene". Verkehrsexperten überrascht allenfalls die Höhe der Kosten.


Stau auf einer Autobahn
Die Allgemeinheit zahlt für Autofahrer und Speditionen: Verkehrs-Folgekosten fallen hauptsächlich auf der Straße an. (Foto: Gerhard Gellinger/​Pixabay)

Die Zahl ist gigantisch: Auf 149 Milliarden Euro belaufen sich die jährlichen externen Kosten des Verkehrs in Deutschland. Zu dem Ergebnis kommt eine Studie des Zürcher Infras-Instituts im Auftrag des Verkehrsbündnisses "Allianz pro Schiene".

Mit 141 Milliarden Euro entfällt der allergrößte Teil dieser Kosten, fast 95 Prozent, auf den Straßenverkehr. Die Schiene verursacht mit 5,7 Milliarden Euro fast vier Prozent der externen Verkehrs-Kosten. Jeweils knapp ein Prozent stammt vom inländischen Luftverkehr und der Binnenschifffahrt.

Beim Straßenverkehr schlagen die Unfallkosten mit circa 61 Milliarden Euro (43 Prozent) am stärksten zu Buche. Diese werden aber nicht allein von den Autofahrern bezahlt. Über die Krankenkassen, die die Behandlungskosten tragen, wird ein Großteil der entstehenden Kosten auf die Allgemeinheit abgewälzt. Auch Nicht-Autofahrer zahlen für Unfallopfer im Straßenverkehr.

Die restlichen externen Kosten des Straßenverkehrs entfallen auf vor- und nachgelagerte Prozesse etwa durch die Fahrzeugherstellung (19 Prozent), auf Klimakosten (18), auf Natur- und Landschaftsschäden (neun), Schäden durch Luftschadstoffe (sechs) und Lärmkosten (fünf Prozent).

Fast ein Fünftel sind Klimakosten

Vor allem die Höhe der Kosten überrascht. Ältere Untersuchungen waren noch von zweistelligen Milliardenbeträgen ausgegangen – wie eine Untersuchung der Technischen Universität Dresden, die jährliche externe Kosten von 88 Milliarden Euro für den motorisierten Individualverkehr ermittelte.

"Wir leisten uns schon länger ein hohes Defizit beim Straßenverkehr", sagt der Mobilitätsforscher Andreas Knie. Das sei lange Zeit politisch so gewollt und in Kauf genommen worden. In der Gesellschaft ändere sich die Akzeptanz dafür allmählich, doch die Kosten fielen noch immer an. Hoch sei das Defizit aber auch bei der Luftfahrt.

Externe Kosten des Verkehrs

Als externe Kosten gelten die negativen Auswirkungen der Mobilität, für die nicht die Verkehrsteilnehmer selbst bezahlen. Darunter fallen beispielsweise Natur- und Klimaschäden, Gesundheitskosten durch Lärm, Luftverschmutzung und Unfälle, Gebäudeschäden sowie durch vor- und nachgelagerte Prozesse.

Das offenbaren auch die in der Studie ermittelten Durchschnittskosten im Personenverkehr je nach Verkehrsträger. Am schlechtesten schneidet hier der Inlandsflugverkehr mit fast dreizehn Cent je Kilometer ab. Ein Kilometer mit dem Auto schlägt mit noch fast elf Cent zu Buche. Der Eisenbahnverkehr und der Fernbus liegen durchschnittlich bei rund drei Cent je zurückgelegtem Personenkilometer.

Die Folgekosten des gesamten Verkehrs fürs Klima sind nicht unerheblich: 18 Prozent der externen Kosten des Verkehrssektors sind Klimakosten, das sind 26 Milliarden Euro im Jahr. Pkw, Lkw, Motorräder, Lieferwagen und Flugzeuge erzeugen dabei fast 96 Prozent der Verkehrs-Klimakosten in Deutschland.

"Eine verschleppte Verkehrswende ist viel teurer als ein mutiges Umsteuern", sagte Dirk Flege, Geschäftsführer der Allianz pro Schiene. Durch Verkehrsverlagerung ließen sich der Klimaschutz und die Luftqualität verbessern und die Zahl der Unfallopfer drastisch senken. "Mein Appell geht an das Klimakabinett, mit dem Status quo zu brechen", so Flege. Ein Weiter-so könne man sich nicht leisten.

Redaktioneller Hinweis: Andreas Knie ist Mitglied des Kuratoriums von Klimareporter°.

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