Quaschning erklärt: Elektroauto-Blackout

Auf unseren Straßen dürfen bald nur noch Elektroautos unterwegs sein, wenn wir kein teures Erdöl mehr importieren und das Klima schützen wollen. Aber vertragen das auch unsere Netze, wenn dann alle E-Autos gleichzeitig laden?


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Das Verbrennerauto ist ein Auslaufmodell. Schon bald sollen viele Millionen Elektroautos auf deutschen Straßen fahren. Aber haben wir überhaupt genug Strom und brechen nicht unsere Netze zusammen, wenn alle Autos laden?

Nein. Die Leitungen würden auch zusammenbrechen, wenn alle gleichzeitig ihre Toaster oder Föhns anschalten. Es passiert einfach nie, dass alle Menschen gleichzeitig ihren Föhn benutzen. Aus Erfahrungswerten wissen wir, wie viele Menschen in einer Siedlung maximal gleichzeitig ihre Haare föhnen, und nach solchen Erkenntnissen sind die Netze ausgelegt.

Es werden auch nie alle Elektroautos gleichzeitig laden, ebenso wie nie alle Verbrenner-Autos gleichzeitig zur Tankstelle fahren. Aber da das Elektroauto-Laden zum normalen Stromverbrauch hinzukommt, müssen die Netze hier und da verstärkt werden.

Wenn wir alle Verbrennerautos durch Elektroautos ersetzen, würde der Stromverbrauch um etwa 20 Prozent steigen. Wobei deutlich weniger Autos für den Klimaschutz und unsere Lebensqualität ein großer Gewinn wären.

So oder so: Die zusätzlichen Strommengen müssen wir beim Ausbau der Photovoltaik und der Windkraft auf dem Schirm haben. An Steckdosen wird die Elektromobilität aber auf jeden Fall nicht scheitern.

Foto: Silke Reents

Volker Quaschning

ist Professor für Regenerative Energie­systeme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin. Seine Lehr- und Sachbücher zur Energie­wende gelten als Standard­werke.

 

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