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Italien will eine Million E-Autos bis 2022

Noch gehört Italien zu den Schlusslichtern in Sachen Elektromobilität. Das will der Wirtschaftsminister und Chef der Fünf-Sterne-Bewegung Luigi Di Maio nun radikal ändern – und plant eine Offensive, um Benzin- und Dieselfahrzeuge von den Straßen zu kriegen. Das dürfte allerdings Milliarden kosten.


Blick nach vorn aus einem fahrenden Auto auf die sechsspurige Autobahn.
Noch dominieren Diesel und Benziner auf Italiens Autobahnen. Das soll sich nach dem Willen der neuen Regierung ändern. (Foto: © Raimond Spekking/​Wikimedia Commons/​CC BY-SA 4.0)

Wer auf Italiens Straßen unterwegs ist, wird eines mit ziemlicher Sicherheit nicht sehen: Elektroautos. Gerade mal 2.600 von ihnen wurden vergangenes Jahr verkauft – von insgesamt zwei Millionen Autos, sagt der Verband der europäischen Automobilhersteller ACEA.

Insgesamt fahren nach Angaben des Verbandes nicht mal 5.000 reine Elektroautos auf den Straßen zwischen Südtirol und Sizilien. Was die Elektromobilität betrifft, gehört Italien in Europa zu den Schlusslichtern.

Das soll nun der Vergangenheit angehören. Die neue italienische Regierung – eine Koalition aus der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung und der rechtspopulistischen Lega Nord – plant, der Elektromobilität neuen Schwung zu verleihen. Im Koalitionsvertrag ist die Rede davon, Benzin- und Diesel-Autos zu reduzieren und Anreize zu schaffen, damit Elektro- und Hybridwagen gekauft werden.

Insgesamt sollen eine Million Elektroautos bis 2022 auf die Straßen gebracht werden. Zwar findet sich diese Zahl nicht im Koalitionsvertrag, doch fordert sie Luigi Di Maio, Chef der Fünf-Sterne-Bewegung und Wirtschaftsminister Italiens, der im Wahlkampf auf Sizilien mit einem Elektro-Nissan umhertourte. Unter die eine Million sollen wohl auch Hybrid-Wagen fallen, die sowohl einen Elektro- als auch einen herkömmlichen Verbrennungsmotor unter der Haube haben.

Vorbilder Norwegen und Frankreich

Die Zahl halten Experten allerdings für unrealistisch, wie das US-Nachrichtenportal Bloomberg berichtet. Um für solch ein ehrgeiziges Ziel genügend Anreize zu schaffen, müsste die Regierung mindestens zehn Milliarden Euro ausgeben, schätzt Gian Primo Quagliano, Chef des Forschungsinstituts Promotor in Bologna.

CO2-Vorgaben für Neuwagen

Derzeit berät die EU über strengere CO2-Vorgaben für Neuwagen ab 2022. Die Verschärfung ist nötig, damit auch der Verkehrssektor seinen Beitrag leistet, um die EU-Klimaziele für 2030 zu schaffen. Bislang gehen die Emissionen im Verkehr immer nur weiter nach oben.

 

Auf dem Tisch liegt ein Vorschlag der EU-Kommission, den Umweltexperten allerdings für zu kraftlos halten. Er sieht vor, den Kohlendioxid-Ausstoß von Fahrzeugen bis zum Jahr 2025 durchschnittlich um 15 Prozent, bis 2030 um 30 Prozent (gegenüber 2021) zu senken.

 

Die Bundesregierung ist sich in ihrer Haltung dazu uneins. Während Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) den durchschnittlichen Ausstoß der Neuwagenflotte um 50 Prozent bis 2030 gesenkt sehen möchte, sieht Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) darin "die Vernichtung einer europäischen Leitindustrie" und lehnt Schulzes Vorschlag ab.

 

Wie auch immer die neuen Vorgaben schließlich aussehen werden, klar ist: Die europäischen Länder müssen die Elektromobilität stark ausbauen, um den CO2-Ausstoß ihrer Fahrzeugflotten reduzieren zu können. 

Dabei orientiert sich Quagliano an den Steuervorteilen von Norwegen, dem Land mit fast 50 Prozent Elektroauto-Anteil, und von Frankreich. Diese Länder bezuschussen den Kauf eines Elektroautos mit bis zu 9.000 beziehungsweise 10.000 Euro.

Für Italien und seinen größten Autokonzern Fiat-Chrysler wäre das eine radikale Wende. Konzernchef Sergio Marchionne lehnte bis vor nicht allzu langer Zeit die Elektromobilität rundweg ab.

Anfang Juni kündigte Marchionne allerdings an, sich im Rahmen eines Fünfjahresplans nach und nach vom Diesel zu trennen und massiv in die Entwicklung von E-Autos zu investieren – vor allem bei den Marken Alfa Romeo und Jeep.

Bis 2022 sind allein für den Jeep vier rein elektrische Modelle geplant und zehn Plug-in-Hybride, deren Akkumulatoren sowohl mit Strom aus der Steckdose als auch mit einem Verbrennungsmotor geladen werden können. Fiat will seinen Kleinwagen Cinquecento bis 2020 voll elektrifizieren.

Die Zeit scheint reif, bedenkt man, dass die Städte Rom und Mailand planen, Diesel-Fahrzeuge ganz auszusperren. Allerdings ist schwer vorstellbar, wie Italien quasi aus dem Nichts in kürzester Zeit auf eine Million Elektroautos kommen will. Eine Ladeinfrastruktur ist noch so gut wie nicht vorhanden.

Und wie schnell hochfliegende Pläne implodieren können, sieht man in Deutschland, wo Kanzlerin Angela Merkel schon vor Jahren eine Million Elektroautos als Ziel für 2020 ausgegeben hatte. Wo wir heute stehen, ist bekannt: Laut Kraftfahrt-Bundesamt fahren knapp 54.000 Elektroautos und knapp 45.000 Plug-in-Hybridfahrzeuge auf deutschen Straßen.

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