Infrastruktur unzureichend

In vielen großen Städten sind Radwege zu schmal, zugeparkt – oder sie fehlen gleich ganz, hat nun auch der ADAC herausgefunden. Umverteilen will der Automobil-Club den Verkehrsraum aber trotzdem nicht.


Sportlicher Radfahrer auf breiter Hauptstraße.
In deutschen Großstädten bleibt Radfahren lebensgefährlich. (Foto: Martin Vorel/Libreshot)

Jetzt entdeckt also auch der ADAC sein Herz für den Fahrradverkehr. In zehn Landeshauptstädten hat der Automobil-Club die Radinfrastruktur untersucht und gravierende Mängel festgestellt.

Insgesamt 120 Strecken fuhren die ADAC-Leute ab. Ihr Ergebnis: Jeder dritte Radweg ist zu schmal. Nicht einmal der ohnehin knapp bemessene Mindeststandard von 1,60 Metern Breite für einen Radweg, der nur in einer Richtung befahren werden darf, wird dort eingehalten. Über die Regelbreiten hinaus kam sogar nur jeder fünfte Radweg.

Dazu ergab die Stichprobe noch weitere Behinderungen für Radfahrende – falsch geparkte Autos, wuchernde Pflanzen, Bäume, Masten oder schlecht angebrachte Verkehrsschilder. In einigen Städten gab es auf den abgefahrenen Strecken so gut wie gar keine Radwege. Unzureichend nennt der Autoclub das.

Wird jetzt also alles gut? Hat der Radverkehr nun in dem mächtigen ADAC einen starken Verbündeten gefunden, der sich für eine fairere Verteilung des Straßenraums einsetzt?

Schließlich ist in den Städten keine andere Mobilitätsform in den vergangenen Jahren so stark gewachsen wie der Fahrradverkehr. Trotzdem stehen Radfahrenden im Schnitt nur drei Prozent der städtischen Verkehrsfläche zur Verfügung, während ihr Anteil an den zurückgelegten Wegen rund fünfmal so groß ist.

Sicher, dass der ADAC sich mit dem Thema beschäftigt, ist schon ein Fortschritt. Der große Durchbruch ist es noch nicht.

ADAC fragt nach dem Fahrradklima

Der Club kann sich lediglich zu der Empfehlung durchringen, beim Bau neuer Radwege solle auf die Einhaltung der Regelbreiten geachtet werden und die Mindestbreite nur eine Ausnahme sein.

Wo der Platz dafür herkommen soll, lässt der ADAC offen. Und lehnt Pop-up-Radwege rundweg ab. Dies sei eine "vorschnelle Umverteilung des Verkehrsraums" und "nicht das richtige Mittel, um langfristig den Verkehrsfluss zu verbessern und für mehr Sicherheit zu sorgen."

Verena Kern ist stellvertretende Chefredakteurin von Klimareporter°.

Radfahrende werden das gewiss anders sehen. Sie haben derzeit die Gelegenheit, selber ihre Meinung zu sagen, wie gut oder wie stressig sie die Situation für Radfahrende in ihrer Stadt finden.

Noch bis Ende November findet eine Umfrage zum Fahrradklima in Deutschland statt. Durchgeführt wird sie von dem Fahrradclub ADFC und unterstützt erfreulicherweise vom Bundesverkehrsministerium. Noch besser wären mehr Radwege.

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