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Ostsee-Wasser für die Berliner?

Auch in und um Berlin ist es trocken. Die Spree fließt rückwärts, und die Fachwelt diskutiert schon über Meerwasser-Entsalzungsanlagen an der Küste, um die Hauptstadt weiter zu versorgen. Da stellen sich aber noch ein paar Fragen.


Einige Meter einer hellgrünen Trinkwasserpipeline in Großaufnahme auf einer Wiese.
Auch Trinkwasser-Fernleitungen sind zusätzliche Eingriffe in die Natur. (Foto: Baso Txerri/​Wikimedia Commons)

Deutschland ist ein wasserreiches Land. Das stimmt.

Na ja, es stimmte. Die Dürrejahre 2018 bis 2020 ließen diese Gewissheit schon wanken. Und 2022 verstärkt die Sorgen weiter.

Eine historische Trockenheit im Westen der Republik, Flüsse mit Niedrigwasser, sinkende Grundwasserspiegel, Äcker mit notreifen Pflanzen: Die Zeichen, dass der Klimawandel zuschlägt, mehren sich. Und dass darauf reagiert werden muss.

Zum Beispiel mit einer Meerwasser-Entsalzungsanlage an der Ostseeküste, um Berlin und seine 3,6 Millionen Einwohner versorgen zu können.

Ostsee-Wasser für Berlin? Aus einer 200 oder 300 Kilometer langen Pipeline? So schnell wird das nicht kommen. Doch in der Fachwelt wird so etwas bereits diskutiert, um die trockene und durstige Region Berlin-Brandenburg langfristig über Wasser zu halten.

Trinkwasser wird hierzulande oft aus Flussauen gewonnen, weil hier viel Grundwasser gespeichert ist. Dort sinken aber nun die Wasserspiegel.

In Berlin ist die Lage besonders kritisch. Hier floss die Spree am Zufluss in den Müggelsee zuletzt sogar wieder rückwärts. Das bedrohe das für die Hauptstadt wichtige Trinkwasserreservoir dieses großen Sees, warnt der Gewässerökologe Martin Pusch.

Pusch sieht die Nothilfe aus der Ostsee für Berlin eher als "mittelfristige Lösung". Doch so utopisch so etwas heute noch erscheinen mag, die Meerwasserentsalzung könnte auch hierzulande tatsächlich notwendig werden. Und zwar vor allem im Osten und Norden Deutschlands.

Ökostrombedarf

Das Karlsruher Institut für Technologie hat nämlich jüngst ermittelt, dass die Grundwasserstände dort bei fortschreitendem Klimawandel bis 2100 signifikant absinken könnten. Meerwasser zu nutzen, um Haushalte, Industrie und eine zunehmend auf Bewässerung angewiesene Landwirtschaft weiter zu versorgen, könnte hier eine Alternative sein.

Das Problem ist freilich: Meerwasserentsalzung und Fernleitungen sind teuer, sie verbrauchen viel Energie und Ressourcen. Vertretbar wäre dieser Ausweg erst, wenn genügend Ökoenergie zur Verfügung steht.

 Joachim Wille ist Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.

Bis dahin, aber sowieso, muss an anderen Lösungen gearbeitet werden. Mehr regionale Zusammenarbeit bei der Wassergewinnung, im Fall von Berlin mit Brandenburg, wo es in einigen Regionen noch ungenutzte Reserven gibt.

Und natürlich beim Einsparen von Wasser. Wir Deutschen verbrauchen pro Kopf und Jahr mehr als 46.000 Liter davon.

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