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Shell auf "grüner" Einkaufstour

Der Mineralölkonzern Shell will gemeinsam mit dem Pensionsfonds PGGM die bislang kommunale niederländische Eneco-Gruppe kaufen. Davon wäre auch die Eneco-Tochter Lichtblick betroffen. Schon seit einiger Zeit kauft sich Shell bei Energiewende-Unternehmen ein. 


Installation eines Windrades durch Ökostromanbieter Eneco
Das niederländische Energieunternehmen Eneco ist seit einigen Jahren auf Nachhaltigkeitskurs. Fossile Konzerne wollen künftig an grünen Geschäftsmodellen mitverdienen. (Foto: Eneco Group)

Der Mineralölkonzern Shell und der niederländische Pensionsfonds PGGM wollen zusammen das Energieunternehmen Eneco kaufen. Wie Shell jetzt mitteilte, haben beide Unternehmen dazu ein Konsortium gebildet. Aber auch der Ölkonzern Total, die Energieunternehmen Engie und Verbund sowie mehere Finanzinvestoren werden als Interessenten gehandelt.

Noch ist Eneco ein kommunales Unternehmen, das mehreren niederländischen Städten und Gemeinden gehört, darunter Rotterdam und Den Haag. Das soll sich in diesem Jahr ändern: Im Dezember 2018 hatten die Kommunen nach langem Streit beschlossen, dass Eneco durch "kontrollierte Versteigerung" verkauft werden soll. Einige Kommunen sprachen sich gegen den Verkauf aus, weil sie befürchten, dass Eneco seine nachhaltige Ausrichtung verlieren könnte. Der Wert des Unternehmens wird auf rund drei Milliarden Euro geschätzt.

Mit der Eneco-Übernahme durch Shell würde sich auch der Hamburger Ökostromanbieter Lichtblick formal in anderen Händen wiederfinden. Eneco hatte Ende vergangenen Jahres alle Anteile an dem Hamburger Unternehmen erworben, das ihm seit 2017 schon zur Hälfte gehörte.

Für Lichtblick-Vorstand Gero Lücking ist die Interessenbekundung von Shell und PGGM zunächst nichts Ungewöhnliches. Er erwartet, dass weitere Unternehmen im Laufe der nächsten Monate ebenfalls ihre Kaufbereitschaft bekannt machen. "Der gesamte Verkaufsprozess wird vertraulich behandelt, bis ein passender Käufer ausgewählt wurde", sagte Lücking gegenüber Klimareporter°.

Er gehe davon aus, so Lücking, dass die niederländischen Kommunen über den Eneco-Verkauf "verantwortungsvoll entscheiden" werden. Stehe der neue Besitzer fest, werde man sich bei Lichtblick Gedanken machen, was das konkret für das operative Geschäft bedeute. Alles andere sei zum jetzigen Zeitpunkt reine Spekulation, sagte Lücking.

"Deutliche Weiterentwicklung der Tätigkeitsbereiche"

Nach eigenen Angaben beliefert Lichtblick über 600.000 private und gewerbliche Kunden mit alternativen Energien. "Für Lichtblick-Kunden ändert sich aktuell nichts", sagte Lücking. Eneco als grünes Unternehmen in den Niederlanden sei in der Windstromerzeugung an Land und offshore aktiv. Wenn Lichtblick durch Eneco die Möglichkeit erhalte, auch in Deutschland in die Erzeugung zu investieren, wäre das "eine deutliche Weiterentwicklung der derzeitigen Tätigkeitsbereiche".

Lücking rechnet damit, dass Lichtblick durch die Eneco-Partnerschaft seinen Kunden neue Produkte und Services in den Bereichen Smart Home, Elektromobilität oder Speicher anbieten könnte.

Entscheidend für Eneco und Lichtblick ist, dass potenzielle neue Eigentümer die nachhaltige Ausrichtung der Eneco-Gruppe unterstützen. "Das Geschäft von Eneco passt hervorragend zu den Aktivitäten und Ambitionen von Shell im Bereich neue Energien", sagte Maarten Wetselaar, der der Erneuerbaren-Sparte bei Shell vorsteht.

Shell könne Zugang zu Forschung und Entwicklung in den Bereichen Cleantech und vernetzte Mobilität und in digitalen Start-ups bieten, so Wetselaar. Sowohl PGGM als auch Shell seien entschlossen, weiter in erneuerbare Energien, vor allem in Nordwesteuropa, zu investieren. 

Schon seit einiger Zeit ist Shell auf "grüner" Einkaufstour: 2017 hatte der Mineralölkonzern den niederländischen Anbieter von Ladestationen Newmotion übernommen, ein Jahr später kaufte Shell sich beim Stromspeicher-Hersteller Sonnen mit Sitz im Allgäu ein. Nun soll es also mit Eneco weitergehen.

Die Erneuerbaren-Sparte des Mineralölkonzerns ist bislang aber vergleichsweise winzig. Im Mai 2016 wurde sie eingerichtet – mit einem jährlichen Investitionsbudget von 200 Millionen US-Dollar pro Jahr. Bis 2020 sollen es ein bis zwei Milliarden Dollar pro Jahr werden, was noch immer ein geringer Anteil des gesamten Budgets von etwa 30 Milliarden wäre.

Nach wie vor bestimmen fossile Brennstoffe das Kerngeschäft von Shell, ungeachtet der fatalen Auswirkungen auf das Klima, die der Konzern selber in den 1980er Jahren erforschen ließ.

Redaktioneller Hinweis: Gero Lücking, Vorstand für Energiewirtschaft bei Lichtblick, ist Kuratoriumsmitglied von Klimareporter°.

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