Niederländischer Energiekonzern kauft Lichtblick

Der deutsche Ökostrom-Pionier Lichtblick gehört jetzt komplett der niederländischen Eneco-Gruppe. Die Unternehmen wollen gemeinsam die Digitalisierung der Energiewende vorantreiben. In wessen Hand der bislang kommunale Eneco-Konzern nach der geplanten Privatisierung liegen wird, ist noch unbekannt.


Ladesäule mit Unternehmensschriftzügen
Lichtblick ist deutscher Ökostrom-Marktführer. (Foto: Lichtblick)

Der niederländische Energiekonzern Eneco hat den Hamburger Ökostrom-Anbieter Lichtblick komplett übernommen, der ihm seit dem vergangenen Jahr schon zur Hälfte gehört. Das teilten die beiden Unternehmen mit. Über den Kaufpreis haben sie Stillschweigen vereinbart.

Lichtblick, 1998 im Zuge der Strommarkt-Liberalisierung gegründet, gilt als Pionier und Marktführer für Ökostrom in Deutschland. Die Konkurrenz auf dem Gebiet wächst allerdings, der Markt wird unübersichtlicher: 867 Anbieter gibt es laut einer Analyse des Branchendiensts Energie & Management mittlerweile, auch wenn nur die wenigsten davon komplett auf das Geschäft mit fossiler Energie verzichten.

Die beiden Unternehmen wollen vor allem bei der Digitalisierung der Energiewende zusammenarbeiten: Smart Home, Speicher und Elektromobilität sind hier die Stichworte. Management, operatives Geschäft und Marken sollen von dem Verkauf unberührt bleiben. "Wir entwickeln Lichtblick als Pionier und Marktführer in Deutschland weiter", sagte Lichtblick-Geschäftsführer Wilfried Gillrath.

Bei Eneco stehen demnächst allerdings fundamentale Veränderungen ins Haus. Zurzeit handelt es sich um ein kommunales Unternehmen, das 61 niederländischen Städten und Gemeinden gehört, darunter Rotterdam und Den Haag. Das soll sich bald ändern: Vor einigen Tagen haben die Kommunen nach langem Streit die Privatisierung von Eneco beschlossen. Bei dem Streit ging es um Jobgarantien und die Forderung des Managements, die Ausrichtung auf erneuerbare Energien festzuschreiben, was die kommunalen Eigentümer ablehnten.

Das Unternehmen soll innerhalb des kommenden Jahres durch eine "kontrollierte Versteigerung" verkauft werden. Damit könnte Eneco – und mit dem niederländischen Unternehmen auch Lichtblick – sich zumindest formal bald in ganz anderer Hand wiederfinden: Branchenbeobachter wollen erfahren haben, dass zu den Interessenten die Ölkonzerne Total und Shell gehören, aber auch mehrere Finanzinvestoren und Fonds sowie die Versorger Enel, Verbund und Engie, die frühere GDF Suez.

Redaktioneller Hinweis: Gero Lücking, Vorstand für Energiewirtschaft bei Lichtblick, ist Mitherausgeber von Klimareporter°.

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