"Montagsdemo" für das Klima

Mit monatlichen Demonstrationen am Montagabend wollen Berliner:innen für mehr Klimaschutz eintreten und die Bewegung Fridays for Future unterstützen. Das soll den Druck auf die Politik erhöhen. 


Klima-Demonstration auf dem Berliner Alexanderplatz.
Klimaprotest nach Feierabend: "Berlin for Future" will jeden ersten Montag im Monat zum "Klima-Montag" machen und die Politik zu echtem Klimaschutz drängen. (Fotos: Sandra Kirchner)

Einige hundert Menschen protestierten am Montagabend auf dem Berliner Alexanderplatz für Klimaschutz. An der Demonstration beteiligten sich zahlreiche zivilgesellschaftliche Gruppen und Verbündete der Fridays-for-Future-Bewegung, wie Pädagogen for Future, Scientists for Future oder die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG).

Mit Mund-Nase-Schutz und Sicherheitsabständen forderten die Protestierenden weitreichende klimapolitische Entscheidungen noch in diesem Jahr. Unterstützung bekamen sie von einer Fahrraddemonstration, die am Alexanderplatz endete.

Es war bereits das dritte Mal, dass die Klimaschutzaktivist:innen auf dem Berliner Alexanderplatz demonstrierten. Etwa zehn Menschen von "Berlin for Future" organisieren die Demos, die als "Klima-Montag" jeden ersten Montag eines Monats stattfinden sollen, um die Kinder und Jugendlichen von Fridays for Future zu unterstützen.

"Erwachsene und ältere Generationen dürfen sich beim Klimaschutz nicht zurückhalten und das Feld nicht allein Fridays for Future überlassen", sagte Gerd Hübner, der die Demo angemeldet hatte. Die Älteren stünden in der Verantwortung, da sie zur Klimakrise beigetragen hätten, sie müssten nun Teil der Lösung werden.

"Wir müssen uns mehr in die öffentliche Diskussion einbringen und die Politik dazu drängen, dass sie die richtigen Rahmenbedingungen für Klimaschutz setzt", sagte Hübner gegenüber Klimareporter°. Die Teilnahme an der Demo sei eine einfache Möglichkeit für alle Berliner:innen, Verantwortung zu übernehmen.

"Wir brauchen 100 Prozent Erneuerbare schon 2030"

Zum Demo-Konzept gehört, dass Redner:innen über Lösungen für die Klimakrise informieren. Der Energiewende-Vordenker Hans-Josef Fell mahnte, dass sich die Erde der Nasa zufolge bereits um 1,2 Grad erwärmt habe. "Das klingt vielleicht nicht nach viel, aber schon heute gibt es auf der Erde unerträgliche Verhältnisse", sagte Fell.

Er sprach über die Folgen von Starkregen in Sudan und Überschwemmungen in der pakistanischen Stadt Karatschi. Gleichzeitig gebe es viele Länder, die ihre Treibhausgasemissionen noch wie bisher weiterlaufen lassen. Ziel müsse eine Weltgemeinschaft sein, die keine Emissionen mehr zulasse.

"Wir waren auf einem guten Weg, mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz haben wir 2000 ein Gesetz geschaffen, dass Fulminantes zustande gebracht hat", sagte Fell mit Blick auf Deutschland. Aber die Politik habe das EEG "verhunzt" – um die Erdöl-, Atom- und Kohlewirtschaft zu schützen.

Auch am jetzt vorgelegten Entwurf zur Reform des EEG lässt Fell kein gutes Haar. "Das Papier manifestiert das Bremsen", sagte Fell. In dem Entwurf werde von Treibhausgasneutralität für 2050 gesprochen. "Wir brauchen aber schon 2030 null Emissionen mit einhundert Prozent Erneuerbaren."

Wie das erreicht werden soll: durch Ausbau von Erneuerbaren auf dem eigenen Dach oder dem Wechsel zu einem Ökostromtarif, durch Protestieren und durch Politik. Die Menschen dürften Klimaschutz nicht den Parteien überlassen. 

"Guckt auf die Haushalte!"

Der parteilose Bundestagsabgeordnete Marco Bülow warnte in seiner Rede vor mächtigen Lobbys, die Einfluss auf die Politik nehmen würden. Der Fraktionszwang müsse abgeschafft werden, weil er Lobbyismus begünstige. Bülow forderte die Einsetzung einer Bürger:innenversammlung zum Klimaschutz wie in Frankreich.

"Und guckt auf die Haushalte", rief Bülow den Menschen zu. Der Haushalt zeige, wie ernst Klimaschutz genommen werde. "Während der Wehretat mehr als 40 Milliarden Euro umfasst, gibt es für Umwelt- und Klimaschutz nur drei Milliarden Euro", sagte der Abgeordnete. Kampfjets und Panzer würden aber nicht das Klima retten. 

Kunstaktion: Brennendes Bäumchen
Kunstaktion und Sinnbild für die Klimakrise: Brennendes Bäumchen auf dem Alexanderplatz.

Über die Verkehrswende sprach Raul Krauthausen und warb für ein Tempolimit. "Tempo 130 statt 180 ist keine eingeschränkte Mobilität. Ich weiß, was eingeschränkte Mobilität ist", sagte der Aktivist, der in einem Rollstuhl sitzt und sich für Barrierefreiheit einsetzt. Nur wenn Barrierefreiheit bei der Verkehrswende mitgedacht werde, sei sie inklusiv. Von 8.000 Berliner Taxis seien aber nur acht barrierefrei.

Initiiert wurde die Demo von Aktivist:innen, die auch bei Parents for Future aktiv sind. Sie wollen dem Klima-Protest wieder zu mehr Wahrnehmung verhelfen. "Zwei Drittel der Deutschen finden Klimaschutz wichtig, aber Corona hat das Thema von der politischen Agenda verdrängt", sagte Demo-Organisator Hübner.

Um das 1,5-Grad-Ziel noch zu erreichen, brauche es jetzt kurzfristige und effektive Maßnahmen. Deshalb warben Aktivist:innen von Fridays for Future auf der Montagsdemo für den nächsten globalen Klimastreik, der am 25. September stattfinden soll.

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