Klimaschutz, sonst nichts?

Fridays for Future sollte sich nur zum Klimaschutz äußern, nicht zu anderen politischen Themen, hört man manchmal. Die aktuelle Debatte um strukturellen Rassismus, die auch die Klimabewegung betrifft, zeigt aber: Das kann nicht immer gelten.


Auf eine schwarze Tafel ist mit Kreide eine Weltkugel gezeichnet, daneben steht: Fridays for Future.
Soll Fridays for Future sich nur um Klimaschutz kümmern und alle anderen Themen ignorieren? Nein, findet Elena Balthesen. (Foto: Gerd Altmann/​Pixabay)

"Gibt es Fridays for Future überhaupt noch?", "Macht ihr überhaupt noch was?" – Diese Fragen bekomme ich in letzter Zeit häufig gestellt.

Klar, gibt es uns noch. In vielen Städten finden sogar wieder jeden Freitag Aktionen statt. Und natürlich ist auch die Klimakrise noch da. Aber der politische Fokus liegt gerade woanders.

Infolge des Mordes an George Floyd und der erstarkenden Black-Lives-Matter-Bewegung muss es gerade um Polizeigewalt und strukturellen Rassismus gehen. Mit beidem hat auch die Klimabewegung zu tun.

Fridays for Future Deutschland hat sich auf den sozialen Medien erst spät mit den Black-Lives-Matter-Protesten solidarisiert. Die Klimabewegung habe ein Rassismusproblem, hat die Klimaaktivistin Tonny Nowshin auch deshalb kürzlich hier geschrieben.

Nowshin hat in der deutschen Klimabewegung Rassismus erfahren. Das liegt unter anderem daran, dass die Menschen dort überwiegend weiß sind. Darüber diskutieren wir bei Fridays for Future seit Längerem, andere Gruppen tun das ebenfalls. Geändert hat sich dadurch bisher nicht viel.

Der große Irrtum ist, dass wir oft denken, wir selbst wären frei von rassistischen Denkmustern, weil sie nicht unserer politischen Einstellung entsprechen. Aber wir sind rassistisch sozialisiert worden, wir sind Teil des Problems. Unser Rassismus mag keine Absicht sein, aber er ist da.

Auch ich bin eine weiße Person. Ich muss auch noch viel dazulernen, meine Privilegien hinterfragen. Rassismus durchzieht unsere gesellschaftlichen Strukturen.

Wir sollten uns mit antirassistischen Kämpfen solidarisieren

Die weiße Mehrheit in der Klimabewegung muss BIPoC, also Schwarzen, Indigenen und People of Color, mehr Raum geben. Wie machen wir das?

Ich habe darauf keine vollständige Antwort, aber ein Anfang ist es, Bücher über Rassismus von BIPoC zu lesen. Wir müssen lernen. Ich möchte hier deshalb auf Autorinnen wie Tupoka Ogette, Alice Hasters und andere kluge Menschen hinweisen. Es gibt viel Material von BIPoC zum Thema.

Elena Balthesen spricht in ein Mikro.

Elena Balthesen

ist 18 Jahre alt und geht in die 12. Klasse einer Waldorf­schule in München. In ihrer Kolumne "Balthesens Aufbruch" macht sie sich auf die Suche nach Wegen für ihre Generation, aus der Klimakrise heraus­zu­kommen. Sie ist bei "Fridays for Future" in München aktiv.

Dann geht es darum, Erfahrungsberichten wie dem von Tonny Nowshin zu glauben, keine Entschuldigungen zu suchen dafür, warum BIPoC mal wieder ausgegrenzt wurden. Etwas war nicht böse gemeint? Darum geht es nicht.

Und dann müssen wir aktiv die Zusammenarbeit mit BIPoC suchen und uns mit antirassistischen Kämpfen solidarisieren.

Es gibt Stimmen, die meinen, Fridays for Future solle sich stattdessen auf das Kernthema der Bewegung konzentrieren, also Klimaschutz. Das hat oft strategische Hintergründe.

Für wen sind wir niedrigschwellig?

Unter den Klimabewegungen nimmt Fridays for Future die Rolle der niedrigschwelligen Gruppe ein. Wir fordern Klimaschutz, berufen uns auf die Klimawissenschaft. Wir sind anschlussfähig für Menschen mit unterschiedlichen politischen Positionen. An und für sich finde ich das wichtig. Andere Gruppen fordern mehr – auch das finde ich gut. Die Klimabewegung braucht beides.

Aber erstens: Antirassismus sollte für alle politischen Lager anschlussfähig sein, die nicht rechtsextrem sind. Wenn wir uns in dieser Hinsicht klar positionieren, sollte das keine Auswirkungen auf unsere breite gesellschaftliche Akzeptanz haben.

Und zweitens: Für wen sind wir niedrigschwellig? Offenbar bleiben für viele Menschen hohe Hürden, sonst wären wir nicht so wenig divers. Zwar gestalten wir unsere Großstreiks möglichst barrierefrei und Menschen jeden Alters sind auf unseren Aktionen vertreten. Aber wir sind auffällig weiß, privilegiert, gut ausgebildet und wohlhabend.

Um dieses Problem in Angriff zu nehmen, bilden wir Arbeitsgruppen zum Thema, sprechen generell sehr viel darüber und sind gerade dabei, antirassistische Workshops zu organisieren. Wir sind dabei, zu lernen. Wichtig ist, dass wir dabei vor allem BIPoC zuhören.

Letzten Monat ging es in meiner Kolumne um Feminismus. Ich habe geschrieben, dass alle Diskriminierungsformen bekämpft und überwunden werden müssen, um eine ökologische, soziale und gerechte Welt zu erreichen. Das gilt natürlich auch für Rassismus.

Unser System, in dem die Klimakrise entstanden ist, hat patriarchale und rassistische Strukturen. Um unsere Gesellschaft wirklich umzuwandeln, müssen sie überwunden werden. Das ist keine Entweder-oder-Frage. Nur den Emissionsrückgang zu fordern reicht nicht.

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