Briten rebellieren für das Klima

Weil sie glauben, dass ihre Regierung zu wenig gegen den Klimawandel und die damit einhergehende Bedrohung für das Leben auf der Erde unternimmt, gehen in London die Menschen auf die Straße. Sie wollen eine Revolution anstoßen.


Demonstration in London für Klimaschutz
Klimarebellion in London.  (Foto: Francesca E. Harris/​Extinction Rebellion/​Flickr)

Tausende Briten sind mit ihrer Regierung unzufrieden. Deshalb protestieren sie am heutigen Samstag im Zentrum von London. Ursache für ihren Unmut ist aber nicht der nahende Austritt des Landes aus der Europäischen Union: Sie werfen den Politikern Nichtstun angesichts der immer drängender werdenden Klimakrise vor. 

Mit Aktionen zivilen Ungehorsams wollen sie deshalb eine Revolution einleiten: Wegen der fortschreitenden Erhitzung der Atmosphäre fürchten sie um das Leben auf der Erde. "Uns eint eine tiefe Liebe für das Leben und die Existenz unseres Planeten", sagt Stuart Basden gegenüber Klimareporter°. Der Klimawandel bedrohe das Leben künftiger Generationen und werde zu einem massenhaften Artensterben führen.

Entsprechend nennen die Aktivisten ihre Kampagne Extinction Rebellion, Rebellion gegen das Aussterben. Den heutigen Samstag haben sie zum Revolutionstag auserkoren.

Die Aktivisten besetzen fünf Brücken in Londons Innenstadt, von dort aus wollen sie zum Parliament Square ziehen. Dort soll es eine Bürgerversammlung geben. "Wir wollen Ideen austauschen, wie wir gegen die Klimakrise vorgehen wollen", sagt Basden. Jeder dürfe Ideen vorschlagen, wie ein schneller Wandel in Gesellschaft und Wirtschaft gelingen kann und welche Maßnahmen es dafür braucht.

Die Klimarevolutionäre fordern, dass die Regierung ihre Politik überall dort stoppt, wo sie die ökologische Krise weiter verschärft. Gleichzeitig soll die Regierung rechtsverbindliche Maßnahmen ergreifen, um die CO2-Emissionen in Großbritannien bis 2025 auf null zu senken und den Überschuss an Treibhausgasen in der Atmosphäre zu mindern. Der Verbrauch von Ressourcen aus der ganzen Welt soll deutlich begrenzt werden.

Dass die britische Regierung schon angekündigt hat, ihre Ambitionen zu verstärken und ihre Klimaziele an das 1,5-Grad-Ziel anzupassen, lassen die Aktivisten nicht gelten. "Das sind nur leere Worte", meint Stuart Basden. Erst kürzlich habe die Regierung erklärt, fast 29 Milliarden britische Pfund (33 Milliarden Euro) in die landesweite Straßeninfrastruktur investieren zu wollen. Für Basden sind die geplanten Ausgaben Subventionen für die Öl- und die Fracking-Industrie, die den Klimastress nur noch verstärken werden.

Die Regierung, so sehen es die Aktivisten, handelt gegen die Interessen der Bevölkerung. Für die kommenden Wochen sind weitere Proteste in ganz Großbritannien ankündigt, um noch mehr Menschen auf die Straße zu bringen. "Mit temporären Straßenblockaden wollen wir die Städte lahmlegen", sagt Basden. Das soll wirtschaftliche Schocks auslösen – und wird die Behörden an den Verhandlungstisch bringen, hoffen die Aktivisten

Aktivisten setzen bewusst auf friedlichen Protest

Dass die Regierung die notwendigen schnellen Veränderungen anstößt, glauben die Klimaaktivisten allerdings nicht. Deshalb soll eine Versammlung der Bürger die Veränderungen in Gesellschaft und Wirtschaft überwachen.

Die Kampagne zur Klimarevolution haben die Aktivisten der Gruppe Rising Up seit April dieses Jahres vorbereitet, es gab Gespräche und Vorbereitungstreffen in mehreren britischen Städten. Stuart Basden hat sogar seinen gut bezahlten Job als Webentwickler hingeworfen, um sich ganz dem Klimaprotest zu widmen.

Aus der Deklaration

"Der Zusammenbruch unseres Klimas hat begonnen. Es wird mehr Waldbrände, unberechenbare Superstürme, ungekannte Dürren und zunehmende Hungersnöte geben, wenn die Nahrungsvorräte und das Süßwasser schwinden."

 

"Wenn die Regierung und die Gesetze das Wohlergehen der Menschen nicht mehr angemessen schützen und die Zukunft des Landes aufs Spiel setzen, wird es zum Bürgerrecht, nach Auswegen zu suchen, um eine funktionierende Demokratie wiederherzustellen und die notwendigen Schritte zur Abwendung der Katastrophe und zur Sicherung der Zukunft zu ermöglichen. Es ist jetzt nicht nur unser Recht, es ist unsere heilige Pflicht, zu rebellieren."

In den vergangenen Wochen sind die Aktivisten schon mehrmals auf die Straße gegangen: Sie haben sich an das Gebäude des britischen Wirtschaftsministeriums gekettet und vor der brasilianischen Botschaft in London gesungen.

Symbolischer Auftakt der Revolutionskampagne war Ende Oktober, als sich die Aktivisten auf dem Parliament Square versammelten und eine der verkehrsstärksten Gegenden Londons für zwei Stunden blockierten. Grüne Politiker und Journalisten hielten Ansprachen, eine Revolutionserklärung wurde verabschiedet.

Eigentlich hatten die Organisatoren an jenem Tag nur ein paar hundert Demonstranten erwartet, am Ende kamen über Tausend. 15 Demonstranten wurden bei der Aktion verhaftet. Dabei setzen die Aktivisten bewusst auf friedlichen Protest. "Nur wenn wir friedlich für unsere Ziele einstehen, können wir die Regierung herausfordern", sagt Basden.

Unterstützung bekamen die Protestierenden von beinahe 100 Wissenschaftlern, die einen offenen Brief in der Tageszeitung The Guardian veröffentlichten. Der Gesellschaftsvertrag sei gebrochen worden, deshalb sei es moralische Pflicht, gegen die Untätigkeit der Regierung vorzugehen und zu rebellieren.

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