Großbritannien peilt 1,5 Grad an

Als erste Industrienation macht sich Großbritannien auf den Weg, seine Treibhausgasemissionen in Einklang mit der 1,5-Grad-Grenze zu bringen – auch weil die Inselstaaten beim Commonwealth-Treffen zu mehr Klimaschutz drängen. Königin Elizabeth II. stellt einen eigenen Plan vor.


Königin Elizabeth II. setzt sich dafür ein, dass mehr Bäume gepflanzt werden. (Foto: Bill Ingalls/​NASA/​Wikimedia Commons)

Während der hiesige Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) gestern vor Vertretern aus 40 Ländern ein Loblied auf die Marktwirtschaft säuselte und den Rotstift bei der Förderung der erneuerbaren Energien ansetzen will, verkündete die britische Staatssekretärin für Energie und sauberes Wachstum Claire Perry, dass Großbritannien seine Klimaziele verschärfen will.

Das wissenschaftliche Beratergremium der britischen Regierung, der Ausschuss für Klimawandel, solle darlegen, wie Großbritannien seine Klimaziele in Einklang mit der in Paris vereinbarten 1,5-Grad-Grenze bringen kann, so die Staatssekretärin am Rande eines Gipfeltreffens der Commonwealth-Staaten, das noch bis Ende der Woche in London stattfindet.

Die Überprüfung der Klimaziele soll stattfinden, nachdem der Weltklimarat IPCC, das internationale Wissenschaftlergremium der Vereinten Nationen in Klimafragen, seinen 1,5-Grad-Sonderbericht vorgelegt hat. Das Gremium prüft derzeit, welche Möglichkeiten zur Verfüung stehen, dass die Erderwärmung doch noch auf 1,5-Grad begrenzt werden kann. Der Bericht soll im Herbst dieses Jahres vorliegen.

Dass die britische Regierung gerade jetzt ihre Ambitionen verstärken will, kommt nicht von ungefähr. In London treffen sich seit Wochenbeginn die 53 Staats- und Regierungschefs des Commonwealth. "Das Commonwealth-Treffen ist besonders interessant, weil es der größte Gipfel der Staats- und Regierungschefs in diesem Jahr ist", sagt Camilla Born vom Londoner Umwelt-Thinktank E3G. Und von diesem Treffen erwartet die Politikberaterin Fortschritte in der internationalen Klimadiplomatie.

Die Hälfte der Commonwealth-Staaten sind kleine Inselstaaten

Dass es bei dem Treffen auch um die Begrenzung des Erderwärmung gehen wird, ist sicher. 25 der 53 Commonwealth-Staaten sind kleine Inselstaaten, die als besonders verletztlich gegenüber den Folgen des Klimawandels gelten – und die Regierungschefs der Inselstaaten werden ihre Amtskollegen aus den Industriestaaten zu stärkeren Klimaschutzbemühungen drängen.

"Im aktuellen Klima-Risiko-Index von Germanwatch fällt auf, dass alle fünf am stärksten betroffenen Länder Commonwealth-Staaten sind", sagt Mohamed Adow von der britischen Hilfsorganisation Christian Aid. 2018 sei ein wichtiges Jahr, um Fortschritte bei der Erfüllung des Pariser Klimaabkommens zu erzielen und die Klimaziele der Staaten zu verschärfen.

"Was bisher an Verpflichtungen vorgelegt wurde, reicht überhaupt nicht aus", findet auch Fidschis oberster Klimaverhandler Luke Daunivalu. Die Zusagen der Regierungen würden die globalen Durchschnittstemperaturen bis Ende des Jahrhunderts um drei Grad ansteigen lassen, betont er. "Wir bitten die Commonwealth-Nationen, uns im Rahmen des Talanoa-Dialogs zu unterstützen, die Anstrengungen bei den selbstgewählten Emissionsminderungen gemeinsam zu erhöhen und die Welt auf einen neuen Kurs zu bringen."

Das Treffen bildet den Auftakt eines politischen Countdowns: Bis 2020 sollen die Länder ihre Klimaziele entsprechend dem Paris-Abkommen anheben. Klar ist, dass die bisherigen Anstrengungen der Staaten nicht ausreichen, um die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Wie groß die Lücke tatächlich ist, soll im Laufe des Jahres beim "Talanoa-Dialog" eruiert werden.

Eigentlich sollte der Gipfel auf Vanuatu stattfinden

Und dann müssen die Staaten nachlegen – allen voran die Industriestaaten. "Es braucht wirklich große Volkswirtschaften wie das Vereinigte Königreich, um voranzukommen", meint Ralph Regenvanu, Außenminister des Inselstaats Vanuatu.

Regenvanu betont, wie dringend ein zügiges Absenken der Emissionen ist. "Eigentlicht sollte dieses Treffen auf Vanuatu stattfinden", sagt der Minister. Doch 2015 verwüstete Zyklon "Pam" weite Teile des Inselstaats, der von den Vereinten Nationen als eines der am wenigsten entwickelten Länder (LDCs) eingestuft wird und noch immer mit den Folgen des Zykons zu kämpfen hat. "Die Kosten dieses Zyklons belaufen sich auf 70 Prozent unseres Bruttoinlandsprodukts", sagt Regenvanu. "Es gab schlicht keine Möglichkeit für uns, dieses Treffen zu veranstalten."

Deshalb sprang Großbritannien in die Bresche, es richtet den diesjährigen Commonwealth-Gipfel aus und verspricht nun bei seinen Klimazielen nachzulegen. Als weltweit erstes Land hatte Großbritannien 2008 ein Klimagesetz verabschiedet. Der "Climate Change Act" legt rechtlich bindend fest, dass das Land bis 2050 eine Treibhausgasminderung um 80 Prozent gegenüber 1990 erbringen muss.

Das Ziel wurde damals als Beitrag Großbritanniens zu einem globalen Emissionspfad abgeleitet, mit dem sich der Anstieg der Durchschnittstemperatur bis Ende des Jahrhunderts auf zwei Grad begrenzen lässt. Doch in Paris hat sich die internationale Staatengemeinschaft auf "deutlich unter zwei Grad, möglichst 1,5 Grad" geeinigt. Großbritannien muss nachschärfen.

Dabei gibt es Unterstützung von ganz oben. Am Montag hatte die britische Königin Elisabeth II., Oberhaupt des Commonwealth, im Fernsehen einen Plan vorgestellt, um die Aufforstung in allen 53 Commonwealth-Mitgliedsländern erheblich zu beschleunigen. Dies könne das Klima zum Guten ändern, warb die Queen im Gespräch mit dem Umweltschützer David Attenborough für das royale Aufforstungsprojekt.

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