Zu viel Essen in der Tonne

In Deutschland fliegen pro Kopf und Woche 1,5 Kilo Lebensmittel in den Müll – das ist ziemlich genau der Weltdurchschnitt, hat ein UN-Report ermittelt. Fast ein Zehntel des globalen Treibhausgasausstoßes geht auf das Konto der zwischen Acker und Teller verlorenen Lebensmittel.


Präsentation einer großen Menge weggeworfener Lebenmittel, die noch verwendbar sind.
Weltweit gesehen ist nicht der Handel für das Gros der vermeidbaren Lebens­mittel­abfälle verantwortlich, sondern die privaten Haushalte. Das Bild entstand bei einer Aktion in Neuseeland. (Foto/​Ausschnitt: Love Food Hate Waste New Zealand/​Wikimedia Commons)

Essen wirft man nicht weg. Egal, ob das Pausenbrot mit Leberwurst, die Reste vom Mittagessen gestern, die halb verschrumpelten Möhren aus dem Gemüsefach im Kühlschrank.

Das lernte man früher. Strikt dran gehalten hat sich schon damals niemand. Aber inzwischen ist die Scheu, Nahrungsmittel wegzuwerfen, offenbar stark gesunken.

Auf jeden Deutschen kommen pro Jahr rund 75 Kilogramm verschwendete Lebensmittel – pro Woche landen also fast 1,5 Kilo im Müll oder, bestenfalls, auf dem Kompost.

Es handelt sich nicht nur um ein deutsches, sondern um ein weltweites Phänomen. Die Zahlen entstammen einem neuen Report des UN-Umweltprogramms Unep, der zeigt, dass global etwa ein Sechstel der produzierten Lebensmittel weggeworfen wird. Deutschland liegt mit seinen 75 Kilo pro Kopf ziemlich genau im Durchschnitt, der laut Unep-Angaben 74 Kilo beträgt.

Die Verschwendung geht vor allem auf das Konto der Privathaushalte, was die Fachleute überrascht hat. Die Haushalte sind laut Bericht für 60 Prozent der Verluste verantwortlich, Gastronomie und Einzelhandel mit 25 beziehungsweise 15 Prozent für den Rest. Interessant: Gerade auch in vielen ärmeren Ländern ist die "Wegwerfquote" hoch.

Immerhin gibt es mit dem Report erstmals eine einigermaßen belastbare Schätzung zu dem Problem. Denn wie viel Essen als Abfall endet, erfassen die meisten Länder bisher uneinheitlich oder gleich gar nicht. Der vom Unep und einer Partnerorganisation nun entwickelte "Food Waste Index" (FWI) soll ihnen helfen, die Situation besser zu erfassen und Gegenstrategien zu entwickeln.

Joachim Wille ist Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.

Für das Problem der Verluste bei der Ernte oder in der Lieferkette bis zum Einzelhandel gibt es seit 2018 bereits einen solchen Indikator, den "Food Loss Index" (FLI).

Beide Indizes zusammen machen deutlich, wie ineffizient das gesamte Agrar- und Ernährungssystem ist – denn vom Acker bis zum Teller geht global rund ein Drittel aller mit großem Aufwand erzeugten Nahrungsmittel verloren. Bessere Strategien gegen Verlust und Verschwendung werden tatsächlich dringend gebraucht.

Zwei unschlagbare Argumente: Man kann, erstens, den Hunger damit bekämpfen, unter dem fast jeder zehnte Mensch weltweit leidet. Und, zweitens, den Klimaschutz voranbringen. Fast ein Zehntel des globalen Treibhausgasausstoßes ist auf die verlorenen Lebensmittel zurückzuführen.

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