Dosenfraß ist out

Zu Beginn der Coronakrise wurden Fertiggerichte gehortet, doch inzwischen haben viele hierzulande das Kochen mit gesundheits- und umweltfreundlicheren Lebensmitteln wiederentdeckt. Ob das so bleibt, ist offen. Aber es gibt Hoffnung.


Verschiedene Sorten Gemüse, vor allem Rüben, auf einem Marktstand.
Regionales Frühlingsgemüse – hier auf dem Münchner Viktualienmarkt – ist im Kommen. (Foto: Susanne Heinzmann/​Pixabay)

Der Appetit ist noch da, aber anders. Corona verändert unsere Ernährung. Ein Viertel der Bundesbürger isst mehr frisches Gemüse und Obst, knapp jeder Fünfte greift seltener zu Fertiggerichten.

Das kam bei einer Online-Umfrage von Agrarwissenschaftlern der Universität Göttingen heraus, die im April 1.000 Bürger zu ihren Essensgewohnheiten befragt haben.

Immerhin fast 40 Prozent gaben an, gesunde Lebensmittel zu essen sei wegen der Bedrohung durch Covid-19 wichtiger geworden. Fast ebenso viele achten laut der Umfrage stärker auf regionale Produkte und immerhin 22 Prozent greifen häufiger zu Bioprodukten.

Ob das so bleibt, ist noch offen. Aber es gibt Hoffnung. Zu Anfang der Krise wurden verschärft Dosensuppen und Fertigpizza gehortet, dann aber erwachte offenbar bei vielen die Lust am Selberkochen.

Und das beschert dem Naturkost-Handel neue Rekorde beim Umsatz, ein Plus von 30 bis 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr wird gemeldet. Die Bio-Supermarktketten bestätigen den Trend. Die Menschen wollten eben gesund durch die Zeit kommen, heißt es dort.

Wie stark der neue Trend neben der Umwelt auch dem Klima hilft, ist offen. Der Anteil der Bioprodukte am gesamten Lebensmittel-Umsatz beträgt hierzulande noch keine sechs Prozent, und auch nur gut zehn Prozent der Agrarböden werden ökologisch bearbeitet.

100 Prozent bio?

Dabei hatte die rot-grüne Bundesregierung anno 2002 bereits für 2012 rund 20 Prozent Flächenanteil angepeilt. Die sollen nun, so die aktuelle Ansage aus Berlin, bis 2030 erreicht sein. Es ist also noch viel Luft nach oben, bis 100 Prozent erreicht wären.

Joachim Wille ist Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.

Ob das überhaupt Sinn hätte, ist umstritten. Verfechter der konventionellen Landwirtschaft sagen natürlich "Nein".

Sicher ist: Verhungern müsste keiner in so einer Bio-Republik. Aber es gibt ein Problem. Bei einer Komplettumstellung auf "bio" würden die Erträge sinken, weil nicht mehr mit Kunstdünger und Pestiziden nachgeholfen wird, laut einer britischen Untersuchung sogar um 40 Prozent.

Lösungen gibt es. Erstens: die immer noch grassierende Lebensmittelverschwendung minimieren. Und zweitens den Konsum von Fleisch- und Milchprodukten herunterfahren. Auf dem Umweg über den Magen der Tiere gehen bekanntermaßen mehr als zwei Drittel der im Viehfutter enthaltenen Kalorien verloren. Gesünder wäre es zudem.

Unterstützen Sie unabhängigen Journalismus!

klimareporter° wird herausgegeben vom gemeinnützigen Klimawissen e.V. Ihre Spende macht unabhängigen Journalismus zu Energiewende und Klimawandel möglich.

Spenden Sie hier