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Mehr Action, aber wenig Geld

Der virtuelle Klimagipfel über Anpassung an die Erderwärmung in den Entwicklungsländern endet mit einigen Hilfszusagen, aber nicht in der notwendigen Höhe. US-Emissär Kerry ist "stolz, wieder dabei zu sein" und verspricht, die alten Zusagen von Trump-Vorgänger Obama einzuhalten.


Wirbelstürme wie "Amphan" im Mai 2020 über Südasien werden im Klimawandel heftiger und richten größere Schäden an. (Foto: Ramakrishna Math and Ramakrishna Mission Belur Math/Flickr)

Mehr Unwetter, Dürren und Überflutungen, steigender Meeresspiegel: Die Folgen des Klimawandels bedrohen vor allem Entwicklungsländer.

Auf einem virtuellen Klimagipfel in Amsterdam, an dem unter anderen Bundeskanzlerin Angela Merkel, Großbritanniens Premier Boris Johnson und der neue US-Klimabeauftragte John Kerry teilnahmen, ist nun ein Aktionsplan mit konkreten Maßnahmen behandelt worden, wie sie sich künftig besser dagegen wappnen können.

Die Industrieländer sagten auf der Konferenz weitere Hilfsgelder zu. Die nötigen Summen werden dadurch aber bei Weitem nicht erreicht.

UN-Generalsekretär António Guterres mahnte die Weltgemeinschaft auf dem Gipfel, mehr in die Klimaanpassung zu investieren. Die Mittel, die die Regierungen für den ökonomischen Wiederaufbau nach der Corona-Pandemie aufwenden, müssten eine "Starthilfe" für eine nachhaltige und klimafreundliche Zukunft sein.

"Wir stehen vor einem Klima-Notstand", sagte Guterres. Die Pandemie habe gezeigt, "dass wir es uns nicht leisten können, bekannte Risiken zu ignorieren".

Nach Schätzungen des UN-Umweltprogramms Unep brauchen allein Entwicklungsländer schon heute jährlich rund 70 Milliarden US-Dollar, um zum Beispiel Infrastruktur und Landwirtschaft anzupassen. Bis 2030 könnten diese Kosten auf bis zu 300 Milliarden US-Dollar steigen, bis 2050 sogar auf 500 Milliarden.

Gelder fließen oft nicht wie angekündigt

Im Pariser Klimavertrag von 2015 haben die Industrieländer zwar jährliche Klimahilfen für CO2-Einsparung und Anpassung in Höhe von 100 Milliarden Dollar pro Jahr zugesagt. Diese Summe wird bisher allerdings nicht erreicht: 2018 waren es laut einem OECD-Report knapp 79 Milliarden.

Zudem fließt davon nur ein kleiner Teil in die Anpassung, nämlich rund 21 Prozent, 2018 also rund 16 Milliarden. Der Großteil der Aufwendungen muss also von den armen Ländern selbst getragen werden – oder aber die Anpassung findet schlicht nicht statt. "Die Erhöhung dieses Anteils auf die Hälfte muss eine dringende Priorität werden", forderte Nafkote Dabi von der Entwicklungsorganisation Oxfam.

Klimafinanzierung solle ausschließlich über Zuschüsse und für lokal angepasste Anpassungspläne ausgegeben werden, die die unterschiedlichen Bedürfnisse von Männern und Frauen berücksichtigen. 2018 wurden rund 80 Prozent der Klimafinanzierung als Kredite und ähnliche Instrumente bereitgestellt.

"Die ärmsten Länder und Gemeinden der Welt sollten nicht gezwungen werden, Kredite aufzunehmen, um sich vor den überschüssigen Kohlenstoffemissionen der reichen Länder zu schützen", sagte Dabi. Das werde zu steigenden und in vielen Ländern unhaltbaren Schuldenständen beitragen. 

Eine Auswertung der Hilfsorganisation Care zeigt darüber hinaus, dass häufig Gelder als Anpassungshilfen deklariert werden, obwohl die finanzierten Maßnahmen nichts mit Klimaanpassung zu tun haben. Care untersuchte Gelder für sechs Länder in Afrika und Asien: In über 100 ausgewerteten Projekten wurden 6,2 Milliarden US-Dollar als Anpassungsausgaben gemeldet – eine Summe, die um 2,6 Milliarden Dollar zu hoch angesetzt war.

USA wieder dabei, doch ohne konkrete Zusagen

Als positives Signal wurde auf dem Gipfel gewertet, dass die USA mit Klima-Emissär Kerry in die internationalen Verhandlungen zurückgekehrt sind. Kerry bekräftigte die Verpflichtung seiner Regierung, das Paris-Abkommen zu verwirklichen und den CO2-Ausstoß zu reduzieren. "Wir sind stolz, dass wir wieder da sind", sagte er. Unter Ex-Präsident Donald Trump war Washington aus dem Klimavertrag ausgetreten, Nachfolger Joe Biden erklärte den Wiedereintritt.

Kerry, der 2015 als US-Außenminister in Paris mitverhandelt hatte, sagte: "Wir kommen zurück – in Demut für die vergangenen vier Jahre, und wir werden alles tun, was in unserer Macht steht, um das wieder gutzumachen." Die USA würden sich auch an ihre Finanzzusagen halten, versprach er.

Der frühere Präsident Barack Obama hatte 2015 drei Milliarden Dollar für die internationale Klimafinanzierung versprochen, von denen aber bis zu Trumps Amtsantritt nur eine Milliarde gezahlt wurde. Konkrete zusätzliche Zusagen gab Kerry nicht, er versprach jedoch, dass die USA die Gelder zur Anpassung und Erhöhung der Resilienz "deutlich erhöhen" würden.

Die deutsche Bundesregierung sagte anlässlich des Gipfels zusätzliche 220 Millionen Euro für die Klimaanpassung zu, zum Teil allerdings als Kredite. Merkel sicherte den Entwicklungsländern Unterstützung zu. "Für Deutschland kann ich sagen: Wir packen mit an", sagte sie in einer Videobotschaft.

Sabine Minninger von der evangelischen Hilfsorganisation Brot für die Welt lobte zwar, dass die Kanzlerin in der Rede den "richtigen Ton gesetzt" habe. "Die neuen Zusagen sind absolut willkommen, denn jeder Cent wird gebraucht", sagte Minninger gegenüber Klimareporter°. Die Gelder seien aber unzureichend. Die Bundesregierung werde "dem Problem der wachsenden Anpassungskosten und auch der zunehmenden Klimaschäden im globalen Süden nicht gerecht".

"Wir brauchen einen klaren Plan"

Wünschenswert wäre aus Sicht von Minninger eine Verdopplung der internationalen Zusagen gewesen. Die Bundeskanzlerin hatte sich 2015 verpflichtet, die bisherigen Klimahilfen bis 2020 auf vier Milliarden Euro zu verdoppeln. "Jetzt wäre es an der Zeit, den politischen Prozess für eine Verdoppelung der Zusagen auf acht Milliarden Euro bis 2025 auf den Weg zu bringen", meinte Minninger. Damit solle Deutschland ein Zeichen setzen. 

Auf der kommenden UN-Klimakonferenz COP 26 in Glasgow sollen die Verhandlungen über ein neues Finanzierungsziel beginnen, das auf dem bisherigen 100-Milliarden-Dollar-Ziel aufbaut. "Wir brauchen einen klaren Plan, wie die Länder ihren Verpflichtungen nachkommen und ihre finanziellen Beiträge vor der COP 26 ernsthaft erhöhen wollen, zusammen mit einer ehrlichen und transparenten Rechnungslegung", sagte Inge Vianen von Care International.

Der Forderung schloss sich Nafkote Dabi von Oxfam an: "Ohne eine Aufstockung werden die armen Länder, die bereits unter dem Klimawandel leiden, nicht in der Lage sein, sich an extremere Wetterbedingungen anzupassen."

Der britische Premier Johnson, dessen Land die COP 26 ausrichtet, mahnte zu raschem Handeln in der Anpassungsfrage und berichtete über eine internationale "Anpassungskoalition", die Großbritannien mit Ägypten, Bangladesch, Malawi, den Niederlanden, dem Inselstaat Saint Lucia und den Vereinten Nationen eingegangen sei. 

Der niederländische Regierungschef und Gipfel-Gastgeber Mark Rutte kündigte an, sein Land werde seine Erfahrungen in der Hochwasserbekämpfung künftig stärker an andere Staaten weitergeben. Die Niederlande liegen zu zwei Dritteln unter dem Meeresspiegel.

Der Beitrag wurde um 19 Uhr ergänzt (Entwicklungsorganisationen).

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