Interpol auf der Spur der Müllbetrüger

Die internationale Polizeiorganisation warnt: In den Ländern, die heute noch den Plastikmüll der reichen Industriestaaten abnehmen, steht die fachgerechte Entsorgung häufig nur auf dem Papier. Die gemeldeten Recyclingraten seien daher zweifelhaft.


In einer seitlich offenen Halle wird Plastikmüll verbrannt, aus dem Schornstein kommt dunkler Rauch.
Müllverbrennungsanlage am Rand einer nordvietnamesischen Provinzhauptstadt. (Foto: Eric Isselee/​Shutterstock)

Interpol ist die internationale Polizeiorganisation. Sie kümmert sich um gestohlene Fahrzeuge, Ausweise und Kunstgegenstände, außerdem um Fingerabdrücke, Kinderpornografie und die "Red Notices", das sind die internationalen Haftbefehle. Und um Müll. Genauer: Plastikmüll.

Eine jetzt von Interpol veröffentlichte Studie dazu zeigt: Der weltweite Export von Kunststoff-Abfällen aus den Industriestaaten in die Entwicklungsländer boomt – und zwar zum Schaden von Umwelt und Klima.

Die Vorstellung, dass das Plastikmaterial dort, wo es nach Schiffstransporten um die halbe Welt ankommt, schön ordentlich und vor allem CO2-sparend recycelt wird, kann man sich endgültig abschminken.

Das Problem: China hat bis 2018 fast die Hälfte des weltweiten Plastikmülls importiert und mehr oder minder fachgerecht verarbeitet. Dann machte das Land seine Grenzen für den Abfall aus dem Westen abrupt dicht. Weitere Länder folgten dem chinesischen Beispiel, zumindest offiziell.

Nun wird das Material zum größten Teil in andere Staaten in Süd- und Südostasien transportiert, darunter Vietnam, Indien und Indonesien. Und die sind mit den gigantischen Mengen überfordert.

Vieles landet in illegalen Recyclinganlagen und Deponien oder wird schlicht verbrannt. Das betrifft in Vietnam stolze 88 Prozent des Mülls, in Indien und Indonesien sind die Anteile mit 87 und 83 Prozent ähnlich hoch.

Deutschland als "Treiber krimineller Machenschaften"

Interpol warnt: Es hat sich in den Importländern teils eine regelrechte Müll-Mafia gebildet, die die fachgerechte Entsorgung nur auf dem Papier betreibt.

Joachim Wille ist Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.

Folgen hat das vor allem für die Anwohner der illegalen Anlagen, die es mit Dreck, Gift und Lärm zu tun bekommen.

Doch auch für die Industrieländer, die ihre Umweltverantwortung so gerne in Südostasien entsorgen, hat das Folgen. Sie meldeten möglicherweise eine "künstlich hohe Recyclingrate für ihren Plastikmüll, während in Wahrheit weiterhin große Unsicherheiten bestehen, wie der nach Übersee verschiffte Abfall behandelt wird", so Interpol.

Deutschland als weltweit drittgrößten Exporteur von Plastikmüll darf das nicht kaltlassen. "Das macht auch uns zu einem Treiber der kriminellen Machenschaften in Südostasien", mahnt die Umweltstiftung WWF. Und fordert das einzig Richtige: deutlich weniger Plastikmüll zu produzieren und den Rest dann im eigenen Land zu recyceln.

Ein Exportstopp für verunreinigten Plastikmüll wäre ein erster Schritt dazu.

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