Kein "Ex und Hopp" mehr

Plastikverpackungen werden zu 90 Prozent aus Neukunststoff hergestellt, und über die Hälfte wird nach Gebrauch verbrannt. Das muss nicht so bleiben, sagt der WWF und legt ein Konzept für eine Kreislaufwirtschaft vor, das auch das Klima entlasten soll.


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Das WWF-Konzept setzt nicht auf Verhaltensänderungen, sondern auf Gesetze. (Foto: Barbara Bumm/Pixabay)

In Deutschland wurde vor über 30 Jahren der "Grüne Punkt" erfunden. Das System, mit dem unter anderem Kunststoffverpackungen eingesammelt und teilweise recycelt werden. Doch eine neue Studie zeigt: Hierzulande werden immer noch viele wertvolle Ressourcen beim Umgang mit den Verpackungen verschwendet.

Von wegen Kreislaufwirtschaft: Zu rund 90 Prozent werden die Plastikverpackungen aus Neukunststoff gefertigt, und über die Hälfte wird nach Gebrauch verbrannt.

Verpackungen und Einwegartikel aus Plastik machen laut der von der Umweltstiftung WWF publizierten Untersuchung derzeit fast 60 Prozent des deutschen Kunststoffmülls aus. Pro Kopf fallen danach hierzulande jährlich 39 Kilogramm Abfall allein aus Plastikverpackungen an.

Der EU-Durchschnitt liegt mit rund 33 Kilo deutlich darunter, und Länder wie Schweden und Tschechien kommen mit weniger als 25 Kilo aus. Pro Jahr werden in Deutschland 1,6 Millionen Tonnen Kunststoffverpackungen im Wert von 3,8 Milliarden Euro verbrannt.

Diese Verschwendung von Ressourcen könnte deutlich reduziert werden, so der WWF, nämlich durch Vermeiden unnötiger Verpackungen, ein recyclinggerechtes Design und innovative Wiederverwendungsmodelle. Bis 2040 könnte Deutschland laut der Analyse das Gesamtabfallvolumen um 40 Prozent reduzieren, den Verbrauch von Neuplastik um 60 Prozent und die Verbrennung von Abfällen um über 70 Prozent.

Auf diese Weise würden in den nächsten zwei Jahrzehnten über 20 Millionen Tonnen Kunststoff eingespart. Diese Menge entspricht laut WWF mehr als dem sechsfachen Jahresverbrauch an Plastikverpackungen in Deutschland. Die Studie wurde vom Münchner Beratungsunternehmen Systemiq im WWF-Auftrag erarbeitet.

Der vorgeschlagene Umbau im Abfallsystem wäre laut der Analyse auch ein wichtiger Baustein für den Klimaschutz. Bis 2040 könnten 68 Millionen Tonnen Treibhausgase eingespart werden – rund ein Fünftel. Läuft dagegen alles weiter wie bisher, werde allein die Herstellung und Entsorgung von Plastikverpackungen rund fünf Prozent des deutschen Restbudgets an CO2 beanspruchen, bezogen auf das 1,5-Grad-Limit aus dem Pariser Klimaabkommen.

Abfallvermeidung soll endlich im Zentrum stehen

Zwar steigen auf EU- und Bundesebene die Anforderungen zum Umgang mit Verpackungsmüll. So sollen die Recyclingquote steigen und die Verbrennungsrate sinken. Trotzdem würde der Abfallberg laut WWF weiter wachsen.

"Selbst wenn alle aktuellen Verpflichtungen vollständig umgesetzt würden, stiege der Bedarf an Neuplastik um vier Prozent an", so die Organisation. Sie fordert ein grundlegendes Umdenken, das Abfallvermeidung ins Zentrum stellt statt wie bisher die Erhöhung der Recyclinganteile.

Schon der Verzicht auf unnötige Verpackungen würde dem WWF zufolge die Plastikmüllmengen um acht Prozent reduzieren. Hierfür müsse der Gesetzgeber klare Vermeidungs- und Reduktionsziele verankern.

Als wichtigsten Hebel identifiziert die Studie Wiederverwendungsmodelle: Fast ein Viertel des Plastikmülls lasse sich bis 2040 durch erweiterte oder neue Mehrwegsysteme einsparen, beispielsweise durch Pfandsysteme jenseits des Getränkesegments, mehr Nachfüll-Konzepte in Supermärkten und wiedernutzbare Boxen beim Transport.

Zudem komme es auf die Recyclingfähigkeit der Verpackungen an, so die Experten. Recyclinggerechtes Design könne die Kreislaufwirtschaft erheblich voranbringen und sowohl die Ausbeute als auch den Wert der Rezyklate steigern. "Aus Joghurtbechern und Shampooflaschen müssen wieder Verpackungen werden, keine Autositze oder Fußmatten."

WWF-Expertin Laura Griestop kommentierte: "Verpackung aufreißen und wegwerfen – unser Umgang mit Plastik versinnbildlicht ein sorgloses und verschwenderisches Konsummodell, das mit den planetaren Grenzen nicht vereinbar ist."

Der Verbrauch von Kunststoffverpackungen steige seit Jahren, gleichzeitig würden die Verpackungen immer komplexer und schwieriger zu recyceln. "Wir müssen bewusst einen anderen Kurs einschlagen, von der Wegwerfgesellschaft hin zur Kreislaufwirtschaft", sagte Griestop. "Wir brauchen weniger und bessere Verpackungen."

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