Großbritannien auf halbem Weg zur Dekarbonisierung

Um 51 Prozent sind die Treibhausgasemissionen im Vereinigten Königreich seit 1990 gesunken. Wie vielerorts hat der Rückgang im vergangenen Jahr vor allem mit der Corona-Pandemie zu tun.


London Verkehr
Straße in London: Um den Verkehr ist es noch nicht gut bestellt, aber insgesamt kann Großbritannien Erfolge beim Klimaschutz vorweisen. (Foto: David Castor/​Wikimedia Commons)

Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie haben Deutschland gerade so über die angepeilte Zielmarke für 2020 gehievt: 40 Prozent weniger Treibhausgasemissionen als 1990.

In Großbritannien gab es einen ähnlichen Corona-Effekt – aber das Land ist zehn Prozentpunkte weiter. Um 51 Prozent sind die Emissionen dort in den vergangenen 30 Jahren gesunken, hat das britische Online-Magazin Carbon Brief aus vorläufigen Regierungsdaten ermittelt.

Setzt man 1990 als Basisjahr an, wie es Großbritannien, die EU und viele andere Länder tun, hat das Vereinigte Königreich also die Hälfte auf dem Weg zur Dekarbonisierung geschafft.

Der Analyse nach ist der Erfolg zu einem großen Teil auf den Kohleausstieg zurückzuführen, der 2025 abgeschlossen sein soll. Eine genauso große Rolle hat aber auch die Umstellung von Industrieprozessen und Abfallwirtschaft gespielt. Die beiden Faktoren erklären jeweils 40 Prozent des Emissionsrückgangs.

Weniger voran ging es bei den Gebäuden, also vor allem beim Heizen und Kühlen – und beim Verkehr fast überhaupt nicht. Die Mobilität hat mit einem Viertel mittlerweile den größten Anteil an den britischen Emissionen.

Vorbild für Deutschland

Dass die Emissionen 2020 noch einmal besonders stark zurückgegangen sind, liegt vor allem an der Corona-Pandemie und dem vorübergehenden Stillstand in vielen Wirtschaftsbereichen.

Pro Kopf gerechnet liegt Großbritannien damit beim CO2-Ausstoß nur noch etwas über dem globalen Durchschnitt. Eine Britin kam im vergangenen Jahr der Analyse nach auf 4,6 Tonnen Kohlendioxid (andere Treibhausgase wurden hier nicht berücksichtigt). Das liegt immer noch dreimal höher als bei einem Inder, aber nur 0,4 Prozentpunkte über dem weltweiten Schnitt. Eine Deutsche kommt demnach auf 7,3 Tonnen.

Auch für das kommende Jahrzehnt hat sich Großbritannien einiges vorgenommen. Bis 2030 will das Land seine Emissionen gegenüber 1990 um 68 Prozent senken. Zum Vergleich: Die EU streitet derzeit darüber, ob für 2030 ein Reduktionsziel von 55 oder 60 Prozent festgeschrieben werden soll.

Die EU-Staaten haben aber auch vereinbart, dass sie je nach Wirtschaftskraft unterschiedlich stark zum Gesamtziel beitragen. Für wirtschaftsstarke Länder wie Deutschland dürfte das heißen, dass sie sich beim Klimaziel ebenfalls in britische Sphären begeben müssen.

Schon das bisherige EU-Ziel, die Emissionen bis 2030 im Schnitt um 40 Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren, bedeutet für Deutschland eine Minderung um 55 Prozent in demselben Zeitraum.

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