CO₂-Emissionen steuern auf Rekord zu

Drei Jahre lang waren die globalen CO2-Emissionen nahezu stabil. Doch inzwischen steigt der Ausstoß wieder und erreicht nun ein historisches Hoch, zeigen neue Zahlen der Internationalen Energieagentur. IEA-Chef Birol fordert ein schnelles Aus für Kohlekraftwerke.


Qualmende Schornsteine im Horizont
"Meine Zahlen lassen mich verzweifeln": Die energiebedingten Emissionen steigen wieder. (Foto: Rainer Berns/​Pixabay)

Das Pariser Klimaabkommen ist seit knapp zwei Jahren in Kraft und seither geht der Ausstoß an Klimagasen wieder nach oben. Im Jahr 2017 stiegen die energiebedingten CO2-Emissionen um 1,4 Prozent und für dieses Jahr wird eine weitere Zunahme erwartet.

Die Steigerung folgt auf drei Jahre mit nahezu stabilen Emissionen, die hoffen ließen, die Welt habe den Höhepunkt der Emissionen erreicht. Doch von dieser Hoffnung ist nichts mehr übrig.

Der Chef der Internationalen Energieagentur IEA, Fatih Birol, sagte letzte Woche: "Wenn man sich die Zahlen für die ersten neun Monate dieses Jahres anschaut, steigen die Emissionen 2018 wieder und werden ein historisches Rekordhoch erreichen." Birol fügte hinzu: "Meine Zahlen lassen mich verzweifeln."

Das Paris-Abkommen hat zum Ziel, die Erderwärmung auf "deutlich unter zwei Grad" und möglichst sogar auf 1,5 Grad zu begrenzen. Doch Birols Zahlen zeigen, wie schwer das wird: "Die Chancen, derart ehrgeizige Ziele zu erreichen, werden schwächer und schwächer, jedes Jahr, jeden Monat."

Was getan werden muss, weiß Birol auch. "Energieeffizienz und Erneuerbare reichen nicht, um den Anstieg umzudrehen. Wenn es keine frühzeitige Abschaltung von Kohlekraftwerken gibt, dann sind mehr als zwei Drittel der Emissionen des Jahres 2040 bereits heute festgeschrieben", sagte Birol der britischen Zeitung The Guardian.

Zeit zum Handeln läuft ab

Mit Blick auf den Sonderbericht des Weltklimarats IPCC zum 1,5-Grad-Ziel verwies Birol zudem auf die "entscheidende" Bedeutung von sogenannten negativen Emissionen. Laut IPCC-Bericht muss die Menschheit nicht nur die Wirtschaft dekarbonisieren, sondern auch der Atmosphäre CO2 entziehen, um die Erderwärmung bei 1,5 Grad zu stoppen.

Dies soll etwa durch "BECCS" erreicht werden – die Verbrennung von Pflanzenbiomasse (Bioenergie) mit anschließender CO2-Abscheidung und -Speicherung (CCS) in geeigneten Gesteinsformationen. Die Bedeutung dieser Technologie wird nach Ansicht von Birol noch unterschätzt.

Balkendiagramm, das den Anstieg der energiebedingten CO₂-Emissionen seit 2000 zeigt.
Die energiebedingten CO2-Emissionen steigen auch 2018 wieder an. (Grafik: IEA)

Vom morgigen Mittwoch an haben die Umweltminister der Welt Gelegenheit, diese Fragen zu diskutieren. Sie treffen sich im polnischen Krakau, um die diesjährige Klimakonferenz in Katowice vorzubereiten. Dort soll die "Bedienungsanleitung" für das Paris-Abkommen verabschiedet werden, die mit darüber entscheidet, wie wirkungsvoll das Abkommen sein wird.

Ob das gelingt, ist allerdings noch nicht sicher. Die Leiter der verschiedenen Verhandlungsstränge warnen die Länder: "Der Verhandlungsstand einiger Texte ist noch nicht gut genug."

Außerdem sei "die Zeit nicht auf unserer Seite". Letzteres trifft nicht nur auf die Verhandlungen zu, sondern auch fürs Klima, wie Birols Zahlen zeigen.

Je länger die Emissionen steigen, desto schneller müssen sie anschließend sinken, wenn die Paris-Ziele nicht verfehlt werden sollen.

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