Mit Strom ackern

Solarmodule lassen sich so auf Feldern aufstellen, dass darunter gut Ackerbau betrieben werden kann. Das hat jetzt ein zweijähriges Forschungsprojekt am Bodensee gezeigt. Bauern könnten also künftig mit eigenem Ökostrom über die Äcker "dieseln".


Doppelte Nutzung: Solarstrom und Ackerbau auf einem Feld, dabei sind lange Solarpaneele auf hohen Gerüsten angebracht.
Testfeld für Agrophotovoltaik im badischen Heggelbach: Die Solarstromanlage befindet sich etwa fünf Meter über dem Acker. (Foto: BayWa r.e./​Fraunhofer ISE)

Energie vom Acker. Da denken viele an Agrosprit aus Getreide oder Raps, dem Benzin oder Diesel beigemischt wird, und an Biogasanlagen, die aus Mais Strom produzieren und ihn ins Netz einspeisen. Beides galt bis vor ein paar Jahren als gute Klimaschutz-Maßnahme.

Doch inzwischen hat sich der Wind gedreht, vor allem, seitdem die "Tank oder Teller"-Debatte aufkam. Motto: Ist es sinnvoll, Agrarenergie "anzubauen", wo eigentlich Nahrungsmittel wachsen könnten? Die Debatte ist kompliziert, doch nun gibt es einen Ausweg: Agro-PV.

Agro-PV steht für: Photovoltaik auf dem Acker. Das heißt: Solarmodule werden auf Feldern aufgestellt, allerdings so hoch aufgeständert und mit einem so weiten Abstand zueinander, dass darunter weiterhin Ackerbau betrieben werden kann.

Ob und wie das funktioniert, ist in einem zweijährigen Forschungsprojekt in Heggelbach am Bodensee ausprobiert worden – jetzt fand in Berlin dazu die Abschlusskonferenz statt. Und die Ergebnisse waren vielversprechend.

Die Erträge auf dem PV-Acker lagen zwar wegen der teilweisen Verschattung im Schnitt etwas niedriger als auf den benachbarten Feldern. Die Hoffnung der Landwirte, 80 Prozent der Ernte zu halten, wurden aber erfüllt. Im Hitze- und Trockensommer 2018 gab es sogar ein Plus, denn unter den Modulen trocknete der Boden weniger schnell aus. Agrarernte und Solarernte zusammengerechnet, lag die "Landnutzungseffizienz" bei stolzen 186 Prozent.

Joachim Wille ist Chefredakteur des Onlinemagazins Klimareporter°.

Bedenkt man, dass die Stromversorgung möglichst schnell auf 100 Prozent Erneuerbare umgestellt werden muss und künftig auch zusätzlicher Ökostrom für Verkehr und Heizung gebraucht wird, braucht es einen starken Zubau der Photovoltaik – vor allem auf Dächern in den Städten, wo die Verbrauchsschwerpunkte sind, aber eben auch mit solchen innovativen Lösungen auf dem Land. Bauern könnten so künftig mit eigenem Ökostrom über die Äcker "dieseln" – die Landmaschinenhersteller Fendt und John Deere haben inzwischen schon batteriebetriebene Traktoren im Angebot.

Ob die Agro-PV-Anlagen schön sind oder nicht, darüber lässt sich streiten. Ihre Akzeptanz bei der Bevölkerung ist jedenfalls sehr gut, wie das Forschungsprojekt ebenfalls zeigte, auf jeden Fall höher als bei Windrädern, herkömmlichen Freiflächenanlagen oder Biogasanlagen. Die Politik sollte die breite Einführung des Stroms vom Acker fördern.

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