Satt hoch zwei

Setzen sich die Trends weiter fort, könnte in dreißig Jahren fast die Hälfte der Weltbevölkerung übergewichtig sein. Gleichzeitig würden immer noch 500 Millionen an Untergewicht leiden. Auch die Umweltfolgen des Agrarsystems wären nicht mehr beherrschbar, ergibt eine Studie.


Dicker Mann sitzt am Rand einer wenig schönen Zufahrtsstraße, Aufnahme von hinten.
Viele haben noch immer zu wenig, immer mehr haben zu viel. (Foto: Martin Vorel/Libreshot)

Ein Doppel-Burger mit Pommes und Ketchup, dazu eine Cola, danach Eiscreme. Oder eine Handvoll Reis mit Bohnen und ein Glas Wasser.

Hauptmahlzeiten, wie sie auf der Welt üblich sind. Die einen essen zu viel, die anderen haben zu wenig, um satt zu werden.

Im Jahr 2000 machte das renommierte Worldwatch Institute in Washington auf den Skandal aufmerksam. Damals litten auf der Welt in etwa genauso viele Menschen unter Hunger wie unter Übergewicht – nämlich jeweils rund eine Milliarde.

Inzwischen hat sich die Kluft weiter vergrößert. Die Zahl der Hungernden ist nur wenig gesunken, gleichzeitig hat die Zahl derer, die zu viel (und das Falsche) essen, stark zugenommen. Schätzungen besagen, dass heute zwei Milliarden Menschen übergewichtig sind, von denen 650 Millionen sogar als fettleibig gelten.

Der Grund: Die globalen Ernährungsgewohnheiten verändern sich rasant, besonders in den Entwicklungs- und Schwellenländern, in denen, wer es sich leisten kann, den reichen Norden kopiert. Der Trend geht von eher knappen, auf Stärke basierenden Mahlzeiten hin zu tierischen Produkten und verarbeiteten Lebensmitteln.

Auf Crashkurs

Und es droht noch schlimmer zu werden. Experten des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung warnten jetzt aufgrund einer Studie: Setzen sich die Trends weiter fort, können 2050 über vier Milliarden Menschen übergewichtig sein – fast die Hälfte der dann erwarteten Weltbevölkerung –, davon 1,5 Milliarden fettleibig. Gleichzeitig würden immer noch 500 Millionen an Untergewicht leiden.

Das hieße: Nicht nur Ziel der UN würde verfehlt, den Hunger weltweit zu besiegen, und die Gesundheitsrisiken durch Übergewicht und Fettleibigkeit stiegen rasant. Auch die Umweltfolgen des Agrarsystems wären nicht mehr beherrschbar – durch die stark steigende Nachfrage nach Lebensmitteln, den wachsenden Konsum von tierischem Eiweiß und die laut der Studie ebenfalls zunehmende Verschwendung von Nahrungsmitteln.

Joachim Wille ist Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.

"Ob Treibhausgase, Stickstoffverschmutzung oder Entwaldung – wir gehen an die Belastungsgrenzen unseres Planeten und darüber hinaus", so Hauptautor Benjamin Bodirsky.

Was zu tun wäre, ist bekannt. Die globalen Ernährungstrends umkehren, die Verschwendung bekämpfen, das Wissen über gesunde Ernährung vermehren. Es muss nur noch getan werden.

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