Monsun verursacht heftige Regenfälle

Verheerende Regenfälle in der indonesischen Hauptstadtregion kosten mehrere Menschen das Leben. Hunderttausende müssen wegen Überflutungen und Erdrutschen ihr Zuhause verlassen. Für Meteorologen sind die heftigen Monsun-Schauer ein Indiz für den Klimawandel. Viele Indonesier glauben aber nicht an den menschengemachten Klimawandel.


Auch schon 2007 überfluteten massive Regenfälle Indonesiens Hauptstadt Jakarta. (Foto: Gajah Mada/Wikimedia Commons)

Auch die kommenden Tage können noch heftige Regenschauer für Indonesiens Hauptstadt Jakarta bringen. Das Risiko extremer Niederschläge bleibt in der Region bis Mitte Februar hoch, warnt die indonesische Agentur für Meteorologie, Klimatologie und Geophysik.

Am Silvesterabend hatten massive Regenfälle eingesetzt, in kürzester Zeit kam es zu Überschwemmungen, teils stiegen die Fluten auf mehrere Meter an. Es seien die heftigsten Regenfälle an einem einzelnen Tag seit Beginn der Messungen im Jahr 1866, so die Meteorologie-Agentur. "Die Auswirkungen eines Temperaturanstiegs um ein Grad können verheerend sein", sagte Dwikorita Karnawati, die die Agentur leitet. "Dazu gehören diese Überschwemmungen."

Mehr als 60 Menschen starben infolge der Überflutungen, 175.000 mussten ihre Wohnungen und Häuser verlassen. "Der Regen am Silvesterabend im Westen und Norden von Java war sehr extrem und löste Überschwemmungen aus", teilte die Meteorologieagentur mit. Dieser Regen sei kein gewöhnlicher.

Dass die Warnungen der Behörden auf offene Ohren stoßen, ist unwahrscheinlich. In Indonesien gibt es viele Klimaskeptiker. Einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Yougov zufolge glaubt hier beinahe ein Fünftel, dass es keinen Zusammenhang zwischen Klimaveränderungen und menschlichem Verhalten gibt.

Eingriffe ins Wettergeschehen sollen nun das Schlimmste verhindern. Flugzeuge versprühen mehrere Tausend Tonnen Salz in der Luft. Daran soll der Wasserdampf kondensieren, sodass die Wolken vorzeitig über dem Meer abregnen.

Nicht nur Opfer, auch Verursacher

Der Treibhausgasausstoß des Inselstaats selbst ist massiv. Indonesien gilt als viertgrößter Verursacher von Treibhausgasen weltweit. Vor allem die Abholzung von Regenwäldern und das Trockenlegen kohlenstoffreicher Torfgebiete setzen CO2 im großen Stil frei.

Auf den abgeholzten Flächen wird vor allem Palmöl angebaut. Inzwischen ist Indonesien zum größten Exporteur weltweit für das umstrittene Speiseöl avanciert.

Ein weiteres klimaschädliches Exportgut aus Indonesien ist Kohle. 439 Millionen Tonnen und damit mehr als der bisherige Spitzenreiter Australien hat Indonesien Schätzungen zufolge 2018 exportiert. Aus Sicht des indonesischen Energieministers Arifin Tasrif steht sein Land wie jedes Entwicklungsland in einem Konflikt zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und Umweltschutz. Tasrif will die Ressourcen nutzen. Auch in Indonesien selbst soll mehr Kohle zur Energiegewinnung verfeuert werden.

Das Klimaziel des Inselstaats ist denn auch nicht sonderlich ehrgeizig: Bis 2030 will Indonesien seine Emissionen um 29 bis 41 Prozent senken – je nachdem, ob die internationale Gemeinschaft Geld für Klimaschutz bereitstellen will. Die internationale Wissenschaftsinitiative Climate Action Tracker bewertet das offizielle Klimaziel als "äußerst unzureichend".

Ungewöhnlich sind Regenfälle in dieser Jahreszeit in Indonesien nicht. Immer wieder kommt es während des Monsuns zu Hochwasser und Erdrutschen. Auch im Januar vergangenen Jahres starben mehrere Menschen wegen der Überflutungen.

Die regelmäßig auftretenden Überschwemmungen sind der Grund dafür, dass Indonesiens Präsident Joko Widodo die Hauptstadt auf die Insel Borneo verlegen will. Weil in Jakarta aber zugleich Grundwasser im großen Stil abgepumpt wird, versinkt die Millionen-Metropole zusehends. Allerdings warnt die Meteorologieagentur, dass ähnliche Probleme am neuen Standort zu erwarten seien.

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