Autonomes Fahren bringt mehr Verkehr

Die als Lösung für Staus und zugeparkte Innenstädte gelobten selbstfahrenden Autos werden voraussichtlich nicht die versprochen Entlastungen bringen, legt eine Studie aus den USA nahe. In Berlin denkt die Politik jetzt über die eine City-Maut nach, um die Verkehrsprobleme in den Griff zu bekommen. 


Autonomes Fahren
Autonomes Auto: Dass sich grundlegende Dinge ändern lassen, aber alles andere bleibt, wie es ist – dieser Irrglaube hält sich hartnäckig. (Foto: BP63 Vincent/​Wikimedia Commons)

Autonomes Autofahren dürfte aller Voraussicht nach nicht zu der erwarteten Verkehrsentlastung führen. In einer jetzt veröffentlichten Studie führen Forscher der School for Environment and Sustainability (SEAS) der Universität Michigan dafür vor allem zwei Gründe an.

Zum einen brächten selbstfahrende Fahrzeuge zwar mehr Sicherheit, Zeit- und Energieeffizienz, zugleich würden sich aber auch die Kosten für die Fahrten reduzieren. Das schaffe Anreize für zusätzliche Fahrten und bewirke den bekannten "Rebound-Effekt", so die Studie.

Zum Zweiten spiele die Möglichkeit eine Rolle, die Zeit im autonomen Fahrzeug anderweitig produktiv zu nutzen. Die Insassen könnten dann arbeiten, schlafen, einen Film schauen, ein Buch lesen. Auch das werde wahrscheinlich noch mehr Reisen verursachen, so die Forscher.

Zusammengenommen könnten die aus diesen beiden Gründen zusätzlich zurückgelegten Kilometer die von autonomen Fahrzeugen zu erzielenden Energieeinsparungen teilweise oder vollständig ausgleichen, fasst das Forscherteam zusammen.

Als Ausweg aus dem Dilemma schlagen die Wissenschaftler vor, bei autonomen Autos wesentlich höhere Standards für die Energieeffizienz anzulegen. Die Nutzung selbstfahrender Autos stelle in jedem Fall eine große Herausforderung für die politischen Ziele zur Reduzierung des Energieverbrauchs dar, sagte Mitautor Samuel Stolper von der SEAS.

Berliner Verkehrssenatorin will Autofahren verteuern

Weil technische Lösungen offenbar nicht halten können, was sie versprechen, gehen autogeplagte Metropolen zunehmend dazu über, für die Fahrt in die Innenstadt spezielle Gebühren zu verlangen. Der jüngste Vorschlag dazu kommt aus Berlin. Angesichts der wachsenden Zahl von Kraftfahrzeugen will Verkehrssenatorin Regine Günther über eine City-Maut diskutieren, wie sie heute gegenüber der Berliner Zeitung ankündigte.

Trotz aller Bemühungen, den Menschen umweltfreundliche Verkehrsmittel nahezubringen, steigt in der Hauptstadt die Zahl der Kraftfahrzeuge weiter an – mittlerweile sind dort laut dem Blatt mehr als 1,2 Millionen Pkw zugelassen. Angesichts der knappen Ressource Fläche müsse es in der Stadt deutlich teurer werden, mit Autos den öffentlichen Raum zu nutzen, sagte Günther.

Berlin würde mit einer City-Maut anderen großen Städten folgen. In London gibt es schon seit 2003 eine solche Straßenbenutzungsgebühr. Auch in Städten wie Oslo, Stockholm, Göteborg, Bologna, Mailand, Palermo oder Singapur kostet die Autofahrt in die Innenstadt extra. In New York ist die Einführung einer City-Maut für Ende 2021 vorgesehen.

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