Das Auto-Auto braucht klare Leitplanken

Das automatisiert fahrende Auto gilt als mobile Zukunftshoffnung. Die smarten Robo-Autos könnten aber auch die Städte noch mehr verstopfen und den öffentlichen Verkehr kannibalisieren. Davor warnt eine Analyse des Thinktanks Agora Verkehrswende.


Zukunft der Mobilität 2035
In der künftig autofreien Stadt ist der Bedarf an automatisierten Fahrzeugen begrenzt. (Foto: Greenpeace/​Wuppertal Institut)

Durchaus drastisch malt Christian Hochfeld die Folgen einer ungezügelten Ausbreitung automatisierter Autos aus. Es bestehe das Risiko, eine "neue Ära der Massenmotorisierung" einzuleiten, wenn die politische Steuerung ausbleibe, fasst der Chef des Thinktanks Agora Verkehrswende die Analyse zusammen, die das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) jetzt im Auftrag seines Hauses vorgelegt hat.

Die Gründe dafür zählt die Analyse ebenfalls auf: Robo-Autos erschließen ganz neue Kundengruppen. Zudem kann die Fahrzeit zum Arbeiten oder zum Entspannen genutzt werden, was längeres Pendeln attraktiver macht. Leere Fahrzeuge können allein herumfahren und zusätzlichen Verkehr erzeugen, statt wenigstens auf einem kostenpflichtigen Parkplatz zu stehen.

Beklagt wird in dem Papier, dass der Einfluss der Fahrzeugautomatisierung auf die Verkehrswende und damit auf Klima und Umwelt bisher eine untergeordnete Aufgabe geblieben sei – dabei verbinden sich gerade mit den Robo-Autos auch ökologisch einige Hoffnungen.

Auf jeden Fall geht es beim Auto – ob automatisiert oder nicht, ob mit Verbrennungsmotor oder mit elektrischem Antrieb unterwegs – in Zukunft nicht ohne klare Leitplanken. Im Moment sei das Auto als Garant der individuellen Mobilität noch an vielen Stellen Teil des Problems, sagt Christian Hochfeld gegenüber Klimareporter°.

Es stehe die meiste Zeit und blockiere in Städten wertvolle Flächen. Es sei enorm schwer im Vergleich zu dem Gewicht, das es transportiert. Es fahre meist mit fossilen Kraftstoffen und verursache hohe Treibhausgas- und Schadstoffemissionen.

Entscheidend ist die Auslastung

Allerdings, gibt Hochfeld zu bedenken, gebe es auch kein anderes Verkehrsmittel, das die Verkehrsprobleme allein lösen könne. "In Zukunft geht es darum, auch mithilfe der Automatisierung, das Auto zum Teil der Lösung zu machen – in einem System, das vor allem auf den öffentlichen Verkehr setzt", betont er.

Teil einer Lösung kann das Robo-Auto – das zeigt auch die Analyse der Denkfabrik – vor allem durch ein möglichst gemeinschaftliches Nutzen des aufwendigen Fahrzeugs werden. Derzeit sind private Autos hierzulande im Schnitt mit 1,4 bis 1,5 Personen unterwegs.

Wie stark diese Auslastung bei Robo-Autos steigen müsste, damit sich insgesamt eine spürbare Umweltentlastung einstellt, lasse sich schwer in Zahlen festlegen, weicht Hochfeld aus. "Alles, was die Auslastung über den heutigen Durchschnitt hebt, wäre schon einmal ein Fortschritt."

Dabei weist der Verkehrsexperte darauf hin, dass automatisierte Fahrzeuge zusätzliche Funktionen bieten, die aber auch zusätzliche Energie verbrauchen. "Umso wichtiger ist es, diesen Mehrverbrauch zu kompensieren, etwa durch einen besseren Verkehrsfluss, gemeinschaftliche Nutzung und möglichst energieeffiziente und emissionsneutrale Technologien." Dafür brauche es rechtliche Vorgaben und finanzielle Anreize.

Der Thinktank-Chef hält hier entsprechende Preisinstrumente für entscheidend. Zum einen eine Art "smarte Pkw-Maut", also einen Preis für die Nutzung von Straßen, abhängig von der zurückgelegten Strecke und der Auslastung des Fahrzeugs. Eine pauschale Vignette, wie sie das Bundesverkehrsministerium gerade wieder ins Gespräch gebracht hat, hält er für nicht ausreichend.

Chance für ländliche Räume

Zum anderen muss aus Sicht von Hochfeld die Nutzung des öffentlichen Raums einen Preis bekommen, also eine echte Parkraumbewirtschaftung stattfinden. "Das würde Anreize schaffen, dass automatisierte Fahrzeuge möglichst gut ausgelastet sind und wenig herumstehen."

Darüber hinaus könne er sich vorstellen, dass Zubringerleistungen automatisierter Fahrzeuge für den öffentlichen Verkehr tariflich gefördert werden.

Möglicherweise liegt die Zukunft der Auto-Autos aber gar nicht so sehr im städtischen Bereich, zumindest nicht in den Innenstädten, die mehr und mehr autofrei werden sollen, sondern eher in ländlichen Räumen, wo der öffentliche Verkehr regelmäßig vor dem Aus steht.

Auch für Hochfeld verspricht die Nutzung automatisierter Fahrzeuge vor allem für den ländlichen Raum und die Verbindung von Stadt und Land einen Mehrwert. "Auf solche Anwendungsfälle sollte bei der Entwicklung von automatisierten Fahrdiensten ein Schwerpunkt gesetzt werden."

Die Herausforderung werde dabei sein, Geschäftsmodelle zu finden, die sich auch rechnen.

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