Die Möglichmacher

Die weltweite Kohle-Renaissance wird nicht nur von denen getragen, die Kraftwerke bauen, Kohle zu Tage fördern und verbrennen. Hinter ihnen stehen Banken und Versicherungen, ohne die das Geschäftsmodell nicht aufgehen würde.


Dampfendes Kohlekraftwerk Niederaußem in Bergheim bei Köln.
Unternehmen, die jetzt noch neue Kohlekraftwerke finanzieren und versichern, handeln unseriös. Ihren Kunden ist oft nicht klar, dass sie sich künftige Investitionsruinen anschaffen. (Foto: Harald Hillemanns/​Wikimedia Commons)

Der Kohleindustrie geht das Geld nicht aus: Seit Anfang 2016 haben weltweit 235 Geschäftsbanken den 120 führenden Entwicklern von Kohlekraftwerken Direktkredite über mehr als 101 Milliarden US-Dollar vergeben. Das ergab eine Studie von Urgewald und Banktrack, die von den beiden zivilgesellschaftlichen Organisationen auf dem Weltklimagipfel in Katowice vorgestellt wurde.

Die größten Kreditgeber sind demnach die japanischen Banken Mizuho Financial und Mitsubishi UFJ Financial mit 12,8 Milliarden und 9,9 Milliarden US-Dollar. Auch insgesamt stellen japanische Banken das meiste Geld für neue Kohlekraftwerke bereit: Von ihnen stammen 30 Prozent der fraglichen Kredite.

Deutsche Kreditinstitute tauchen ebenfalls in der Liste der weltweit größten Kohlekraftwerks-Finanziers auf: die Deutsche Bank auf Platz 17, die Bayern LB auf Platz 20, die Commerzbank auf Platz 26 und die Landesbank Hessen-Thüringen auf Platz 30.

Einmal gebaut, lange genutzt

Das Paris-Abkommen hat, so sehr es auch als diplomatischer Erfolg gefeiert wird, bislang nicht dazu geführt, dass die klimaschädliche Kohleverbrennung im globalen Maßstab an Bedeutung verliert. "In den drei Jahren seit Unterzeichnung des Pariser Klimaabkommens ist die weltweite Kohlekapazität um über 92.000 Megawatt gewachsen", sagt Urgewald-Chefin Heffa Schücking. "Und Kohlekraftwerke mit über 670.000 Megawatt sind noch in der Planung."

Die jetzt von Urgewald und Banktrack untersuchten Kohlekraftwerksentwickler haben in 59 Ländern 1.400 neue Anlagen auf den Reißbrettern. Werden die klimaschädlichen Kraftwerke wirklich alle gebaut und in Betrieb genommen, entspricht das 33 Prozent mehr Kohlestrom.

Besonders Afrika ist ein begehrter neuer Markt für Kohlekraftwerke, die dort oft im Namen der Elektrifizierung gebaut werden. Ein Kohlekraftwerk muss allerdings etwa 40 Jahre laufen, um sich nach den hohen Investitionskosten überhaupt zu rechnen.

Ein Land bindet sich also lange an die Technologie, wenn sie erstmal eingeführt ist. Oder programmiert sich schmerzhafte Ausstiegsprozesse vor, wie sie nach dem Paris-Abkommen vorgesehen und notwendig sind. Bis zur Hälfte des Jahrhunderts muss die Welt nämlich klimaneutral sein, das hat der Weltklimarat IPCC kürzlich in seinem Sonderbericht zum 1,5-Grad-Ziel dargelegt. Eine solche Perspektive verträgt sich nicht mit einer jahrzehntelangen Betriebsdauer von Kohlekraftwerken.

Die Studienautoren appellieren nun an die Banken. "Wenn Banken und Investoren ihre Finanzflüsse für die Entwickler von Kohlekraftwerken nicht rasch einstellen, wird es unmöglich sein, die Klimakrise in den Griff zu bekommen", sagt Greig Aitken von Banktrack.

Der Gedankengang ist einfach: Ohne Geld keine neuen Kohlekraftwerke. Die australischen Umweltschützer vom Sunrise Project gehen ähnlich vor. Sie sagen: Ohne Versicherung erst recht keine neuen Kohlekraftwerke.

Versicherer werden kohleskeptisch

Sunrise Project hat gerade einen Report vorgelegt, in dem sie 24 große Versicherer nach ihren Maßnahmen gegen Kohle und Klimawandel bewertet. Demnach ziehen sich Versicherer zunehmend von Kohleprojekten zurück. Bislang haben sieben der größten europäischen Versicherer ihre Leistungen für solche Vorhaben eingeschränkt.

Die Rolle der Versicherungskonzerne geht aber über das Anbieten von Versicherungen hinaus. Sunrise Project hat sich deshalb auch angeschaut, wie die Konzerne mit ihrem eigenen Geld umgehen. Mehrere von ihnen wollen nicht mehr in Kohleunternehmen investieren und enthalten ihnen somit mehr als 6.000 Milliarden US-Dollar vor.

Diesen klimaentlastenden Trend befeuern jedoch vor allem europäische Unternehmen. Anders beispielsweise die neun bewerteten US-Versicherer: Konzerne wie AIG, Chubb, Liberty Mutual und Berkshire Hathaway verdienen weiterhin – direkt und indirekt – Geld mit der Kohle.

Doch auch das, was sich die europäischen Unternehmen vorgenommen haben, ist nach Ansicht von Sunrise Project noch ausbaufähig: Sie operierten mit einer zu engen Definition von Kohleunternehmen, unter die nicht jeder fällt, der mit Kohle Geld verdient.

Außerdem fallen die Vermögenswerte, die Versicherer im Auftrag Dritter verwalten, nicht unter die Divestment-Strategien. Es geht dabei nicht um Kleckerbeträge. Bei der deutschen Allianz etwa handelt es sich um mehr als 1.000 Milliarden US-Dollar.

Unterstützen Sie
unabhängigen Journalismus!

Klimareporter wird herausgegeben vom Klimawissen e.V. Ihre Spende macht unabhängigen Journalismus zu Energiewende und Klimawandel möglich. 

Spenden Sie hier