Eine Erdölpumpe vor untergehender Sonne im intensiven Abendrot.
Öl als Energieträger hat keine Zukunft mehr. (Bild: Zbyněk Buříval/​Unsplash)

US-Energiekonzerne haben letztes Jahr massiv investiert: Exxon hat Pioneer für knapp 65 Milliarden US-Dollar übernommen und Chevron hat Hess für 60 Milliarden Dollar gekauft. Etwas bescheidener war Occidental und hat sich Crownrock für zwölf Milliarden geschnappt.

Trotz Klimakrise scheinen zumindest die US-Konzerne auf Wachstum zu setzen. Allen drei Deals ist gemein, dass es sich um Investitionen in Fracking-Öl aus den USA handelt. Die USA sind dank dieser Technologie mittlerweile der größte Ölproduzent der Welt, noch vor Russland und Saudi-Arabien.

Gleichzeitig hat der größte Ölkonzern der Welt, Saudi Aramco, seine geplante Expansion abgeblasen. Der Konzern hatte geplant, seine Förderkapazität auf 13 Millionen Barrel zu erhöhen, bleibt aber nun bei seiner bestehenden Kapazität von zwölf Millionen.

Warum haben die Konzerne so unterschiedliche Strategien? Allen ist das Marktumfeld bekannt: Die Klimakrise macht einen schnellen Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas erforderlich und dieser zeichnet sich nun zumindest in Ansätzen ab.

So hat der Verkauf von Autos mit Verbrennungsmotoren bereits im Jahr 2017 seinen Höhepunkt erreicht. Damals wurden noch 86 Millionen Verbrenner verkauft, heute sind es noch 70 Millionen. Wachstum gibt es nur bei Elektroautos.

Für die Ölnachfrage ist das zentral, denn der Straßenverkehr ist für die Hälfte des Ölverbrauchs verantwortlich. Der Rest verteilt sich auf die petrochemische und sonstige Industrie, Ölheizungen und die Luft- und Schifffahrt. Einige dieser Bereiche werden in Zukunft mehr Öl nachfragen, aber ob das den Rückgang beim Straßenverkehr ausgleichen kann, ist zumindest fraglich.

Der Chef der Internationalen Energieagentur IEA, Fatih Birol, warnt daher vor weiteren Investitionen in die Ölförderung: "So weiterzumachen wie bisher ist weder sozial noch ökologisch verantwortlich", sagte Birol letztes Jahr.

Billiges, flexibles Fracking statt teurer Ölfelder

Ein IEA-Bericht hält auch klar fest: "Die 800 Milliarden Dollar, die derzeit jährlich in den Öl- und Gassektor investiert werden, sind doppelt so viel wie das, was im Jahr 2030 bei einer Begrenzung der Erwärmung auf 1,5 Grad erforderlich wäre." Statt 2,5 Milliarden Dollar sollten die Konzerne besser 400 Milliarden in Erneuerbare investieren, wenn die Ziele des Paris-Abkommens erreicht werden sollen.

Wetten die Konzerne also, dass die Ziele verfehlt werden? Nicht unbedingt, denn es scheint auch den US-Konzernen klar zu sein, dass ihnen eine Achterbahnfahrt beim Ölpreis bevorsteht.

Darauf deutet die Fokussierung auf Fracking hin. Fracking erfordert relativ wenig Kapital im Vergleich zu einem großen Ölfeld und kann flexibel hoch- und runtergefahren werden, je nachdem, wo der Ölpreis gerade steht.

"Nach drei großen Ölpreiseinbrüchen innerhalb von 15 Jahren wird allgemein akzeptiert, dass es wahrscheinlich zu einem weiteren kommen wird", sagte Alex Beeker von der Energieberatungsfirma Wood Mackenzie.

Aus diesem Grund versuchen die Konzerne, die Produktionskosten auf 25 bis 30 Dollar pro Barrel zu drücken. Das ist etwa halb so viel wie noch vor zehn Jahren. Daher investieren sie in Fracking und stoßen gleichzeitig ältere und teurere Ölfelder ab.

Außerdem geben sie sehr viel Geld an ihre Aktionäre als Dividenden oder Aktienrückkäufe zurück. So haben sie letztes Jahr wieder über 100 Milliarden Dollar ausgeschüttet, obwohl ihr Gewinn sich im Vergleich zum Jahr 2022 fast halbiert hat.

 

Dass die großen Öl- und Gaskonzerne mittlerweile unter Schwindsucht leiden, zeigt sich auch an ihrer Bewertung. Während sie vor zehn Jahren noch 14 Prozent der Marktkapitalisierung des S&P-500-Indexes der größten Firmen der Welt ausgemacht haben, ist dieser Anteil nun auf 4,4 Prozent geschrumpft. Die Energiekonzerne haben also aus Sicht der Kapitalmärkte zwei Drittel ihrer Bedeutung in nur zehn Jahren verloren.

Dank der rapide fallenden Kosten von Batterien und Erneuerbaren wird sich dieser Prozess in den nächsten Jahren fortsetzen, und schließlich geht es darum, wer als Letzter noch im Ring steht. Niedrige Kosten und große Flexibilität sind in dieser Phase entscheidend.

Das scheinen auch die US-Konzerne begriffen zu haben und optimieren ihr Portfolio entsprechend. Weiter schrumpfen werden sie trotzdem.