Shell muss Vergangenheit werden

Ob in Nigeria oder in Köln: Die Gewinne sind Shell stets wichtiger als Umwelt, Gesundheit und Recht. Zur Hauptversammlung konnte nur sehr eingeschränkt protestiert werden, doch Gruppen wie "Ende Gelände" machen klar: Ohne fossile Konzerne wie Shell aufzulösen, gibt es keine gerechte Energiewende.


Protestierende vor Shell-Gebäude mit gelbem Transparent:
"Shell auflösen": Protest bei der Aktionärsversammlung diese Woche in Den Haag. (Foto: Code Rood)

Den Öl- und Gaskonzern Shell kennen die meisten von den Tankstellen mit der Muschel als Symbol. Gelb-Rot, ein schönes Logo, bei dem man fast übersehen kann, was alles dahintersteckt. Doch glücklicherweise gibt es noch Aktivist:innen, die ihre freie Zeit opfern, und kritischen Journalismus.

Es stimmt: Stromerzeugung in einem modernen Erdgaskraftwerk setzt nur etwa ein Drittel so viel CO2 frei wie die Erzeugung mit Braunkohle. Doch das ist immer noch das Zwanzigfache im Vergleich zu Windstrom.

Da fragt sich doch, warum wir jetzt schon wieder den Fehler machen und diese Art der Energiegewinnung ausbauen sollten, wie Shell es möchte, statt endlich langfristig zu denken. Die Klimakrise ist bereits grausame Realität für Menschen in den Ländern des globalen Südens und muss endlich radikal bekämpft werden.

Auch sonst schont Shell nicht gerade den Planeten Erde. Über Jahre hinweg zerstörte der Erdölförderer großflächig Ökosysteme in Nigeria. Den Betroffenen wurde es schwer gemacht, dagegen zu klagen. Da ist es auch kein Trost, dass Shell für rechtswidrige Festnahmen, Inhaftierungen und Hinrichtungen durch das nigerianische Militär angeklagt wurde

Doch auch bei uns vor der Tür schert sich Shell nicht viel um Umwelt und Gesundheit. Erst kurz vor der Jahreshauptversammlung kam wieder einmal ein Leck in einer Shell-Pipeline in Köln ans Licht. Dort in der Raffinerie Godorf gibt es seit Jahren schwere Probleme mit den Gasöl-Pipelines, es gab Dutzende Lecks. Grundwasserschäden werden nicht bereinigt, vermutlich, weil es nur schwer möglich ist.

Offensichtlich stellt unsere sogenannte soziale Marktwirtschaft hier wieder einmal den Gewinn vor den Schutz der Menschen. Denn eines, und auch nur das, läuft gut bei Shell: die Gewinne. Börsenblätter empfehlen, die Aktien für eine sichere Dividende zu kaufen.

Shell nutzt die Krise aus, um Kritik kleinzuhalten

Doch einen kleinen Nachteil bringt das Aktiengeschäft mit sich. Einmal im Jahr bekommt der Konzern erhöhte Aufmerksamkeit in den Medien und somit auch in der Gesellschaft: bei der Aktionärsversammlung. Dankenswerterweise nutzen kritische Menschen dies zum Protestieren gegen ein ungerechtes System, das Konzerne wie Shell weiterbestehen lässt.

Eine solche Protestaktion gab es auch am vergangenen Dienstag in Den Haag, wo Shell seinen Hauptsitz hat. Nur leider anders als ursprünglich geplant.

Portrait von Johnny Parks
Foto: privat

Johnny Parks

Der Klimaaktivist lebt in München und ist Presse­sprecher bei "Ende Gelände". Das Anti-Kohle-Bündnis organisiert Massen­aktionen des zivilen Ungehorsams, um "an den Orten der Zerstörung die globale Ungerechtigkeit zu bekämpfen".

Statt allen Aktionär:innen und somit auch kritischen Stimmen zu ermöglichen, ihre Meinung kundzutun, wurde dies nur zwei Kritiker:innen erlaubt. Bewusst nutzte Shell die Coronakrise aus und versuchte auch nicht, für die verkomplizierenden Umstände einen Ausgleich zu finden. Es ist ja auch viel angenehmer, kapitalistischen Unsinn hinter verschlossenen Türen zu planen.

Auch das internationale Protestbündnis Code Rood musste seine Aktionen anpassen. Wegen Corona konnten die geplanten Blockaden nicht stattfinden. Andere Formen des Protests wurden notwendig.

In Den Haag wurde am Ort des Geschehens kreativ und lautstark protestiert. In Prag wurden drei Shell-Tankstellen zeitweise besetzt und in München geschah dasselbe mit einer stillgelegten Tankstelle als symbolische Aktion. Dutzende weitere kleine Aktionen fanden in zahlreichen Ländern statt, alle Aktionen unter Berücksichtigung der Schutzmaßnahmen gegen Covid-19.

Klimaprotest lässt sich nicht aufhalten

Doch Corona hin oder her, wir Aktivist:innen werden nicht verstummen. "Die Klimapolitik wird bei der Versammlung in Den Haag vollkommen untergraben – stattdessen werden Hunderte Milliarden an staatlicher Unterstützung für öl- und gasintensive Sektoren wie Flughäfen und Transportunternehmen angeregt, um den Ölpreis nach oben zu treiben", sagte eine Aktivistin von Ende Gelände München. "Was wir brauchen, ist ein Wandel zu einer dezentralen, demokratischen Energieversorgung und der Aufbau einer Wirtschaftsstruktur, die dem Klima, der Umwelt und Menschenrechten gerecht werden."

Shell muss Vergangenheit werden. Wir werden nicht eher ruhen, bis der Konzern aufgelöst ist und seine Verbrechen juristisch aufgearbeitet wurden. Als Bündnis Ende Gelände werden wir weiterhin solidarisch an der Seite unserer Genoss:innen aus den Niederlanden stehen.

Im vergangenen Jahr brachten weltweite Klimaproteste die Ölpreise bereits zum Fallen und die Covid-19-Pandemie verursachte einen weiteren Absturz der Zahlen. In Den Haag wird deshalb dieser Tage über Steuererleichterungen, öffentliche Investitionen und die Verschiebung von bestimmten Klimaschutzmaßnahmen zugunsten des Shell-Konzerns debattiert. Doch dieses bewusste Befeuern der Klimakrise werden wir nicht zulassen.

Gründe gibt es also genug: Wir fordern die Auflösung des Shell-Konzerns mit allen notwendigen rechtlichen, wirtschaftlichen und politischen Mitteln. Wir fordern eine gerechte Energiewende für die Arbeiter:innen in den fossilen Industrien und die Gewährleistung von Ausgleichszahlungen für betroffene Menschen und Ökosysteme und wir fordern den Aufbau einer dezentralen Energiedemokratie für alle in gesellschaftlichem Besitz.

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