Microsoft will reparabel werden

Der Technologiekonzern reagiert auf Druck der "Recht auf Reparatur"-Bewegung. Bevor es ans Umstellen von Produkten geht, will Microsoft aber erst mal unabhängige Gutachter das Problem untersuchen lassen.


Microsoft-Gebäude in Köln.
Microsoft will klimaneutral werden – ohne von fossilen Geschäften zu lassen. (Foto: Efes Kitap/​Pixabay)

Weltweit fallen pro Jahr über 53 Millionen Tonnen Elektroschrott an, so der "Global E-Waste Monitor". Das entspricht dem Gewicht von 350 großen Kreuzfahrtschiffen. Nur 15 bis 20 Prozent davon werden ordnungsgemäß recycelt, und die Mengen wachsen.

Für weniger E-Schrott kämpft die internationale "Right to Repair"-Bewegung. Sie vermeldet nun einen wichtigen Erfolg: Der Hersteller Microsoft ist offenbar bereit, die Reparaturfreundlichkeit seiner Produkte, wie der Spielekonsole X-Box und der Surface-Laptops, zu verbessern.

Hauptgründe für den Boom beim Elektroschrott mit seinen negativen Umwelt-, Gesundheits- und Klimafolgen sind laut dem Monitor der zunehmende Konsum an Elektronikprodukten, deren Kurzlebigkeit und die Schwierigkeit, die Geräte reparieren zu lassen. Kritiker werfen Herstellern von Smartphones, Laptops und anderen Elektronikprodukten vor, die Kurzlebigkeit quasi schon einzubauen, um den Absatz von Neuprodukten zu sichern.

Im Fall von Microsoft führte der Druck einer Gruppe kritischer Aktionäre in den USA nun dazu, dass der Konzern einlenkte. Diese hatten im Juni bei der Börsenaufsicht einen Aktionärsantrag eingereicht, in dem Microsoft aufgefordert wurde, die "ökologischen und sozialen Vorteile einer leichteren Reparierbarkeit seiner Geräte" zu analysieren und Schlussfolgerungen daraus zu ziehen.

Die Gruppe hatte sich dazu mit der Stiftung "As You Sow" ("Was man sät") zusammengetan, die sich auf die Interessenvertretung von Aktionären spezialisiert hat.

Microsoft hat dem Druck der Aktionäre nun nachgegeben, wie As You Sow mitteilte. Der Konzern will externe Gutachter mit einer Studie beauftragen und in einem halben Jahr über die Erkenntnisse berichten.

Die Branche bewegt sich langsam

Die Aktionärsvertretung zog daraufhin ihren Antrag zurück. Sie bezeichnete die Reaktion des Unternehmens als "ermutigenden Schritt". Was darauf folge, müsse aber weiter beobachtet werden.

Ein Microsoft-Sprecher erklärte gegenüber dem Technikportal The Verge, es gehe um das "Produktdesign" sowie die "Ausweitung von Gerätereparatur-Optionen". Gemeint ist damit die Frage, ob auch freie, nicht herstellerlizenzierte Werkstätten künftig mit Ersatzteilen versorgt werden sollen.

Branchenkenner sehen das Einlenken als Beleg dafür, dass Microsoft seine ablehnende Haltung zum Recht auf Reparatur geändert habe. Der Konzern könne nun ein "Vorreiter" unter den Elektronikherstellern werden. Microsoft soll in der Vergangenheit intensive Lobbyarbeit gegen Gesetzespläne pro Reparierbarkeit in den US-Bundesstaaten Colorado und Washington betrieben haben.

Dass mit öffentlichem Druck hier durchaus etwas erreicht werden kann, zeigt das Beispiel des Smartphone- und Computerherstellers Apple. Der US-Konzern stellt heute anders als früher auch freien Werkstätten Ersatzteile zur Verfügung.

Inzwischen hat das Thema die höchsten politischen Ebenen erreicht. So arbeitet in den USA das Weiße Haus an einer bundesweiten Verordnung, die das Recht auf Reparatur festschreibt. Im vorigen Jahr hat auch die EU entsprechende Regelungen angekündigt. Die Europäische Kommission will hierzu in den nächsten Wochen Vorschläge machen.

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