Elektroschrott wird noch zu oft illegal entsorgt

Zwei Millionen Tonnen Elektrogeräte werden jedes Jahr in Deutschland verkauft. Nur ein Bruchteil der Altgeräte wird ordnungsgemäß wiederverwertet oder recycelt. Ab 2019 muss Deutschland aber mehr Elektroschrott einsammeln und recyceln.


Nahaufnahme einer ausgedienten Platine
Fast zwei Millionen Tonnen Elektrogeräte werden jedes Jahr in Deutschland verkauft. (Foto: Beear/Pixabay)

Nicht einmal jedes zweite Elektrogerät hat eine Chance auf Recycling. Laut einer Studie im Auftrag des Naturschutzbundes Nabu wurden in Deutschland 19 Millionen Tonnen Elektrogeräte im Laufe von zehn Jahren in Verkehr gebracht. Eingesammelt wurden dagegen nur acht Millionen Tonnen Altgeräte. 

"Leider bringen Verbraucher bisher nicht einmal die Hälfte der Geräte zum Recycling", sagte Nabu-Geschäftsführer Leif Miller. Für die Umwelt sei es eine Katastrophe, wenn schadstoffhaltige Geräte im Restmüll oder gar illegal im Ausland auf Mülldeponien landen. 

Seit Juli 2016 müssen größere Einzel- oder Online-Händler eigentlich elektrische oder elektronische Altgeräte zurücknehmen. Doch auch die Deutsche Umwelthilfe (DUH) schätzt, dass nur 40 Prozent der ausgedienten Geräte zurückgenommen und wiederverwertet oder recycelt werden. Viele Händler würden die Rücknahme verweigern, erschweren oder gesetzeswidrig nicht darüber informieren, so die DUH. Nach wie vor seien die Rücknahmesysteme verbraucherunfreundlich und stünden nicht flächendeckend zur Verfügung. 

"Die Frage, was mit ausgedienten Geräten passiert, stellen sich nur wenige Händler", kritisiert auch Nabu-Chef Miller. "Nicht nur große Elektrofachhändler und Baumärkte sollten Elektroaltgeräte kostenfrei und kundenfreundlich zurücknehmen müssen, sondern auch Lebensmittelhändler, die Aktionsware verkaufen."

Viel zu oft werden Elektrogeräte illegal entsorgt

"Knapp 465.000 Tonnen Kühlschränke, Waschmaschinen und Geschirrspüler verschwinden bei illegaler Sammlung oder in nicht zertifizierten Behandlungsanlagen", sagt die Präsidentin des Umweltbundesamtes Maria Krautzberger. Das sei reine Ressourcenvergeudung und schade massiv der Umwelt, wenn gefährliche Stoffe falsch oder gar nicht entsorgt würden.

Künftig sollen mehr ausgediente Fernseher, Kühlschränke und Handys eingesammelt werden. Die Sammelquote der EU steigt zum Jahreswechsel von bisher 45 Prozent auf 65 Prozent.

Dass die neue Vorgabe erreicht wird, bezweifelt der Nabu. Auch in der Vergangenheit wurde die Sammelquote schon verfehlt, beispielsweise 2016, als nur 782.000 Tonnen Elektrogeräte in der Altgerätesammlung erfasst wurden – knapp unter 45 Prozent. 

Weiterhin wurden schon im August die bisherigen zehn Kategorien für recyclingpflichtige Geräte auf sechs Kategorien reduziert. Je nach Kategorie gelten für die Geräte nun Verwertungsquoten von 75 bis 85 Prozent und Recyclingquoten von 55 bis 80 Prozent. 

Zwar schätzt der Nabu, dass die Recyclingquoten eingehalten werden könnten. Allerdings sei die Quote selbst ein Problem, da sie nach dem Gewicht berechnet werde. Das Sammeln großer Geräte bringt also besonders viel. Es müsse aber mehr auf ökologisch sensible Geräte mit knappen Rohstoffen geachtet werden. 

"Die Recyclingsituation muss sich ändern", forderte Nabu-Ressourcenexpertin Verena Bax. Nötig seien ein Ressourceneffizienz-Programm sowie entsprechende Korrekturen im deutschen Elektrogesetz und auf EU-Ebene, damit alle wichtigen Geräte-Komponenten durch hochwertiges Recycling wiedergewonnen werden.

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