Zu wenig, zu viel, zu dreckig

Die Hälfte der Weltbevölkerung könnte 2050 in Wasserrisikogebieten leben, warnt die Umweltstiftung WWF. Eine Ursache dafür ist der Klimawandel. Länder wie Deutschland sind auch durch ihre Importe an der bedrohlichen Entwicklung beteiligt.


Afrika Benin
Brunnen in Benin: Allein das Besorgen von trinkbarem Wasser kostet Frauen schon heute viele Stunden. (Foto: Susanne Götze)

Sauberes Wasser wird global immer knapper – und das bei weiter wachsender Weltbevölkerung. So ist in den letzten hundert Jahren durch menschlichen Einfluss bereits mehr als die Hälfte der Feuchtgebiete der Erde verschwunden.

Immer wieder macht das Thema Schlagzeilen. Zum Beispiel, als 2018 das südafrikanische Kapstadt monatelang unter Wassermangel litt. Im Jahr darauf versiegte dann in der indischen Metropole Chennai für elf Millionen Menschen die Wasserversorgung.

Doch die Klimakrise erhöht die Wasserrisiken weiter, denen die Menschen, aber auch die produzierenden Unternehmen ausgesetzt sind – durch mehr Dürren, Überschwemmungen oder verunreinigtes Trinkwasser. Das zeigt eine Analyse, die die Umweltstiftung WWF jetzt vorgelegt hat.

Wird der Klimawandel nicht durch beherzte Maßnahmen gebremst, könnten laut der Untersuchung Mitte des Jahrhunderts bis zu 51 Prozent der Weltbevölkerung in einem Gebiet mit sehr hohem Wasserrisiko leben. Das heißt: Rund die Hälfte der Weltbevölkerung wäre 2050 etwa mit Überschwemmungen, Wassermangel oder schlechter Wasserqualität konfrontiert. Derzeit sind es 17 Prozent.

WWF-Expertin Theresa Schiller warnt: "Millionen Menschen sowie zahlreiche Unternehmen sitzen bald auf dem Trockenen oder verlieren ihre Lebens- und Wirtschaftsgrundlage durch Überschwemmungen." Es sei denn, es werden unverzüglich Maßnahmen zur Eindämmung des Klimawandels und zur Anpassung daran ergriffen.

Die Analyse basiert auf einem 2012 entwickelten "Wasserrisikofilter" des WWF. Das Online-Tool ermöglicht es Unternehmen und Finanzinstitutionen, die entsprechenden Risiken für das eigene Geschäft zu bewerten und darauf zu reagieren. Bewertet werden vier Risikokategorien: Knappheit, Überschwemmung, Wasserqualität und Zustand der Ökosystemdienstleistungen. In der aktuellen Auswertung liegt der Schwerpunkt auf Wasserrisiken in Großstädten.

Engpässe treten auch in Deutschland auf

Stark betroffen sind danach Millionenmetropolen wie Peking, Istanbul und Rio de Janeiro. Viele der gefährdeten Großstädte liegen in China. Weitere Schwerpunkte der Wasserkrise finden sich im Nahen Osten, in Südasien, Südamerika und Afrika.

Deutsche Städte kommen Vergleich noch glimpflich davon, da es hierzulande ein hohes Wasserdargebot gibt. Das sei aber kein Grund zu Entwarnung, heißt es beim WWF. "Die letzten Jahre haben gezeigt, wie sensibel die Wasserressourcen auch hierzulande sind", meint Schiller. Sie verweist darauf, dass zuletzt trocken-heiße Sommer und niederschlagsarme Winter regional bereits Engpässe zur Folge hatten.

Kraftwerke und Industrieanlagen, die Hauptwassernutzer in Deutschland, hätten ihren Betrieb zeitweise massiv reduzieren müssen, und viele Kommunen Verbote bei der Gartenbewässerung und der Befüllung von Swimmingpools erlassen.

Hinzu kommt, dass viele nach Deutschland importierte Waren in den Herkunftsländern mit einem hohen Wasserverbrauch produziert werden, vor allem Lebensmittel, Textilien und Chemikalien.

Ob zum Beispiel Tomaten aus Südspanien, Obst aus Italien, Kaffee aus Vietnam oder Baumwolle aus Ägypten, Chemierohstoffe aus China – Importeure und Weiterverarbeiter importierten damit auch das Wasserrisiko, hatte die Umweltstiftung bei der Vorstellung des Online-Tools betont.

Städte sollen in naturbasierte Lösungen investieren

"Die neue Analyse zeigt, dass wir einen hohen Preis zahlen werden, wenn wir nichts ändern", mahnt nun Expertin Schiller.

Das Risiko für Wassermangel steige, da in den Städten in Zukunft eher mehr als weniger Wasser verbraucht werde – Stichwort globales Wachstum der Stadtbevölkerung. Gleichzeitig müsse vielerorts mit mehr Starkniederschlägen und entsprechenden Hochwasserereignissen gerechnet werden.

Allerdings ist es laut WWF noch nicht zu spät, um gegenzusteuern. "Städte können das Extremszenario vermeiden, indem sie sowohl verstärkt ihre Treibhausgasemissionen reduzieren als auch in naturbasierte Lösungen investieren und damit ihre eigene Widerstandsfähigkeit stärken."

So könnten mehr Grünflächen dafür sorgen, dass Regen wieder im Boden versickert und die Grundwasserspeicher auffüllt. Außerdem sollten Flüsse und Feuchtgebiete geschützt und renaturiert werden. Die Vorteile: Sie wirken als Puffer für Hochwasserspitzen, speichern Wasser und CO2 und haben einen kühlenden Effekt.

Unterstützen Sie unabhängigen Journalismus!

klimareporter° wird herausgegeben vom gemeinnützigen Klimawissen e.V. – Ihre Spende macht unabhängigen Journalismus zu Energiewende und Klimawandel möglich.

Spenden Sie hier