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Wann versiegt das Wasser?

Ein Viertel der Weltbevölkerung ist stark von Wassermangel gefährdet, ergibt eine neue Studie von US-Forschern. In 17 Ländern steht der "Tag null" kurz bevor – der Tag, an dem es kein Wasser mehr aus den Leitungen fließt.


oranger, rissiger Boden vor blauem Himmel
Die Klimakrise gefährdet an vielen Orten die Wasserversorgung – häufig dort, wo Wasser ohnehin knapp ist. (Foto: Pashi/Pixabay)

Chennai ist das Wasser ausgegangen. Schon seit Wochen ist es in der südindischen Stadt viel zu heiß und zu trocken. Vor vier Jahren hatte Chennai das gegenteilige Problem: fast unkontrollierbare Fluten. Jetzt müssen Züge Wasser in die Stadt transportieren, um die Bevölkerung vor dem Verdursten zu retten.

Chennai hat seinen "Day Zero" erlebt – den Tag, an dem kein Wasser mehr aus der Leitung kommt. Kurz vor diesem "Tag null" stehen derzeit zahlreiche Städte und Regionen – ein Viertel der Weltbevölkerung ist davon betroffen, heißt es im neuen Wasserverfügbarkeitsbericht des US-Thinktanks World Resources Institute. Diese Milliarden von Menschen leben auf 17 Länder verteilt, die laut dem Bericht einem extremen Trockenheitsrisiko ausgesetzt sind.

In diesen Staaten verbrauchen Landwirtschaft, Industrie und Kommunen "80 Prozent des verfügbaren Oberflächen- und Grundwassers", so die WRI-Forscher. Schon kleinere Dürren reichen dann aus, um die Bevölkerung in schwere Wasserkrisen zu stürzen.

"Es droht ein enormer Verlust von Leben"

Eine unterschätzte Gefahr, warnt das World Resources Institute. "Wassermangel ist die größte Krise, über die niemand spricht", meint Thinktank-Chef Andrew Steer. "Die Konsequenzen sind schon in Sicht – in Form von Nahrungsknappheit, Konflikten und Migration, finanzieller Instabilität." Neue Lösungen für die Wasserkrise seien zwar in Arbeit, "aber nicht annähernd schnell genug", so der Wirtschaftswissenschaftler. "Schaffen wir es nicht zu handeln, droht ein enormer Verlust von Leben und Lebensunterhalt."

Zwölf der 17 Länder liegen im Nahen Osten und in Nordafrika, etwa Israel, Libyen, Libanon und Saudi-Arabien. Auf Platz 13 des Rankings liegt Indien. In dem Land allein leben dreimal so viele Menschen wie in den anderen 16 anderen betroffenen Ländern zusammen.

Auch einige EU-Länder sind relativ stark gefährdet, darunter südeuropäische Länder wie Griechenland, Spanien, Portugal und Italien, aber auch Belgien.

Auch Deutschland leidet unter Trockenheit

Deutschland steht in der Liste auf Platz 62. Das bedeutet, dass der "Tag null" zwar noch nicht kurz bevorsteht, es aber immer noch ein hohes bis mittleres Risiko für Wassermangel gibt.

Bisher kennt Deutschland insgesamt noch keinen Wasserstress, heißt es beim Umweltbundesamt, auch wenn die Lage je nach Bundesland unterschiedlich aussieht. "Weitere aufeinander folgende trockene Sommer mit zusätzlich wenig Niederschlag im Winter hätten in jedem Fall negative Auswirkungen auf die Wasserverfügbarkeit", warnt die Behörde aber. "Darauf müssen sich alle Wassernutzer, auch die Wasserversorger, einstellen."

Auch hierzulande gibt es schon schmerzliche Dürrefolgen. Im vergangenen Jahr haben Bund und Länder 340 Millionen Euro als Hilfszahlungen an Landwirte überwiesen, die infolge der wochenlangen Trockenheit in ihrer Existenz gefährdet waren. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) stufte die Dürre als "außergewöhnliches Wetterereignis von nationalem Ausmaß" ein. Der Deutsche Bauernverband hatte gefordert, dass der Finanztopf für die Nothilfen mit insgesamt einer Milliarde Euro gefüllt wird.

Ob das dieses Jahr wieder nötig sein wird, ist noch nicht heraus. Fakt ist aber, dass der Boden mit deutlich schlechteren Bedingungen in die Anbausaison gestartet ist als im vergangenen Jahr. Eine schwere Dürre wirkt oft über Jahre nach, denn ist ein Defizit erst einmal aufgebaut, reichen normale Niederschläge nicht, um es wieder auszugleichen. Auch wenn es im Winter ordentlich geregnet hat, war der Boden in diesem Frühjahr durch die vorangegangene Dürre viel trockener als zur gleichen Zeit ein Jahr zuvor.

Der Wasserbedarf steigt

Mit dem Klimawandel wird sich das Problem weltweit an vielen Orten verschärfen, einerseits durch veränderte Regenmuster, andererseits durch zunehmende Hitzetage, an denen mehr Wasser verdunstet.

Außerdem verbraucht die Welt immer mehr Wasser, vor allem durch Bevölkerungszuwachs und Urbanisierung. Seit den 1980er Jahren steigt der Wasserverbrauch weltweit um etwa ein Prozent pro Jahr, zeigt der UN-Wasserbericht. Es wird erwartet, dass der globale Wasserbedarf bis 2050 weiter in ähnlicher Größenordnung steigen wird. Das wäre insgesamt ein Anstieg um 20 bis 30 Prozent gegenüber heute.

Der mit Abstand größte Wasserverbraucher ist die Landwirtschaft. Auf sie sind laut dem UN-Bericht 69 Prozent der jährlichen Wasserentnahmen zurückzuführen. Auf Industrie und Energieerzeugung entfallen 19 Prozent, auf Privathaushalte zwölf Prozent.

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