Wenn der Strand verschwindet

Ein Drittel des weltweit emittierten Klimagases CO2 landet in den Ozeanen. Mit dramatischen Folgen – nicht nur für Fische oder Korallen. Auch Strände und Dünen können durch das saurere Meerwasser bedroht sein, haben jetzt Forscher auf Sardinien herausgefunden.


Blick von Norden auf Capo San Marco, die Südspitze der Halbinsel Sinis auf sardinien; links und rechts das Mittelmeer.
Blick von San Giovanni auf die Südspitze der Halbinsel Sinis: Hier könnte der Mittelmeerstrand bald verschwunden sein. (Foto: Sanna 66/​Wikimedia Commons)

Das Meer wird sauer. Langsam, aber sicher sinkt der pH-Wert des Wassers in den Ozeanen. Nur: Während der Klimawandel inzwischen in aller Munde ist, scheint diese Veränderung – ebenfalls ausgelöst durch das Treibhausgas CO2 – nur ein Thema für die Spezialisten zu bleiben. Dabei könnten die Folgen auch hier dramatisch sein.

Am gravierendsten wäre eine Destabilisierung der marinen Nahrungskette und damit ein Rückgang der Fischbestände – mit möglicherweise schlimmen Folgen für die Welternährung. In vielen Ländern der Welt sind Fische und andere Meerestiere schließlich ein wichtiger Eiweißlieferant, der nicht einfach zu ersetzen ist.

Verglichen damit wäre ein Verlust eines Teils der Sandstrände an den Küsten fast zu verschmerzen, vor dem nun italienische Forscher gewarnt haben. Die Ursache ist dabei dieselbe, nämlich die Versauerung des Meerwassers, die aus der Aufnahme von Kohlendioxid aus der Atmosphäre herrührt. Denn sie hat auch Folgen für die organischen Reststoffe, aus denen die Strände und Dünen etwa am Mittelmeer zum Teil bestehen.

Die Wissenschaftler schätzen, dass rund ein Drittel der CO2-Frachten, die weltweit etwa aus Auspuffen, Schornsteinen oder durch Brandrodung emittiert werden, in den Meeren gespeichert wird. Das Gas löst sich im Wasser, dadurch entsteht Kohlensäure und der pH-Wert des Wassers sinkt.

Es wird zwar nicht buchstäblich sauer, doch es verändern sich die Lebensbedingungen vor allem der Meeresbewohner, die von Kalk abhängig sind – wie Muscheln, Seesterne und Korallen. Sie bekommen Probleme beim Aufbau ihrer Skelette und Schalen.

Wachsende Flutgefahren

Bisher dachte man, dies betreffe nur die lebenden Meerestiere. Die Forscher zeigen jetzt allerdings in einer Studie: Auch die Sedimente an den Küsten, die ganz oder teilweise aus den Kalkskeletten abgestorbener Meerestiere entstehen, werden durch das saurere Wasser in Mitleidenschaft gezogen – und das gefährdet die Stabilität der Strände und Dünen.

"Es besteht die Gefahr, dass das Sedimentgleichgewicht kippt und sich anstelle der Strände Erosionsgebiete bilden", mahnt Hauptautor Simone Simeone vom Meeresforschungsinstitut CNR auf Sardinien. Die Strände der Bucht von San Giovanni auf der sardischen Halbinsel Sinis, die die Experten genauer unter die Lupe genommen haben, könnten jedenfalls im Laufe dieses Jahrhunderts ganz verschwinden.

Joachim Wille ist Chefredakteur des Onlinemagazins Klimareporter°.

Die Studie ist aber nicht nur für Badegäste eine schlechte Nachricht. Die erwarteten Sediment-Störungen gingen bis an die "Fundamente" des Strand-Dünen-Systems, warnt Mitautorin Emanuela Molinaroli.

Und die Forschungen zeigten noch mehr, so die Geologie-Professorin von der Uni Venedig. "Die Versauerung wird zusammen mit dem Meeresspiegelanstieg dazu führen, dass die Schäden durch Überschwemmungen zunehmen."

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