"Sabine" war kein richtiges Monster

Mit geschätzten Schäden von "nur" 600 Millionen Euro entfaltete "Sabine" nicht die Sturm-Kraft, die die Meteorologen vorausgesagt haben. Dennoch ist das Aprilwetter im Februar nicht normal. 


Dramatischer Regenhimmel über Italien
Der Monstersturm blieb aus, doch der diesjährige Winter in Deutschland erinnert eher an Italien, wo dieses Foto aufgenommen wurde. (Foto: Gianni Del Bufalo/Flickr)

"Sabine" musste sich einiges gefallen lassen: "Horror-Orkan", "Monster-Orkan", "Monster-Sturm" – so titulierten manche Wetterdienste und Medien den schweren Sturm, der Deutschland ab Sonntag überquerte und eine ungemütliche Wetterlage einleitete, die auch am Dienstag mit Sturmböen, Regen, teils auch Schnee und Hagel noch anhielt.

Die markigen Ankündigungen waren überzogen, wie trotz der Schäden von geschätzt 600 Millionen Euro, die Sabine hinterließ, inzwischen klar ist.

Und der wortgewaltige Wetterexperte Jörg Kachelmann rieb das seinen Kollegen, den Journalisten und Internet-Schreibern, die eine Verbindung zum Klimawandel herstellten, auch kräftig unter die Nase.

"Sabine ist kein Monsterorkan", twitterte er, "aber ein anständiger Wintersturm, den man mit den üblichen Vorsichtsmaßnahmen überleben kann: Weg von Bäumen und anderen flugtauglichen Dingen." Dabei war es Kachelmann selbst, der vor ein paar Jahren die staatlichen Meteorologen zu deutlicheren Sturmwarnungen aufgefordert hatte.

Tatsächlich war "Sabine" eher ein gewöhnlicher Wintersturm, wie er hierzulande alle paar Jahre vorkommt. Im Flachland kam es zu maximalen Windgeschwindigkeiten zwischen 110 und 130 Kilometern pro Stunde, was Orkanstärke bedeutet, aber nicht extrem ist.

Ungewöhnlich war indes die Ausdehnung des Wintersturms, mit einer Bahn so breit, dass er auf seinem Weg vom Nordwesten nach Südosten praktisch alle Bundesländer erfasste. Die Kaltfront am Rande des Tiefs durchquerte das Land komplett und drückte die heftigen Winde bis in tiefe Lagen hinunter.

Vergleiche mit den Jahrhundertstürmen "Kyrill" im Januar 2007 oder "Lothar" im Dezember 1999 zeigen, dass es diesmal mit "Sabine" fast normal zuging. Die Vorläufer schafften Windgeschwindigkeiten im Flachland von über 150 Stundenkilometern, und so lagen die Schäden auch deutlich höher.

"Kyrill" war und ist der bisher teuerste Wintersturm mit 13 Toten und Kosten von 5,5 Milliarden Euro allein in Deutschland. Die Beratungsgesellschaft Meyerthole Siems Kohlruss schätzt, dass "Sabine" für die Versicherer hingegen nur ein "mittelstarkes Ereignis wird, wie es alle drei bis vier Jahre vorkommt".

Bis zu 15 Grad und Hagel statt Winterwetter

Entwarnung beim Thema Klimawandel und Stürme kann freilich nicht gegeben werden, auch wenn es mit "Sabine" vergleichsweise glimpflich abging. So rechnet der Deutsche Wetterdienst auf Basis bisheriger Beobachtungen hierzulande mit einer Verstärkung von Stürmen, allerdings sei dazu noch viel Forschungsarbeit zu leisten.

Gewitterstürme haben mit steigenden Temperaturen nachweisbar zugenommen, bei den Winterstürmen hingegen gibt es bisher keine auffälligen Veränderungsmuster.

Die Versicherungswirtschaft indes geht davon aus, dass Stürme künftig häufiger auftreten werden. Es könnten Schadenssummen von sieben bis acht Milliarden Euro auftreten, heißt es in einer Studie, die der Branchenverband GDV vor ein paar Jahren in Auftrag gegeben hat.

Kachelmann jedenfalls sprach die Erderwärmung von einer Mitverantwortung für "Sabines" Taten frei. "Der Klimawandel macht wegen der schneller warm werdenden Polarregionen eher weniger Stürme."

Sein Kollege Özden Terli, Wettermann beim ZDF, will das Thema hingegen nicht so einfach abhaken. Der Sturmkomplex sei der stärkste auf der gesamten Nordhalbkugel gewesen – "und damit nicht normal".

Auch sonst sei die Wetterlage ungewöhnlich, sagte Terli in einem Taz-Interview. "Wir haben Februar, also Hochwinter." Stattdessen gebe es Temperaturen von bis zu 15 Grad und Hagel. "Typisch und üblich wäre es, dass es kalt ist und wir nicht Aprilwetter haben."

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