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Klimawandel noch nicht treibender Faktor

Im ostafrikanischen Inselstaat Madagaskar hungern viele Menschen, weil eine Dürre die Ernten zerstört hat. Ein Klima-Check von Forscher:innen ergab nun: Diesmal haben die menschengemachten Treibhausgasemissionen, wenn überhaupt, nur eine geringe Rolle gespielt. Langfristig wird das aber anders aussehen.


Trockener, aufgerissener Boden in Nahaufnahme.
Hier herrscht Dürre: Trockener, aufgerissener Boden. (Foto: Martin Vorel/Libreshot)

Rund 135.000 Kinder sind akut unterernährt, 1,15 Millionen Menschen auf Nahrungsmittelnothilfe angewiesen: Der ostafrikanische Inselstaat Madagaskar erlebt derzeit die schlimmste Dürre seit Jahrzehnten. Vor allem im Süden des Landes hat sie die Ernten dezimiert und die Region an den Rand einer Hungersnot gebracht.

Bis zum Frühjahr werde sich die Lage noch verschärfen, warnt das Ernährungsprogramm der Vereinten Nationen. Es drohe die weltweit erste "Hungersnot durch den Klimawandel", so die Organisation.

Das internationale Forschungsteam World Weather Attribution hat diese Aussage nun relativiert. Laut einer am Donnerstag vorgelegten Studie haben die globalen Klimaveränderungen die Wahrscheinlichkeit für die extreme Trockenheit zwar leicht erhöht, sie liege aber immer noch im Rahmen der natürlichen Variabilität.

Die Forscher:innen schätzten die Wahrscheinlichkeit, dass eine so schwere Dürre unter den heutigen Klimabedingungen in der Region in einem Jahr auftritt, auf eins zu 135.

Um den Einfluss des Klimawandels auf die geringen Niederschläge zu berechnen, analysierte das Team historische Wetteraufzeichnungen, Klimaprojektionen und Computersimulationen, um das heutige Klima, das sich seit Ende des 19. Jahrhunderts um etwa 1,2 Grad Celsius erwärmt hat, mit dem Klima der Vergangenheit zu vergleichen. Es zeigte sich, dass die Niederschläge in der Region stark schwankten.

Zwar habe der Klimawandel die Wahrscheinlichkeit der Dürren leicht erhöht, doch sei dieser Effekt statistisch nicht signifikant, so die Expert:innen. Der Beitrag sei zu gering, um von den natürlichen Klimaschwankungen in der Region unterschieden zu werden.

"Wir sind nur an eine enge Wetter-Bandbreite angepasst"

Auch wegen solcher Ergebnisse seien Attributionsstudien wie die vorliegende wichtig, die den Anteil des Klimawandels am Wetter ermitteln, meint Friederike Otto, Co-Leiterin des Weather-Attribution-Teams und Klimaforscherin am Londoner Grantham Institute for Climate Change and the Environment. Wer sich allein auf den Klimawandel als Risikofaktor konzentriere, laufe Gefahr, "die vorteilhaftesten Möglichkeiten zur lokalen Risikominderung zu übersehen".

Die Studie weist etwa darauf hin, dass die Armut bekämpft und die Infrastruktur in der Region verbessert werden muss, um Hungersnöte künftig zu verhindern. Trotzdem geben die Expert:innen keine Entwarnung in Bezug auf das Klima. Die aktuelle Dürre zeige, an welch enge Wetter-Bandbreite die Menschen angepasst seien, warnt Otto.

Der Klimawandel werde die Situation für Länder wie Madagaskar nur noch schwieriger machen. Der Weltklimarat IPCC hatte in seinem jüngsten Report vom August darauf hingewiesen, dass Madagaskar bei zunehmender globaler Erwärmung wahrscheinlich mit zunehmenden Dürren und schwereren Wirbelstürmen konfrontiert sein werde.

"Jede Zunahme extremer Wetterereignisse wird die bestehenden Schwachstellen noch verstärken und vor allem die ärmsten Menschen treffen", ergänzte Lisa Thalheimer, Klimaforscherin an der US-Universität Princeton und Mitautorin der aktuellen Studie.

In anderen Fällen hat das Forschungsteam starke Einflüsse des Klimawandels auf Wetterextreme nachgewiesen, zuletzt bei den Starkregen-Ereignissen in Deutschland, die im Juli dieses Jahres zu den verheerenden Fluten in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen führten.

Weitere Beispiele sind die Rekord-Hitzewellen, die im Juni und Juli den Westen Kanadas und der USA heimsuchten, sowie die verheerenden Busch- und Waldbrände in Australien im Jahr 2020.

Weltweit wieder mehr Menschen von Hunger bedroht

Madagaskar, der flächenmäßig zweitgrößte Inselstaat der Welt nach Indonesien, hat eine der weltweit höchsten Armutsquoten. Über 90 Prozent der Bevölkerung in der aktuell besonders betroffenen Region Grand Sud leben laut Hilfsorganisationen unterhalb der Armutsgrenze. Die Corona-Pandemie hat das Problem noch verschärft, da die Einkommen sanken.

"Es ist nach wie vor von entscheidender Bedeutung, die Anfälligkeit in der Region zu bekämpfen und die Lebensbedingungen der Bevölkerung zu verbessern", sagt Maarten van Aalst, Direktor des Klimazentrums des Roten Kreuzes und des Roten Halbmonds, zu der aktuellen Studie.

Die Zahl der von Hunger bedrohten Menschen hat sich nach Angaben des Welternährungsprogramms in diesem Jahr stark erhöht. Zu Beginn des Jahres seien weltweit 42 Millionen Betroffene gezählt worden, inzwischen gehe es bereits um 45 Millionen. Im Jahr 2019 waren es rund 29 Millionen Menschen, etwa ein Drittel weniger.

Redaktioneller Hinweis: Friederike Otto gehört dem Herausgeberrat von Klimareporter° an.

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