Feuer und Fossile verhindern Klimaschutz

Nach den monatelangen, inzwischen gelöschten Bränden gibt sich Australiens Regierung geläutert und will das offizielle Klimaziel für 2030 einhalten. Doch der CO2-Ausstoß aus den Feuern und aus der massiven Ausbeutung von Kohle und Erdgas stehen dem entgegen. 


Erdgas-Pipeline Australien
Australien will noch mehr fossile Brennstoffe wie Kohle und Erdgas exportieren. (Foto: Glen Dillon/​Wikimedia Commons)

Australiens Wirtschaft will nicht von den heimischen fossilen Ressourcen lassen. Die Energiebranche fördert und exportiert nicht nur weiter Kohle im großen Stil, auch die Erdgasvorkommen will sie schneller ausbeuten und in verflüssigter Form als sogenanntes LNG exportieren.

Im vergangenen Jahr hat Australien mit seiner LNG-Strategie den bisher größten Flüssiggas-Exporteur Katar überholt. Der australischen Energieberatung Energy Quest zufolge hat das Land 2019 rund 78 Millionen Tonnen Flüssigerdgas verschifft – ein Anstieg um mehr als elf Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Das spiegeln auch Australiens Treibhausgas-Emissionen wider. Vor wenigen Tagen hatte das Land sein jüngstes Treibhausgasinventar – allerdings mit Daten nur bis September 2019 – vorgestellt. Demnach stiegen die Emissionen aus der LNG-Branche um fast 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Die Erdgasbranche macht damit die Erfolge anderer Sektoren zunichte. Zwar sanken die Emissionen aus der Stromerzeugung, der Landwirtschaft (wegen der Dürre) und dem Verkehr. Weil aber die Gasförderung mehr Treibhausgase verursachte, blieb der Gesamtausstoß des Landes gegenüber dem Vorjahreszeitraum praktisch gleich und sank um weniger als ein Prozent.

"Gas ist teuer und umweltschädlich. Das Verbrennen von Gas verschärft den Klimawandel und erhöht die Gefahr künftiger extremer Hitzewellen und Brände", sagte Amanda McKenzie von der australischen Wissenschaftsorganisation Climate Council zu den jüngsten Emissionszahlen. 

Schon die jüngste Buschbrand-Saison hatte das Land wochenlang in einen Ausnahmezustand versetzt. Vor wenigen Tagen erst erklärte die australische Feuerwehr die Brände des "Black Summer" für gelöscht.

Große Wachstumspläne für die Gasbranche

Klar ist inzwischen, dass die verheerenden Brände der vergangenen Monate durch die Klimakrise wahrscheinlicher geworden sind. Forscher:innen des Zusammenschlusses World Weather Attribution haben errechnet, dass der Klimawandel die Wahrscheinlichkeit für "Feuerwetter" seit dem Jahr 1900 um mindestens 30 Prozent größer werden ließ, wahrscheinlich sogar noch mehr.

"Es gibt Anzeichen dafür, dass die australische Brandsaison länger und intensiver geworden ist, und extreme Temperaturen haben dabei eine Rolle gespielt", sagte Sophie Lewis von der australischen Universität von New South Wales.

Die Feuer dieses Sommers haben mehr als elf Millionen Hektar Wald zerstört, mindestens 34 Menschen kamen ums Leben und über 1,5 Milliarden Tiere wurden getötet. 

Und es wurden gigantische Mengen klimawirksames CO2 freigesetzt. Der Copernikus-Atmosphärenüberwachungsdienst geht davon aus, dass die Feuer bis Mitte Februar 434 Millionen Tonnen CO2 verursacht haben. Zum Vergleich: Australien hat 2018 insgesamt 532 Millionen Tonnen emittiert.

Die Brände könnten damit den Anstieg der weltweiten CO2-Konzentration um ein bis zwei Prozent beschleunigen, prognostizieren britische Wissenschaftler:innen.

Die australische Wirtschaft scheint das wenig zu kümmern. Trotz ihrer ohnehin hohen Treibhausgasemissionen soll die Gasbranche noch weiter wachsen. Der größte Produzent des Landes, Woodside, plant ein LNG-Drehkreuz im Bundesstaat Westaustralien auf der Halbinsel Murujuga, in Australien meist Burrup-Halbinsel genannt.

Das könnte allerdings die Klimaziele des Landes torpedieren, zeigt eine Analyse der Denkfabrik Climate Analytics. Die Emissionen durch den "Burrup Hub" wären auch im globalen Maßstab keine Kleinigkeit.

Klimaziel soll nun eingehalten werden – auf dem Papier

Dabei reicht das CO2-Reduktionsziel, das sich Australien im Rahmen des Pariser Klimavertrags gegeben hat, ohnehin nicht für einen anteiligen Beitrag, um die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen.

Australien hat sich verpflichtet, seine Emissionen bis 2030 um 26 bis 28 Prozent im Vergleich zu 2005 zu senken. Würde das Land es ernst mit den Pariser Klimazielen meinen, müsste es seine Ambitionen stark erhöhen und stattdessen 44 bis 61 Prozent anstreben.

Doch danach sieht es unter der jetzigen Regierung nicht aus. Zwar will Premierminister Scott Morrison – auch wegen des starken öffentlichen Drucks infolge der Brände – nun die 26-prozentigen Emissionsminderungen bis 2030 erreichen. Aber nur mit einem Trick.

In ihrem Minderungsfahrplan will sich die Regierung für 367 Millionen Tonnen COGutschriften aus der Erfüllung früherer Ziele aus dem Kyoto-Protokoll gutschreiben lassen. Weil diese aber mit dem Auslaufen des Paris-Vorgängervertrags zu verfallen drohen, will Australien sie nun unter dem Dach des Paris-Abkommens etablieren. Es wäre also nur eine Umbuchung und keine wirkliche CO2-Reduzierung. 

Dafür wird die Regierung von Wissenschaftler:innen und Klimadiplomat:innen scharf kritisiert. "Ich halte es für sehr gefährlich, so zu tun, als wäre dies ein Kartenspiel", sagte Christiana Figueres, frühere UN-Klimachefin, in einem Interview. "Wir dürfen nicht mit Emissionen oder Emissionsreduktionen der Vergangenheit spielen."

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