Das ist nicht mehr nur Wetter' – klimareporter°

"Das ist nicht mehr nur Wetter"

Die Hitzewelle nimmt kein Ende, das Wetter bleibt extrem. Welche Rolle der Klimawandel dabei spielt, haben nun Wissenschaftler vom World-Weather-Attribution-Projekt untersucht. Die vom Menschen verursachte Erderwärmung macht Hitzewellen demnach doppelt so wahrscheinlich.


Hier ist die Warnkarte des Deutschen Wetterdienstes für Montag, den 30. Juli 2018, zu sehen, mit Hitzewarnungen fast überall im Bundesgebiet
Warnkarte des Deutschen Wetterdienstes für heute: Lila steht für "Hitzewarnung", grün für "keine Warnungen". (Grafik: Screenshot/DWD)

Auf der Warnkarte des Deutschen Wetterdienstes ist Deutschland derzeit fast vollständig in Lila getaucht (siehe Grafik links). Lila steht für "Hitzewarnung", und diese gilt – von wenigen Ausnahmen abgesehen – für das gesamte Bundesgebiet, bei Temperaturen um gut über 30 Grad.

Dabei soll es morgen, am Dienstag, sogar noch heißer werden (siehe Grafik unten). Der DWD sagt Temperaturen von 37 Grad für das Rhein-Main-Gebiet und Berlin voraus, für Magdeburg sogar 38 Grad. 

Nicht nur Deutschland ächzt unter einer extremen Hitzewelle. Die gesamte Nordhalbkugel ist betroffen. In Griechenland kamen bei Waldbränden fast 90 Menschen ums Leben, so viele Tote gab es dort seit 100 Jahren bei keinem Waldbrand. In Japan wurden nahe Tokio 41,1 Grad Celsius gemessen – mehr als jemals zuvor in dem Land. Auch viele US-Staaten verzeichneten Temperaturrekorde.

Selbst Länder, die sonst eher moderate Sommer kennen, erleben derzeit extreme Hitze, etwa Schweden, Dänemark, Finnland. Der finnische Wetterdienst meldete Mitte Juli mit 33,4 Grad die "höchste je in Lappland gemessene Temperatur". In Schweden wüten nach wie vor schwere Waldbrände – auch nördlich des Polarkreises.

Hier ist die Wettervorhersage des Deutschen Wetterdienstes für den 31. Juli zu sehen, mit Rekordtemperaturen im ganzen Bundesgebiet
Hitze all over: Vorhersage des Deutschen Wetterdienstes vom 30. Juli 2018, für den folgenden Tag. (Grafik: DWD)

Hitzewellen und Dürreperioden, die den Ausbruch von Waldbränden begünstigen – das ist für sich genommen eigentlich noch nichts Ungewöhnliches, sondern zunächst einmal nur ein Extremwetterereignis. Auch ohne den Klimawandel könnte und würde es besonders heiße Sommer geben.

Doch weil der Mensch mit dem Verbrennen fossiler Rohstoffe die Atmosphäre aufheizt, treten solche Extreme nun vermehrt auf. "Solche Wettersituationen häufen sich in den letzten Jahrzehnten", sagt der Klimaforscher Mojib Latif im Klimareporter°-Interview.

"Hitzetage mit Temperaturen von über 30 Grad Celsius nehmen deutlich zu", sagt Latif. "Genauso wie auch Tropennächte, in denen die Temperatur nicht mehr unter 20 Grad fällt." Das gelte nicht nur für Deutschland, sondern für viele Regionen Europas.

Mit zunehmender Erderwärmung wird sich dieser Trend noch verstärken. Die Häufigkeit von Extremwetterereignissen wird weiter steigen, auch die extremen Folgen, die wir derzeit erleben, werden immer öfter auftreten: anhaltende Hitze, lange Trockenheit, sinkende Wasserpegel in den Flüssen, Gesundheitsgefahren für viele Menschen, viele vorzeitige Todesfälle.

Britisches Parlament macht Druck auf Regierung

Das britische Parlament hat gerade einen Bericht veröffentlicht, der genau davor warnt. Der Rekordsommer von 2003, der in Großbritannien mehr als 2.000 Menschen vorzeitig das Leben kostete, werde in den 2040er Jahren die neue "Normalität" sein, heißt es dort.

Bis 2050 könne sich die Zahl der hitzebedingten Todesfälle verdreifachen, so der Report mit dem Titel "Heatwaves: adapting to climate change" (Hitzewellen: Anpassung an den Klimawandel). Die Parlamentarier fordern von ihrer Regierung, das Land besser auf die veränderten Wetterverhältnisse vorzubereiten. Von den Abgeordneten des Deutschen Bundestags würde man sich etwas Ähnliches wünschen.

Wie groß die Rolle des Klimawandels bei der aktuellen Hitzewelle ist, haben nun Wissenschaftler vom World-Weather-Attribution-Projekt untersucht. Bei den sogenannten Attributionsstudien geht es darum, nicht nur den langfristigen Erwärmungstrend zu erforschen. Analysiert wird vielmehr, inwieweit ein Wetterereignis mit dem Klimawandel in Zusammenhang steht.

Hier ist ein Thermometer zu sehen, es zeigt 40 Grad
Ab 37 Grad Celsius wird es für den menschlichen Körper schwierig, mit der Hitze noch fertig zu werden. (Foto: Peyesces/​Pixabay)

Das Ergebnis: Die vom Menschen verursachte globale Erwärmung hat die Wahrscheinlichkeit mindestens verdoppelt, dass es zu einer Hitzewelle in Europa wie der aktuellen kommt. "Das ist nicht mehr bloß Wetter", stellen die Wissenschaftler klar.

Insgesamt sechs Länder in Nord- und Westeuropa bezogen die Forscher in ihre Analyse ein: die Niederlande, Dänemark, Schweden, Finnland, Norwegen, Irland.

Im Falle Dänemarks war die Wahrscheinlichkeit einer solch extremen Hitzewelle wie derzeit sogar fünfmal höher als ohne Klimawandel, bei den Niederlanden dreimal höher. Das Forscherteam verglich dabei Hitzedaten von drei Tagen sowie Vorhersagen für die einzelnen Länder mit historischen Daten, die bis ins frühe 20. Jahrhundert zurückreichten.

"Wir haben jetzt sehr klare Belege dafür, dass die globale Erwärmung die Wahrscheinlichkeit von Extremen wie großer Hitze und heftigem Regen erhöht hat", sagt der Klimaforscher Noah Diffenbaugh von der kalifornischen Stanford University. "Die Welt wird wärmer und somit werden Hitzewellen wie diese häufiger", sagt Friederike Otto vom Environmental Change Institute an der Universität Oxford.

Für ihre Analyse haben die Forscher die Temperaturen der vergangenen Woche herangezogen. Um besonders aktuell zu sein, wurde die Studie in nur einer Woche erstellt und hat bislang kein Peer-Review-Verfahren durchlaufen. Nachdem dies geschehen ist, soll das Papier in einem Fachblatt veröffentlicht werden.

Unterstützen Sie
unabhängigen Journalismus!

Klimareporter wird herausgegeben vom Klimawissen e.V. Ihre Spende macht unabhängigen Journalismus zu Energiewende und Klimawandel möglich. 

Spenden Sie hier