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Hitzering legt sich um Nordhalbkugel

In mehreren Ländern nördlich des Äquators erreichen die Temperaturen Rekordwerte. In Schweden und Griechenland wüten schwere Waldbrände. Deutschland erwartet ab Dienstag eine Hitzewelle. In vielen Teilen der Welt kommt der Mensch immer näher an seine Belastungsgrenze.


Waldbrand
In Schweden und Griechenland wüten Waldbrände. Auch Deutschland ist schlecht vorbereitet auf Feuer in seinen Wäldern. (Foto: Hans Braxmeier/​Pixabay)

Deutschland wartet auf die Hitzewelle. In den kommenden Tagen sollen Temperaturen bis zu 38 Grad erreicht werden. Auch nachts dürfte in den Städten das Thermometer kaum unter 20 Grad fallen. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat eine Hitzewarnung herausgegeben.

Andere Länder Europas leiden bereits unter starker Hitze. In Griechenland gerieten Waldbrände in der Nähe der Hauptstadt Athen außer Kontrolle, etwa 50 Menschen starben, wie Medien berichten. Auch in Schweden wüten schwere Waldbrände.

Die ganze Nordhalbkugel scheint derzeit im Griff der Hitze. In Japan erreichten die Temperaturen Rekordwerte mit 41,1 Grad Celsius nahe Tokio. Knapp 50 Menschen starben aufgrund der Hitzewelle. Gerade erst hat sich das Land von heftigen Überflutungen erholt. Auch Nord- und Südkorea erlebten Rekordtemperaturen um die 40 Grad.

In den USA lodern im westlichen Teil des Landes in diversen Bundesstaaten insgesamt 65 Waldbrände, in Südkalifornien brennen manche Wälder sogar seit vergangenem Jahr. Durch den Klimawandel könnten sich diese Brände stärker ausgebreitet haben.

Klimaforscher prognostizieren mehr und heftigere Hitzewellen im Zuge der Erderwärmung – Hitzewellen wie 2003 in Westeuropa, als mehr als 70.000 Menschen vorzeitig starben, oder in Russland 2010 mit 55.000 vorzeitigen Todesfällen. Beide Ereignisse, so zeigten Attributionsstudien, wurden durch den Klimawandel angefacht.

Bei 37 Grad beginnt die "tödliche" Schwelle

Meteorologen führen die jüngsten extremen Hitzewellen auf die Kombination von steigenden Temperaturen und stationären Zirkulationssystemen zurück. Eine Hitzewelle muss allerdings nicht immer den Klimawandel als Haupttreiber haben.

Hitzewellen stellen eine große Belastung der menschlichen Gesundheit dar. Der menschliche Körper erlaubt nur leichte Abweichungen von seiner Kerntemperatur von 37 Grad Celsius. Übersteigt die Umgebungstemperatur diese Schwelle, kann er kaum noch gegenregulieren. Überschüssige Wärme kann er nicht mehr einfach abstrahlen. Deshalb drückt er Schweiß durch die Poren auf die Haut, damit das Wasser verdunstet und dabei kühlend wirkt. Wenn die Luftfeuchtigkeit aber so hoch ist, dass die Luft keine Flüssigkeit vom Körper mehr aufnehmen kann, hat der Körper seine Belastungsgrenze erreicht.

So trotzen Sie der Hitze

  1. Besonders Kinder und alte Menschen sollten sich zumindest in der Mittagszeit nicht draußen aufhalten.
  2. Regelmäßig und ausreichend viel trinken und auf die Elektrolytzufuhr achten.
  3. Sport nur morgens und abends treiben.
  4. Die Wohnung kühl halten: Nur dann lüften, wenn es draußen kühler als drinnen ist, und direkte Sonneneinstrahlung vermeiden.
  5. Luftige, helle Sachen tragen, den Kopf bedecken.
  6. Kalt duschen oder baden.
  7. Eiswürfel in eine Schüssel geben und vor einen Ventilator stellen.
  8. Feuchte Tücher oder Laken vors Fenster hängen.
  9. Schlafanzug vor dem Zu-Bett-Gehen ins Eisfach legen.
  10. Wärmflasche zur Kälteflasche umfunktionieren.
 
Quelle: Deutscher Wetterdienst (DWD), auf dessen Webseite noch mehr Tipps zu finden sind.

Der Körper versucht auch, möglichst viel Blut aus dem Zentrum in die Peripherie zu pumpen – die Gefäße erweitern sich, der Herzschlag schnellt hoch. Das funktioniert für kurze Zeit, aber wie in einer Sauna oder im Dampfbad macht der Kreislauf nach etwa 20 Minuten nicht mehr mit.

Teile Asiens werden unbewohnbar

Manche Regionen der Erde dürften in absehbarer Zeit unbewohnbar werden. Eine Studie im Fachjournal Nature Climate Change vom Juni 2017 fand heraus, dass die Schwelle zwischen "warmen" und "tödlichen" Bedingungen schon bei 37 Grad liegen kann. Derzeit seien etwa 30 Prozent der Weltbevölkerung jedes Jahr solchen "tödlichen Bedingungen" ausgesetzt.

Bereits 2015 kam eine Studie im gleichen Fachjournal zum Ergebnis, dass sich bis zum Ende des Jahrhunderts die Bedingungen in Teilen von Pakistan, Nepal, Indien, Bangladesch und Sri Lanka durch zunehmende Hitze so verschlechtern könnten, dass Menschen dort kaum noch leben können.

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