Hitzewelle übertrifft Klimaprognose

Die Juni-Hitzewelle steckt vielen noch in den Knochen und schon haben europäische Forscher eine Studie dazu vorgelegt. Demnach ist das Eintreten einer solchen Hitzewelle durch den Klimawandel mindestens fünfmal so wahrscheinlich geworden.


Die Sonne scheint gleißend vom wolkenlosen Himmel herab.
Immer neue Hitzerekorde. Der vergangene Monat war der heißeste Juni seit Beginn der Messungen. (Foto: Alexander Paukner/​Pixabay)

Alarmstufe Rot. Ende Juni legte die Hitzewelle halb Frankreich lahm: Schulen machten dicht, Tiertransporte wurden verboten und die Regierung rief den Klimanotstand aus. In ganz Frankreich und auch in Deutschland war der Juni so heiß wie noch nie. War das noch normal?

Zu der Frage haben Klimawissenschaftler aus drei Ländern Europas nun eine Studie vorgelegt. Ihre Antwort: Durch den menschenverursachten Klimawandel sind solche Hitzewellen mindestens fünfmal so wahrscheinlich geworden. Es könnte allerdings auch die hundertfache Häufigkeit sein.

Ohne den menschlichen Beitrag zum Klima wäre eine solche Hitzewelle, so die Klimawissenschaftler der Initiative World Weather Attribution, vermutlich um vier Grad kälter gewesen. "Der Klimawandel ist kein abstrakter Anstieg der globalen Mitteltemperatur mehr, sondern ein Unterschied, den man spüren kann, wenn man bei einer Hitzewelle vor die Tür tritt", urteilt der Mitverfasser Geert Jan van Oldenborgh vom niederländischen Wetterdienst. 

In der Untersuchung haben die Wissenschaftler die Durchschnittstemperaturen der drei heißesten Tage des Monats Juni in Frankreich mit den erwarteten Temperaturen für Anfang des 21. Jahrhunderts verglichen. Um zu verdeutlichen, was der Klimawandel nicht nur für ein ganzes Land, sondern auch vor Ort bedeutet, haben die Forscher Messungen in der französischen Stadt Toulouse vorgenommen. 

Die Hitzewelle war nicht nur hierzulande und in Frankreich spürbar. Auch in Österreich, Spanien und in der Schweiz wurden Temperaturrekorde gebrochen. Galten Höchstwerte im Monat Juni früher als Einzelfälle, könnten sie bald zur Regel werden: "Wir haben eine Hitzewelle erlebt, deren Intensität in der Mitte des Jahrhunderts zur Norm werden könnte", bestätigt Mitautor Robert Vautard vom französischen Centre national de la recherche scientifique.

Nicht erst ein Problem kommender Generationen

Hitzewellen zeigen sich nicht nur in Naturkatastrophen, sie haben auch direkte Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit. Das zeigte die letzte große Hitzeperiode im Jahr 2003, bei der in Frankreich etwa 15.000 Menschen vorzeitig gestorben sind.

Dieses Sterberisiko, heißt es in der Studie, werde durch den Klimawandel, aber auch durch andere Faktoren wie die Urbanisierung und die Alterung der Gesellschaft verstärkt. Wie viele Menschen bei der diesjährigen Hitzewelle starben, ist bisher noch unbekannt. 

Nach wie vor können die Klimamodelle Faktoren wie Wolken nur unzureichend erfassen. Daher ist der konkrete Einfluss des Klimawandels auf die Hitze noch nicht genau zu beziffern. Er kann auch viel größer sein als bei der ermittelten fünffachen Häufigkeit. "Sowohl Beobachtungen als auch Modelle zeigen einen starken Trend zu heftigeren Hitzewellen. Der sichtbare Trend ist jedoch stärker als der modellierte, und wir wissen noch nicht, warum", so van Oldenborgh.

Doch schon jetzt sind sich die Forscher sicher, dass die Erderwärmung die Hitzewellen intensiviert. "Dies ist ein erneuter Denkzettel, dass der Klimawandel hier und heute stattfindet. Es ist nicht nur ein Problem unserer Kinder", mahnt Friederike Otto, geschäftsführende Leiterin des Environmental Change Institute an der Universität Oxford.

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