Doch kein Hirngespinst in Down Under

Der Klimawandel verschärft das Brandrisiko in Australien in einem verheerenden Ausmaß. Die führenden Politiker im Kohleexportland Nummer eins wollen das aber nicht wahrhaben.


Waldbrand in Australien.
Buschfeuer in Australien sind nichts Ungewöhnliches – eine derart extreme Brandsaison wie in diesem Jahr aber schon. (Foto: Thinboyfatter/​Flickr)

Bei den verheerenden Bränden an der australischen Ostküste ist keine Entwarnung in Sicht. Am heutigen Mittwoch erließen die Behörden Evakuierungsanordnungen für viele Strandorte, die auch bei Touristen beliebt sind.

Am Tag zuvor hatten sich die Feuer der Millionenmetropole Sydney genähert, für die erstmals in der Geschichte eine Feuer-Katastrophenwarnung herausgegeben worden war. Am Mittwoch gab es hier etwas Entspannung, da sich der Wind gedreht hatte.

Unterdessen läuft in "Down Under" eine intensive Debatte, ob der Klimawandel für die Schwere der Brände mitverantwortlich ist. Besonders, nachdem Vize-Premierminister Michael McCormack das mit markigen Worten abgestritten hat. In Australien habe es, sagte McCormack, "schon immer Feuer" gegeben. Der Klimawandel sei ein Hirngespinst der "verrückten innerstädtischen Linken".

Unbestritten ist, dass es sich um eine extreme Feuersaison handelt.  Über 100 Buschbrände wüten in den beiden Bundesstaaten New South Wales und Queensland, verbrannt ist bereits eine Fläche von über 1,1 Millionen Hektar.

Laut dem EU-Erdbeobachtungsprogramm Copernicus brennen die Feuer in New South Wales im Vergleich der letzten 16 Jahre mit bisher unbekannter Intensität. Der Feinstaub sorge für eine enorme Luftverschmutzung. Der Rauch, der teilweise komplett die Sonne blockiere, werde vom Wind über Neuseeland auf den Südpazifik getragen und könne eventuell sogar Südamerika erreichen.

Die Beobachtungen passen zu den Daten der australischen Meteorologie-Behörde, die in den letzten Jahrzehnten eine Zunahme der Brandgefahr und eine Verlängerung der Brandsaison besonders im Südosten des Landes verzeichnet hat. Nach den Statistiken nehmen dort die Niederschläge vor allem im Winter ab, und Hitzewellen im Sommer werden stärker – ideale Bedingungen für Buschfeuer, wenn die Hitze auf eine ausgetrocknete Vegetation trifft.

In den Brandregionen war es noch nie so trocken

In den letzten Jahren hat sich der Trend offenbar verschärft. Die Regionen, die derzeit in Flammen stehen, verzeichnen seit 2016 in ihren trockensten Zeitraum seit Beginn der meteorologischen Aufzeichnungen. Die winterliche Niederschlagsmenge lag in einigen Gebieten unter der Hälfte des Normalniveaus. In Südaustralien war der Oktober der trockenste Oktober bisher.

Dieser Monat ist auf der Südhalbkugel ein Frühlingsmonat. Die Meteorologen erwarten, dass 2019 zumindest in New South Wales insgesamt ein Rekordjahr bei den Temperaturen wird. Der Januar 2019 war bisher der heißeste Monat im Land.

Studien internationaler Forscher haben für mehrere Regionen den Zusammenhang zwischen der Erderwärmung und Wetter-Extremereignissen analysiert. Auch für Australien konnte das gezeigt werden.

Wissenschaftlern der Universität Edinburgh ermittelten, dass zum Beispiel in der Feuersaison im Sommer 2016 das Brandrisiko durch den Klimawandel doppelt so hoch war, wie es ohne diesen Einfluss gewesen wäre.

Ähnliche Daten gibt es übrigens für die westlichen USA, wo erst jüngst wieder die kalifornischen Waldbrände Schlagzeilen machten. Laut US-Forschern hat sich die dort die Fläche der verbrannten Waldflächen unter anderem infolge des Klimawandels von 1984 bis 2015 fast verdoppelt.

"Dafür gibt es nur ein Wort – Bullshit"

Klimaexperten haben teils mit heftigen Worten auf darauf reagiert, dass führende australische Politiker den Zusammenhang mit dem Klimawandel abstreiten. Bill Hare, Leiter des Thinktanks Climate Analytics, antwortete auf McCormacks Einlassung: "Dafür gibt es wirklich nur ein Wort – Quatsch."

Zwischen Klimawandel und Waldbrandrisiko bestehe "ein starker und sehr gut nachgewiesener Zusammenhang". Es handele sich um ein vorhersehbares Risiko, das nur durch eine Redaktion des CO2-Ausstoßes noch begrenzt werden könne.

McCormacks Kommentare seien "absichtlich unwissend und, in aller Kürze, Bullshit." Amanda McKenzie, die Chefin des unabhängigen australischen Climate Council, sagte: "Es ist wichtig, über die Tatsache zu sprechen, dass der Klimawandel diese Megafeuer antreibt." Gemeinden, Feuerwehrleute, Gesundheitsdienste verdienten es, Bescheid zu wissen.

Greg Mullins, ein früherer Beauftragter für Brandbekämpfung in New South Wales, meinte: "Wenn dir jemand sagt: "'Dies ist Teil eines normalen Zyklus oder 'Wir hatten schon früher solche Brände', dann lächle höflich und gehe weg, weil sie nicht wissen, wovon sie reden." Er sei aber zuversichtlich, dass die Regierung, wenn sich Rauch und Staub gelegt haben, entscheidende Maßnahmen ergreifen werde, um die Treibhausgasemissionen herunterzufahren, sagte er. 

Australiens Klimapolitik ist allerdings bisher weit davon entfernt, die Klimaziele des Paris-Vertrags einzuhalten. Laut dem am Montag veröffentlichten "Brown to Green"-Report zur Klimapolitik der G20-Staaten bildet das Land hier sogar das Schlusslicht.

Die Treibhausgasemissionen des Landes sind danach seit 1990 um über 30 Prozent gestiegen. Die Energie gewinnt das Land zu 92 Prozent aus fossilen Quellen. Australien ist der weltweit größte Kohleexporteur und plant, seine Kohleexporte sogar zu verdoppeln.

Unterstützen Sie unabhängigen Journalismus!

klimareporter° wird herausgegeben vom gemeinnützigen Klimawissen e.V. Ihre Spende macht unabhängigen Journalismus zu Energiewende und Klimawandel möglich.

Spenden Sie hier