Der falsche April

Der April 2021 war hierzulande einer der kältesten der vergangenen 40 Jahre. Warum Kälteeinbrüche trotzdem nicht bedeuten, dass die Klimakrise vielleicht an uns vorübergeht, erklärt immer wieder geduldig der Deutsche Wetterdienst.


Ein Mensch mit einem Regenschirm geht neben einer Straße
Der April war kalt in Deutschland, aber weltweit gesehen sogar ein wenig wärmer als im 30-Jahres-Durchschnitt. (Foto: Pexels/Pixabay)

Der April macht, was er will. Sprichwörtlich. Der April 2021 hat es uns vor allem frieren lassen.

Von wegen Frühlingsgefühle. Man dachte fast, der Winter ist zurück. Minustemperaturen mit Schneefall, dann zwar kurz frühsommerliche Werte und Sonnenschein satt.

Aber gleich wieder dicke Wolken, Regen und Sturm, gefolgt von kühlen Temperaturen mit Sonne, starkem Wind und trockener Luft.

Der Deutsche Wetterdienst meldete denn auch: Dieser April war einer der kältesten der vergangenen 40 Jahre. Die Temperatur lag im Schnitt rund drei Grad unter der eines "normalen" April in der aktuellen Klima-Referenzperiode von 1991 bis 2020 und immer noch 1,5 Grad unter dem April-Mittelwert in der vorangegangenen Periode 1961 bis 1990.

Ja, und der Klimawandel? Wo bleibt denn er? Natürlich gibt es Zeitgenossen, die (sich und andere) das fragen. Verständlich, wo doch wir Deutschen seit vielen Jahren sehr viel wärmere April-Temperaturen gewöhnt sind.

So fiel der April 2020 mit durchschnittlich 10,4 Grad rund vier Grad wärmer aus als der diesjährige. Und 2018 war mit 12,4 Grad sogar der bislang wärmste April in Deutschland seit Beginn der Wetteraufzeichnungen ermittelt worden.

Freilich gilt hier wie immer: Wetter ist nicht gleich Klima. Es kann auch in Zeiten des Klimawandels einmal kalte Monate geben. Und dann kommt es eben nicht nur darauf an, wie die Temperatur in Deutschland ist, sondern, wie es weltweit aussieht.

Warmer April im hohen Norden und Nahen Osten

Und hier zeigt sich: Auch dieser April passt ins Muster: Die weltweite Durchschnittstemperatur lag etwa 0,2 Grad über dem Durchschnitt der Periode 1991 bis 2020. In Europa war es zwar relativ kalt, überdurchschnittliche Temperaturen aber herrschten vor allem im Nordosten Kanadas, im Nordwesten Russlands und im Nahen Osten, wie der von der EU finanzierte Copernicus-Klimawandeldienst mitteilte.

Joachim Wille ist Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.

Klimawandel-Leugner können aus dem kalten deutschen April nicht wirklich Honig saugen. Beim Wetterdienst heißt es: "Dieser April ändert nichts am Trend. Seit Aufzeichnungsbeginn 1881 hat sich die Monatsmitteltemperatur im April in Deutschland um knapp zwei Grad erhöht."

Genauso wie der Rest der Zeitgenossen aus dem Turbo-Sommer, der für dieses Mai-Wochenende angekündigt ist, nicht das Gegenteil herauslesen kann. Nochmal: Wetter ist halt nicht gleich Klima.

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